2.29.9 (k1960k): 5. Aufklärungsbroschüre über eine freiwillige Lebensmittelbevorratung im Haushalt, BML

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 13. 1960Flugblatt des BeamtenbundesAm 16. August 1960 werden in Berlin neue Warenlisten und Vereinbarungen für den innerdeutschen Handel unterzeichnet Broschüre zur LebensmittelbevorratungSchreiben Adenauers betr. Salzgitter-Konzern

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5. Aufklärungsbroschüre über eine freiwillige Lebensmittelbevorratung im Haushalt, BML

Staatssekretär Dr. Sonnemann trägt den Inhalt der Vorlage des Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vor 16. Er bemerkt ergänzend, daß bei einer Meinungsbefragung 65% der befragten Hausfrauen sich positiv zu der Broschüre geäußert hätten. Die Meinungsbefragung habe das Institut für Selbsthilfe in Köln durchgeführt 17. Der Bundesminister für Angelegenheiten des Bundesrates und der Länder teilt mit, daß seine Ehefrau die Broschüre geprüft habe und die darin erteilten Ratschläge für nicht durchführbar halte. Der Bundeskanzler bittet Staatssekretär Dr. Sonnemann, diese Anregung auszuwerten und dem Presse- und Informationsamt Gelegenheit zu geben, zu der Broschüre unter dem Gesichtspunkt der psychologischen und propagandistischen Wirkung Stellung zu nehmen 18. Er regt ferner an, das Vorratspaket einer gewissen Zahl von Frauen in verschiedenen sozialen Verhältnissen und ferner einzelnen sachverständigen Bundestagsabgeordneten zuzuschicken, um auch von dieser Seite eine Stellungnahme zu erhalten. Das Kabinett stimmt dieser Anregung zu und behält sich die Beschlußfassung in einer späteren Sitzung vor 19.

16

Siehe 105. Sitzung am 22. April 1960 TOP 4 a. - Vorlage des BML vom 5. Juli 1960 in B 116/23746, weitere Unterlagen zur Aufklärungsaktion in B 116/23740, 23742, 23745, 23748 und AA B 14-301, Bd. 182. Vgl. dazu den „Spiegel" Nr. 40 vom 28. Sept. 1960, S. 28-30. - In seiner Vorlage hatte der BML auf seinen Erfahrungsbericht über die Teilnahme an der NATO-Stabsrahmenübung SIDE STEP im Jahr 1959 verwiesen und als erste Maßnahme, um die Bevölkerung für die notwendige freiwillige Anlage von Vorräten zu gewinnen, eine Aufklärungsbroschüre mit praktischen Ratschlägen zur Zusammensetzung, Haltbarkeit, Aufbewahrung und Pflege vorgelegt. Sinn, Vorteil und Nutzen wurde darin anhand des Märchens vom „König auf dem Hafersack" erläutert. Aus Sorge um eventuelle Schockwirkungen auf die Bevölkerung wurde ein möglicher Verteidigungsfall als Grund für die Bevorratung zunächst gezielt nicht erwähnt. Besprechungen mit Hausfrauen hatten aber ergeben, dass gerade dieser Gesichtspunkt ebenso wie der Hinweis auf die staatliche Lebensmittelbevorratung aufgenommen werden sollte. Der BML hatte um Zustimmung für eine entsprechend geänderte Broschüre gebeten.

17

Unterlagen zur Meinungsumfrage des Institutes für Selbsthilfe in B 116/23741. Aus den Umfragen ging auch hervor, dass die Akzeptanz einer privaten Bevorratung bei den Befragten tendenziell zunahm. 1959 befürworteten sie 56%, 41% standen ihr negativ gegenüber, im März 1960 waren bereits 65% dafür, 34% lehnten sie weiter ab.

18

Am 10. Aug. 1960 fand im BPA eine Staatssekretärbesprechung statt, in deren Ergebnis die Broschüre vom BPA zwar als geeignet angesehen, eine erneute Kabinettsvorlage aber auf den Herbst verschoben und die vorgesehene Veröffentlichung zurückgestellt wurde (vgl. den Vermerk des BML vom 10. Aug. 1960 in B 116/23746).

19

Die Broschüre wurde 1961 als Auftakt eines zweijährigen Aktionsprogramms mit dem Werbespruch „Denk daran, schaff Vorrat an" und dem Signum des Eichhörnchens an die Haushalte verteilt (vgl. den Vermerk des BML vom 2. Febr. 1961 in B 116/23746).

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