2.22.4 (k1960k): A. Erdbebenkatastrophe in Chile

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 13. 1960Flugblatt des BeamtenbundesAm 16. August 1960 werden in Berlin neue Warenlisten und Vereinbarungen für den innerdeutschen Handel unterzeichnet Broschüre zur LebensmittelbevorratungSchreiben Adenauers betr. Salzgitter-Konzern

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[A.] Erdbebenkatastrophe in Chile

Der Bundesminister für Wirtschaft teilt mit, daß der Bundeskanzler sich bei seinem Besuch in Cadenabbia gegen die Durchführung einer Sammlung zu Gunsten der Hilfe für Chile ausgesprochen habe. Er, der Minister, sei ebenfalls dieser Ansicht. Der Betrag von 1 Mio. DM sei zu gering. Unter Hinweis auf die Bedeutung der deutschen Kulturstätten in Chile schlage er die Bereitstellung von 10 Mio. DM vor, die je zur Hälfte der chilenischen Regierung und den deutschen Vereinen und Kulturträgern in Chile zur Verfügung gestellt werden sollten 8.

8

Am 22. Mai 1960 und den folgenden Tagen hatte ein schweres Erdbeben weite Teile Südchiles verwüstet. Die Naturkatastrophe forderte 5700 Todesopfer. Eine Million Menschen wurde obdachlos. Schröder, der in Argentinien an den Feierlichkeiten anlässlich des 150. Jahrestages der Unabhängigkeit teilgenommen hatte, hatte seine Reise unterbrochen und nach Unterredungen mit dem chilenischen Staatspräsidenten und Regierungsvertretern das Katastrophengebiet besucht. Nach Unterredung mit Erhard, von Brentano, Etzel und Gerstenmaier hatte er Adenauer mit Schreiben vom 8. Juni 1960 unterrichtet, eine Soforthilfe von 10 Millionen DM und die Entsendung einer Expertengruppe vorgeschlagen. Adenauer äußerte sich mit Fernschreiben aus Cadenabbia am 13. Juni 1960 zustimmend zu den Vorschlägen Schröders (Schreiben Schröders und Fernschreiben Adenauers in B 136/2976, weitere Unterlagen in B 102/93758, B 136/2125 und AA B 1, Bd. 70).

Nach der Vorstellung des Bundesinnenministeriums sollte eine Expertengruppe von neun Mann nach Chile entsandt werden, um die Verhältnisse zu prüfen. Dies halte er für abwegig. Nur wenn die chilenische Regierung darum bitte, sollte man diesem Gedanken näher treten.

Der Bundesminister des Auswärtigen spricht sich ebenfalls gegen eine Sammlung aus. Auch gegen die Entsendung einer so großen Delegation erhebt er Bedenken, zumal dadurch unter Umständen übertriebene Hoffnungen auf eine Hilfeleistung erweckt werden könnten. Auch der Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen, der Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung und der Bundesminister für Angelegenheiten des Bundesrates und der Länder sprechen sich dafür aus, Sachverständige nur zu entsenden, wenn die chilenische Regierung darum nachsuche.

Der Bundesminister der Finanzen stimmt der Bereitstellung eines Betrages von 10 Mio. DM für die Hilfsmaßnahmen zu. Er schlägt vor, in den Haushalten der Ressorts jeweils 500 000 DM einzusparen und für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Auch er sei bereit, für seinen Haushalt die gleiche Verpflichtung zu übernehmen. Außerplanmäßig könne er den Betrag wegen der Lage des Bundeshaushalts nicht aufbringen.

Nach Aussprache, an der sich die Bundesminister der Finanzen, für Wirtschaft, für wirtschaftlichen Besitz des Bundes, des Auswärtigen und Staatssekretär Dr. Westrick beteiligen und in der auch die Frage, ob Mittel aus dem Entwicklungsfonds für die Hilfsmaßnahmen abgezweigt werden können, erörtert wird, beschließt das Kabinett, einen Betrag von 10 Mio. DM für die Hilfsmaßnahmen für Chile bereitzustellen. Der Betrag soll je zur Hälfte der chilenischen Regierung und den deutschen Vereinen, Kulturträgern usw. in Chile zur Verfügung gestellt werden. Die Deckung für diese Ausgabe soll noch zwischen den beteiligten Ressorts festgelegt werden. Eine Kommission soll nur auf Anforderung der chilenischen Regierung entsandt werden. Der Beschluß über die Bereitstellung dieses Betrages für die Hilfsmaßnahmen in Chile soll noch heute der Presse bekanntgegeben werden 9.

9

Text der Pressekonferenz vom 10. Juni 1960 in B 145 I F/80, vgl. „Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 11. Juni 1960, S. 1. - Fortgang 110. Sitzung am 15. Juni 1960 TOP C.

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