2.44.6 (k1950k): A. Kohlenpreise

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Titelblatt: Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung 1950Portrait Walter StraußPortrait Hans LukaschekSchreiben Adenauers zur Entlassung von Heinemann.Portrait: Robert Lehr

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[A. Kohlenpreise]

Der Vizekanzler berichtet über die jüngsten Verhandlungen in der Ruhrbehörde über den Kohlepreis 24. Er teilt mit, daß die Diskussionen außerordentlich heftig geführt seien und daß er es aus der Gesamtsituation heraus für notwendig halte, daß man deutscherseits dem Wunsche der Gegenseite entgegenkommen müsse - etwa dergestalt, daß man die Spanne zwischen den beiden Preisen um etwa 1/4 vermindere 25. Dies würde eine Erhöhung des Kohlepreises um 27 ½ Pfennig ausmachen 26. Für dieses Entgegenkommen erwarte man, daß den Deutschen gegenüber der Grundsatz der Gegenseitigkeit erstmals anerkannt werde. Eine Entscheidung über Artikel 15 werde die deutsche Delegation keinesfalls über sich ergehen lassen. Die Verhandlungen werden fortgeführt 27; auch die Deutsche Kohlenbergbau-Leitung beschäftige sich mit dem Problem 28.

Im Zusammenhang mit diesen Erörterungen weist der Vizekanzler unter Zustimmung des Bundesministers für Verkehr darauf hin, daß es wohl zweckmäßig sei, sich deutscherseits einmal mit Herrn Friedrich 29, dem früheren Berater von General Clay, über die amerikanischen Verhältnisse, vor allem in Beziehung zu den deutschen Problemen, zu unterhalten. Herr Friedrich hält zurzeit Gastvorlesungen in Heidelberg und wird etwa Mitte Juli in Bonn sein. Bei dieser Gelegenheit solle versucht werden, mit Friedrich ins Gespräch zu kommen.

Fußnoten

24

Vgl. 75. Sitzung am 20. Juni 1950 TOP C.

25

Protokoll vom 22. Juni 1950 (1. Teil) in B 130/37 und B 146/ 210. - In dieser Sitzung waren der amerikanische und der deutsche Vorschlag zum Abbau der Doppelpreisspanne erörtert worden, ohne eine Annäherung zu erzielen. - Auf Vorschlag des Ratsvorsitzenden, einen Ausschuß zur Erarbeitung einer Kompromißformel einzusetzen, beauftragte der Rat am 27. Juni 1950 (2. Teil der Sondersitzung) den französischen Vertreter mit der Vorbereitung eines Einigungsentwurfs (Protokoll ebenda, dazu Bericht des deutschen Vertreters vom 27. Juni 1950 in B 146/202).

26

Durchschnittlicher Betrag pro Tonne, um den der deutsche Inlandspreis angehoben werden sollte.

27

Fortgang 81. Sitzung am 7. Juli 1950 TOP C.

28

Die Deutsche Kohlenbergbau-Leitung (DKBL), die maßgeblich an der Erarbeitung deutscher Vorschläge beteiligt war, legte am 26. Juni 1950 einen weiteren Entwurf vor (B 130/95).

29

Im Protokolltext Friedrichs. - Carl J. Friedrich (geb. 1901). Seit 1922 in den USA lebend, Professor für Politische Wissenschaften; 1946-1949 Governmental Affairs Advisor von General Lucius D. Clay, dem amerikanischen Militärgouverneur in Deutschland bis 1949. - C. J. Friedrich u. a. American Experiences in Military Government in World War II. New York 1948.

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