2.8.9 (k1966k): B. Fusion von Großwerften in Hamburg

Zum Text. Zur Fußnote (erste von 2). Zu den Funktionen. Zum Navigationsmenü. Zum Navigationsbaum

 

Bandbilder:

Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 19. 1966Mende besichtigt die Berliner MauerMünchen wird Austragungsort für die Olympischen Spiele 1972Die Autobahnbrücke über die Saale wird für den Verkehr freigegebenCDU/CSU und SPD nehmen Koalitionsverhandlungen auf

Extras:

 

Text

Tagesordnungspunkt als RTF Download

[B.] Fusion von Großwerften in Hamburg

Bundesminister Dr. Dollinger berichtet eingehend über die Gespräche und Verhandlungen über eine Fusion von Hamburger Werften. Er übt nachdrücklich Kritik an dem Verhalten der Gesprächspartner des Bundes, die ohne Vorankündigung kurzfristig andere Entscheidungen getroffen hätten, nachdem eine Einigung über einen von den Bundesressorts geförderten Fusionsplan praktisch bereits erzielt worden war 31. Er bezweifelt, ob auf der neuen Basis weiterhin eine „große Lösung" in der Fusionsfrage gefunden werden könne. Nach eingehender Diskussion, an der sich der Bundeskanzler, die Bundesminister Dr. Dollinger, Dr. Dahlgrün, v. Hassel, Stücklen und Lücke sowie Staatssekretär Dr. Krautwig beteiligen, neigt die Mehrheit des Kabinetts zu der Auffassung, daß der Gedanke einer „großen Lösung" bei einer Zusammenfassung der Hamburger Werften weiter verfolgt werden sollte. Der Bundeskanzler zieht in Erwägung, zu einem geeigneten Zeitpunkt alle beteiligten Gruppen zu sich einzuladen, um den Gesprächen einen neuen Anstoß zu geben 32.

31

Zum Werfthilfeprogramm der Bundesregierung vgl. 18. Sitzung des Kabinettsausschusses für Wirtschaft am 25. März 1965 TOP 3 (B 136/36230) und 162. Sitzung am 28. April 1965 TOP 4 (Kabinettsprotokolle 1965, S. 189 f.). - Die Werft H. C. Stülcken Sohn hatte wegen bevorstehender Investitionen und ihres unzureichenden Eigenkapitals seit Sommer 1964 die Anlehnung an die bundeseigene Werft Howaldtswerke Hamburg AG gesucht. Die Verhandlungen waren im Interesse einer breiteren Kapitalbasis zunächst auch auf die Firma Siemens & Halske AG ausgedehnt worden. Da die Unternehmensgruppe um einen weiteren Werftpartner ergänzt werden sollte, waren Gespräche auch mit den Werften Blohm & Voss AG und Deutsche Werft AG geführt worden. Nach § 47 der Reichshaushaltsordnung (RHO) vom 31. Dez. 1922 (RGBl. 1923 II 17) war ein solcher Zusammenschluss von der Zustimmung des Bundes abhängig. Nachdem am 26. Nov. 1965 eine grundsätzliche Einigung erzielt und am 16. Dez. mit dem BMSchatz eine Vereinbarung getroffen worden war, wonach die Werftenkonzentration in zwei Schritten durchgeführt werden sollte, d. h. zunächst die Fusion von Stülcken, Howaldt und Siemens, später mit einer anderen Werft, hatte Stülcken parallele Verhandlungen mit Vertretern der Blohm & Voss AG geführt. Die Werft Blohm & Voss AG, die auf eine große Fusion in einem Schritt gehofft und bei einer zweistufigen Fusion befürchtet hatte, isoliert zu werden, hatte am 15. Febr. 1966 kurzerhand die Stülcken-Werft erworben. Vgl. den Vermerk des Bundeskanzleramts vom 23. Febr. 1966 zum Verhandlungsverlauf von Sommer 1964/Anfang 1965 bis Februar 1966 in B 136/7388, weitere Unterlagen in B 102/162898 und B 126/34820 sowie 34821.

32

Erhard besuchte anlässlich einer Wahlreise nach Hamburg die Werften Blohm & Voss sowie die Howaldtswerke. Vgl. den Vermerk des Bundeskanzleramts vom 21. März 1966 in B 136/7388. - Der BMSchatz verfolgte die Fusion der Howaldtswerke Hamburg AG mit der Kieler Howaldtswerke AG und der Deutsche Werft AG weiter. Im November 1967 stimmten die Aufsichtsräte einem Zusammenschluss zu einer Betriebsgesellschaft „Howaldtswerke-Deutsche Werft AG" zu. Unterlagen dazu in B 126/34821, 34822 und B 136/7388, vgl. Bulletin Nr. 66 vom 18. Mai 1966, S. 517, und Nr. 130 vom 14. Nov. 1967, S. 1108.

Extras (Fußzeile):