2.2.12 (k1950k): E. Äußerungen von Pastor Niemöller und Probst Grüber

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Titelblatt: Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung 1950Portrait Walter StraußPortrait Hans LukaschekSchreiben Adenauers zur Entlassung von Heinemann.Portrait: Robert Lehr

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[E. Äußerungen von Pastor Niemöller und Probst Grüber]

Der Bundeskanzler teilt mit, daß er Herrn Pastor Niemöller 26 zu der in der Presse wiedergegebenen Erklärung, die Bundesrepublik sei in Rom gezeugt und in Washington geboren 27, einen Brief geschrieben habe 28, um festzustellen, was nun tatsächlich gesagt sei. Eine Antwort auf diesen Brief sei noch nicht ergangen 29. Die Erklärung des Pastors Niemöller - vor allem auch des Probstes Grüber 30 hätte in den Vereinigten Staaten viel Staub aufgewirbelt. Es sei unerfreulich, daß es zu derartigen Erklärungen höherer kirchlicher Würdenträger gekommen sei 31.

Fußnoten

26

Martin Niemöller (1892-1984). 1933 Gründer des gegen die reichskirchlichen Bestrebungen der nationalsozialistischen Regierung gerichteten Pfarrernotbundes, 1937 verhaftet, 1938-1945 Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau; 1945-1955 Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1947-1964 Präsident der Landeskirche Hessen und Nassau.

27

Ausführlicher Schriftwechsel zu diesen Äußerungen, insbes. mit Niemöller, in NL Heinemann/23-26.

28

Schreiben Adenauers vom 4. Jan. 1950 in NL Adenauer/12.07.

29

Niemöller hatte dem Bundeskanzler am 27. Dez. 1949 eine Stellungnahme und Materialien zu den Interviews zuleiten lassen und am 3. Jan. 1950 ein persönliches Schreiben nachgereicht (NL Heinemann/24 und NL Adenauer/12.07). Am 18. Jan. 1950 wandte sich Adenauer noch einmal an Niemöller und der Kirchenpräsident antwortete am 25. Jan. 1950 u. a.: „... Dagegen möchte ich es ablehnen von Ihnen Belehrungen entgegenzunehmen darüber, daß dies sogenannte ,Interview' bei den Hohen Kommissaren ,etwas peinliches Aufsehen erregt hat'. Ich habe in der Zwischenzeit ein mehrstündiges Gespräch sowohl mit Mr. McCloy wie auch mit M. François-Poncet gehabt, sodaß ich über die Auffassung dieser beiden Herren völlig im Bilde bin. Von einem ,peinlichen Aufsehen' habe ich bei beiden Herren nichts gefunden." (NL Adenauer/12.07 und NL Heinemann/24).

30

D. Heinrich Grüber (1891-1975). 1940-1943 in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau; 1949-1958 Bevollmächtigter der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Regierung der DDR. - Grüber hatte an Weihnachten 1949 gemeinsam mit Bischof Dibelius das DDR-Konzentrationslager Sachsenhausen besucht. Sein Bericht über diesen Besuch (NL Heinemann/283) führte zu Angriffen in der Öffentlichkeit und zu Auseinandersetzungen auf der Tagung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland in Halle (vgl. 37. Sitzung am 20. Jan. 1950 TOP J). - Siehe dazu auch H. Grüber: Erinnerungen aus sieben Jahrzehnten. Köln, Berlin 1968, S. 295-304.

31

Diese Kontroverse zwischen Adenauer und Niemöller wurde schließlich bei einem Gespräch zwischen führenden Mitgliedern der Evangelischen Kirche und der CDU am 21. März 1950 in Königswinter beigelegt. Nach einer Erklärung Niemöllers gab Adenauer die Versicherung ab, damit sei die Angelegenheit für die CDU erledigt. (NL Heinemann/26).

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