2.48.20 (k1950k): H. 30. Jahrestag der Volksabstimmung in Ost- und Westpreußen

Zum Text. Zur Fußnote (erste von 6). Zu den Funktionen. Zum Navigationsmenü. Zum Navigationsbaum

 

Bandbilder:

Titelblatt: Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung 1950Portrait Walter StraußPortrait Hans LukaschekSchreiben Adenauers zur Entlassung von Heinemann.Portrait: Robert Lehr

Extras:

 

Text

Tagesordnungspunkt als RTF Download

[H. 30. Jahrestag der Volksabstimmung in Ost- und Westpreußen]

Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen legt dem Kabinett einen Entwurf einer Erklärung der Bundesregierung zum 30. Jahrestag der Volksabstimmung in Ost- und Westpreußen vor 33. Das Kabinett ist der Ansicht, daß die Bundesregierung auf dem an dem Tage anstehenden Treffen der Ost- und Westpreußen 34 eine Erklärung abgeben müsse. Die endgültige Abfassung der Erklärung soll noch zwischen dem Vizekanzler und dem Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen festgelegt werden 35.

Vorlage

Entwurf 36

einer Erklärung der Bundesregierung am 30. Jahrestag der Volksabstimmung in Ost- und Westpreußen.

Am 11. Juli 1920 hatten auf Grund der Bestimmungen des Versailler Vertrags in einer Anzahl ost- und westpreußischer Kreise die dort geborenen oder dauernd ansässigen Menschen in einer freien, geheimen und unabhängigen Abstimmung unter der Aufsicht einer interalliierten Kommission darüber zu bestimmen, ob sie sich für Deutschland oder für Polen entscheiden wollten. Obwohl Deutschland zu dieser Zeit aufs schwerste unter den Folgen des verlorenen Krieges litt, obwohl Hunger und Inflation das Leben in unserem Lande erschwerten und es verlockend erscheinen konnte, sich den Kriegsfolgen durch eine Entscheidung für Polen zu entziehen, haben an diesem Abstimmungstage in Westpreußen 105.000 Menschen für Deutschland und nur 7.747 für Polen, in Ostpreußen 393.209 für Deutschland und nur 7.890 für Polen gestimmt 37. In den ostpreußischen Kreisen bekannten sich also 98%, in den westpreußischen Kreisen 92% der Abstimmenden für Deutschland. Der 11. Juli 1920 brachte so einen eindrucksvollen, ja überwältigenden Beweis für den deutschen Charakter und den deutschen Willen der Bevölkerung dieser Gebiete jenseits der Oder.

Wenn heute ganz Deutschland des 30. Jahrestages dieser Abstimmung gedenkt, so erfüllt uns alle tiefe Trauer und zugleich ein fester Wille. Entgegen allen Grundsätzen der Selbstbestimmung und der Menschenrechte wurde nach dem zweiten Weltkrieg die deutsche Bevölkerung dieser Gebiete wie alle übrigen Menschen jenseits der Oder-Neiße-Linie unter den unmenschlichsten Bedingungen aus ihrer Heimat vertrieben, zu der sie sich gemäß dem Selbstbestimmungsrecht der Völker in freier Abstimmung so eindeutig bekannt hatte. Die landesverräterischen (kommunistischen) Machthaber in der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik der Sowjetzone erdreisteten sich inzwischen, diese gewaltsame Vertreibung der Deutschen aus ihrer Heimat in einem Vertrag zu sanktionieren 38. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland weiß sich mit der überwältigenden Mehrheit des deutschen Volkes in Ost und West einig, wenn sie gerade an diesem Erinnerungstag des deutschen Abstimmungssieges vor aller Welt feierlich das unabdingbare Recht Deutschlands auf das deutsche Land jenseits der Oder-Neiße-Linie zum Ausdruck bringt und auch in dieser Stunde mit aller Entschiedenheit den festen Willen bekundet, daß unser Volk niemals auf diese deutschen Gebiete verzichten wird.

Fußnoten

33

Siehe die folgende, hier im Druck eingefügte Anlage.

34

Zur Kundgebung der Ostpreußen am 9. Juli 1950 in Berlin, auf der Kaiser und der Berliner OB Reuter sprachen, siehe Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Juli 1950 („Das Unrecht an Ostpreußen").

35

Fortgang 81. Sitzung am 7. Juli 1950 TOP D a.

36

Aus VS-B 134/2. - Umdruck, zwei Seiten. Mit handschriftlichen Zusätzen; zu Abs. 1: „Angen[ommen]", zu Abs. 2: „zu ändern".

37

Polen befand sich zur Zeit der Abstimmung im Kriegszustand mit Sowjet-Rußland, dessen Truppen polnische Gebiete besetzt hatten. Siehe dazu Schulthess, Europäischer Geschichtskalender 1920, zweiter Teil, S. 234-238.

38

Vgl. 72. Sitzung am 9. Juni 1950 TOP C.

Extras (Fußzeile):