2.7.1 (k1949k): 1. Neufestsetzung des Wechselkurses der D-Mark

Zum Text. Zur Fußnote (erste von 5). Zu den Funktionen. Zum Navigationsmenü. Zum Navigationsbaum

 

Bandbilder:

Kabinettsprotokolle 1949 - TitelblattDas Bundeskabinett am Tage der Vereidigung (20. Sept. 1949)Konrad Adenauer im Gespräch mit Theodor HeussFaksimile der Vorlage der Edition: die Kurzprotokolle der KabinettsitzungenAntrittsbesuch des Bundeskanzlers  bei den Hohen Kommissaren

Extras:

 

Text

Tagesordnungspunkt als RTF Download

1. Neufestsetzung des Wechselkurses der D-Mark

Der Bundeskanzler berichtet zusammenfassend über eine am Sonnabend, dem 24. 9. abends inoffiziell eingegangene Mitteilung 2 des Botschafters François-Poncet, daß eine deutsche Zustimmung zu einer DM-Abwertung um 20% die gegen eine 25%ige Abwertung bestehenden Bedenken beheben würde. Wenn die deutsche Regierung einer Abwertung um 20% nicht zustimme, entstehe eine schwierige Situation, weil die Hohen Kommissare die Angelegenheit an ihre Regierungen überweisen müßten. Die alliierten Bedenken stünden im Zusammenhang mit dem Kohlepreis 3. Am Sonntagabend habe eine Unterredung mit dem amerikanischen Hohen Kommissar McCloy 4 stattgefunden, an der von deutscher Seite außer ihm Minister Blücher, Erhard, Schäffer und Direktor Abs von der Wiederaufbaubank teilgenommen hätten 5. McCloy habe erkennen lassen, daß die Amerikaner grundsätzlich mit dem deutschen Vorschlag einverstanden seien, sie aber andererseits großen Wert auf Übereinstimmung zwischen allen Beteiligten legten. Er habe McCloy erklärt, daß die deutsche Regierung in Würdigung seines guten Rates bereit sei, auf einen Umrechnungskurs von 23,8 Dollarcents einzugehen, daß jedoch deutscherseits eine Verbindung der Relation Dollar - DM mit dem Kohleexportpreis aus politischen Gründen abgelehnt werden müsse. Man sei sich deutscherseits darüber klar, daß die Frage des Kohlepreises ohnehin einer Neuordnung bedürfe. McCloy habe den Vorschlag gemacht, bei der Berechnung des Kohleexportpreises den alten Umrechnungskurs weiterhin zugrunde zu legen. Deutscherseits sei das als annehmbar bezeichnet worden, wenn das gleiche Verhältnis für die Weizenimporte gelte.

Der Bundeswirtschaftsminister: Ein Export der Kohle zum alten Dollarpreis, aber nicht auf Grund der neuen Parität, werde einen Verlust von 100 Mill[ionen] Dollar bedeuten, wobei die Dollarknappheit in der Devisenbilanz besonders ins Gewicht falle. Man müsse unbedingt den Standpunkt einnehmen, daß Währungsabschlag und Kohleexportpreis nichts miteinander zu tun hätten.

Die Bundesregierung stimmt der Stellungnahme des Bundeskanzlers zu. Die Bundesminister Dr. Schäffer und Dr. Erhard werden beauftragt, gegebenenfalls an den Besprechungen der Hohen Kommissare am 26. 9. abends teilzunehmen, wenn dies von alliierter Seite gewünscht wird 6.

Fußnoten

2

Aufzeichnung (ohne Datum und Verfasser) in NL Schäffer/35. Hier auch „Aktennotiz zur Währungssituation nach dem Stand vom 24. Sept. 1949, 23.00 Uhr".

3

Frankreich, das ursprünglich einer Abwertung der DM gegenüber dem Dollar um höchstens 15% zustimmen wollte (vgl. FRUS 1949 III, S 450), hatte die Forderung nach einer Neuregelung der deutschen Kohleexportpreise im Zusammenhang mit der DM-Abwertung erhoben (FRUS 1949 III, S, 451 und 454). - Diese Forderung nach einer Angleichung der deutschen Kohleexportpreise an die niedrigeren Inlandspreise stand im Einklang mit den Beitrittsbestimmungen zum OEEC-Abkommen (vgl. 9. Sitzung am 4. Okt. 1949 TOP 6). Zum Abbau doppelter Preissysteme im Außenhandel vgl. Verträge der Bundesrepublik Deutschland, Serie A Bd. 1, S. 7.

4

John J. McCloy (geb. 1895). Rechtsanwalt, 1941-1945 Unterstaatssekretär im Kriegsministerium der USA, 1947-1949 Präsident der Weltbank, 1949-1952 Militärgouverneur und Hoher Kommissar der USA in Deutschland.

5

Siehe S. 327 f.

6

Fortgang 8. Sitzung am 28. Sept. 1949 TOP 1.

Extras (Fußzeile):