1.25.6 (k1986k): ‹5. Ausbildungsleistungen des Bundes 1986 (Az. III B 1 - 6014 - 1/3 des BMBW vom 18.6.1986)›

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Palais SchaumburgBandrücken der EditionÜberreichung des ersten Bandes an Bundeskanzler Helmut SchmidtDas Bundesarchiv, KoblenzKabinettssitzung 1956

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‹5. Ausbildungsleistungen des Bundes 1986 (Az. III B 1 - 6014 - 1/3 des BMBW vom 18.6.1986)›

Zum vorliegenden Jahrgang der Kabinettsprotokolle der Bundesregierung wird ein editorischer Sachkommentar noch erstellt (siehe die Seiten „Start" und „Kabinett" dieser Online-Version).

(10.18 Uhr)

Frau BM Wilms führt in die Vorlage ein. Die Ausbildungsleistung des Bundes sei gegenüber 1983 um 17% gesteigert worden. Der Widerstand der Gewerkschaften gegen eine Überausbildung, wie sie in Teilbereichen - etwa bei Bahn und Post - stattfinde, sei erheblich zurückgegangen.

‹Auf Vorschlag des Bundeskanzlers wird Einigkeit dahingehend erzielt, daß die von Frau BM Wilms für den heutigen Nachmittag vorgesehene Pressekonferenz über die dem Kabinett unter der Federführung des BMBW vorgelegten Tagesordnungspunkte auf den 10. Juli 1986 verlegt wird, um die vom Kabinett gebilligten Vorlagen in aller Ausführlichkeit vorstellen zu können.

Das Kabinett nimmt die Vorlage des BMBW zur Kenntnis.›

Der Bundeskanzler spricht sodann die Probleme der Ausbildungssituation der Mädchen sowie der Arbeitslosigkeit junger Frauen an. Ihn bedrücke dieses Thema um so mehr, als hier regionale Probleme der Arbeitslosigkeit mit geschlechtsspezifischen Schwierigkeiten beim Zugang in viele Ausbildungsgänge zusammenträfen. Das Verfassungsprinzip der Gleichberechtigung stehe hier gegen die Praxis der tatsächlich bestehenden Problemvielfalt insbesondere für Mädchen.

Frau BM Wilms sieht ein Hauptproblem bei der Gruppe der schwervermittelbaren Mädchen, die vielfach in alten Denkschablonen verharrten. Darüber hinaus werde heute zwar vielfach die Ausbildung in neuen Berufsbildern akzeptiert, in der Folge mangele es dann jedoch an der Beschäftigung in eben diesen Berufen. Notwendig seien Überlegungen, inwieweit Beschäftigungsperspektiven für die Zukunft eröffnet werden könnten.

Für den Bundeskanzler stellt sich als Teilproblem dieses Gesamtkomplexes etwa die Berufsberatung dar. Er sieht hier eine deutliche Schwerpunktsetzung zugunsten der Jungen. Diese Einschätzung wird von Frau BM Süssmuth geteilt, für die die herkömmliche Berufsberatung und -orientierung nicht genügt, um jungen Mädchen ausreichende Ausbildungs- und Berufschancen zu eröffnen.

Nach Auffassung des Bundeskanzlers muß das in weiten Kreisen der weiblichen Bevölkerung festzustellende Moment der Unsicherheit gegenüber Zukunftschancen und Beruf abgebaut werden, wenn die von der Bundesregierung gewollte positive Einstellung junger Familien zum eigenen Kind gefördert werden soll. Wenn Zukunftshoffnung und Optimismus gefördert werden solle, dann müsse zu denen gegangen werden, die gegenwärtig die Hauptlasten trügen. Der Bundeskanzler fordert BMJFFG, BMBW und BMA auf, in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zusammenzustellen, was zugunsten von Mädchen und jungen Frauen von seiten der Politik geschehen könne. Hier sei Ideenreichtum gefragt, nicht hingegen Kritik an der Vergangenheit. Er gehe davon aus, daß diese Arbeitsgruppe ihre Arbeit auf Ministerebene aufnehmen werde, um sich anschließend mit den geeigneten Mitarbeitern der Prüfung pragmatischer Schritte zuzuwenden. Nach seiner Auffassung bedürfe es einer Klimaveränderung im Hinblick auf die Zukunftserwartung breiter Schichten der weiblichen Bevölkerung ebenso wie der Durchbrechung von Milieusperren.

BM Blüm verweist auf die Fülle von Maßnahmen, die die Bundesregierung in diesem Zusammenhang in der Vergangenheit bereits beschlossen habe. Immer wieder werde deutlich - und dieser Hinweis wird im weiteren von Frau BM Wilms sowie von Frau BM Süssmuth unterstrichen -, daß die umgesetzten Maßnahmen nicht bis zu den Betroffenen durchdringen. Die speziellen Frauenprogramme, die existierten, seien großenteils nicht bekannt. Er - BM Blüm - sehe die Hauptaufgabe der Bundesregierung darin, das Beschlossene immer wieder deutlich zu machen. Darüber hinaus müsse die geschlechtsspezifische Sicht bei vielen Berufsbildern abgebaut werden. Die Lösung liege nicht in immer neuen Vorschlägen, die dann letztlich nicht die Betroffenen erreichten.

Frau BM Wilms sieht die Hauptaufgabe der vom Bundeskanzler initiierten Arbeitsgruppe darin, die unterschiedlichen in der Vergangenheit beschlossenen Maßnahmen bekanntzumachen, zu bündeln und dann zu sehen, was an weiteren Maßnahmen notwendig ist. Sie erklärt, über das Ergebnis der Arbeitsgruppe dem Kabinett berichten zu wollen.

‹Auf Vorschlag des Bundeskanzlers beschließt das Kabinett, daß eine aus BMJFFG, BMBW und BMA zusammengesetzte Arbeitsgruppe bis Anfang Oktober 1986 zur Unterrichtung des Kabinetts diejenigen Maßnahmen zusammenstellt, die in der Vergangenheit zugunsten von berufstätigen und in die Ausbildung strebenden sowie in der Ausbildung befindlichen Frauen beschlossen wurden. Darüber hinaus soll diese Arbeitsgruppe zum gleichen Termin Vorschläge vorlegen, was in dieser Hinsicht künftig getan werden kann.›

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