2.33.1 (k1956k): A. Westberliner Ferienkinder

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 9. 1956Portrait Jakob KaiserZur Debatte um die vom Deutschen Gewerkschaftsbund geforderte Einführung der 40 Stunden-WocheAm 20. Jan. 1956 besichtigt Bundeskanzler Konrad Adenauer in Begleitung des Bundesministers der Verteidigung Theodor Blank in Andernach die aus Freiwilligen bestehende Lehrkompanie der im Aufbau befindlichen Bundeswehr Am 12. Mai 1956 empfängt Bundeskanzler Konrad Adenauer den ehemaligen britischen Premierminister Winston Churchill zu einem Gespräch im Bundeskanzleramt

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[A.] Westberliner Ferienkinder

Der Vizekanzler nimmt auf einen Artikel „Arme Berliner Kinder" im Bonner Generalanzeiger vom 13. 6. Bezug und vertritt die Auffassung, man dürfe die in diesem Artikel auch gegen Kabinettsmitglieder enthaltenen Angriffe nicht unerwidert lassen 1. Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen ist der Ansicht, die Bundesregierung habe den Appell des Bundespräsidenten vom 13. März, Westberliner Ferienkinder im Bundesgebiet unterzubringen 2, nicht genügend unterstützt. Die Bundesminister für Angelegenheiten des Bundesrates und des Innern erklären, daß - abgesehen von amtlichen Maßnahmen - die Wohltätigkeit eine Privatangelegenheit sei. Man dürfe nicht in NS-Methoden verfallen. Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen erklärt sich bereit, sich der Unterbringung Westberliner Ferienkinder im Bundesgebiet besonders anzunehmen und persönliche Angriffe gegen Kabinettsmitglieder durch unmittelbare Besprechungen mit den in Frage kommenden Journalisten zu verhindern 3.

1

In diesem Artikel war behauptet worden, daß mit Ausnahme von Jakob Kaiser kein Mitglied des Kabinetts sich bereit erklärt habe, ein Kind aus Westberlin für die Dauer der Ferien aufzunehmen oder einen Freiplatz zu finanzieren. Lediglich der Bundespräsident habe Freiplätze für zehn Kinder zur Verfügung gestellt. Insgesamt seien für die 20 000 erholungsbedürftigen Westberliner Kinder nur 10 000 Plätze angeboten worden (Artikel und weitere Unterlagen in B 137/1093 f.).

2

Heuss hatte am 15. März 1956 einen Aufruf der Stiftung Hilfswerk Berlin, die sich seit 1954 für diese Aktion eingesetzt hatte, unterzeichnet. In diesem Aufruf war von 50 000 erholungsbedürftigen Kindern gesprochen worden (B 137/1094).

3

Siehe dazu auch die Mitteilung des BPA Nr. 837/56 vom 13. Juni 1956, in der bekanntgegeben wurde, daß der BMI 400 000 DM für die Aktion zur Verfügung stellen wollte. - Jakob Kaiser berichtete am 14. Juni, daß Adenauer die Kosten für zehn, Oberländer und Erhard für je drei und Blücher und Schäffer für je zwei Kinder übernehmen wollten. Kaiser wies darauf hin, daß die Spender Wert darauf legten, „daß die Kinder im Bonner Raum untergebracht werden, damit auch zum Ausdruck kommt, daß innerhalb Bonns durchaus die Bereitschaft besteht, Berlin zu helfen" (Schreiben an den Hauptgeschäftsführer des Hilfswerks in B 137/1094). - Siehe auch die BT-Drs. Nr. 2506 (neu), 2526, 2647 und 2662. - Nach dem Bericht des Berliner Senators für Jugend und Sport vom 8. Okt. 1956 konnten vom 1. Jan. bis zum 30. Sept. 1956 29 788 Kinder zur Erholung verschickt werden (B 137/1093).

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