2.71.8 (k1950k): B. Förderung der Jugend

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Titelblatt: Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung 1950Portrait Walter StraußPortrait Hans LukaschekSchreiben Adenauers zur Entlassung von Heinemann.Portrait: Robert Lehr

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[B.] Förderung der Jugend

Der Bundeskanzler teilt mit, daß der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen um Übernahme der 300 000 DM betragenden Kosten eines Jugendtreffens gebeten hat 37, das in Essen mit einer voraussichtlichen Teilnehmerzahl von 60 000 Delegierten demnächst stattfinden soll. Das Kabinett beauftragt den Bundesminister der Finanzen, die Angelegenheit mit dem Ziele weiter zu verfolgen, wenigstens einen Teil der Kosten auf den Bund zu übernehmen, da das Jugendtreffen den Charakter einer Veranstaltung des ganzen Bundesgebietes habe 38.

Der Bundesminister der Finanzen entwickelte dann seine Gedanken über eine europäische Jugendbewegung. Das im Bundesministerium des Innern mit großer Sorgfalt und Sachkunde ausgearbeitete Programm „Deutsches Jugendwerk" 39, für das ein Halbjahresaufwand von 34 Millionen DM angefordert sei, brächte nichts Neues und spreche die Jugend nicht an. Ihm schwebe eine gesamteuropäische Jugendbewegung vor. Den Jugendlichen soll ein „Jugend-Paß" 40 ausgestellt werden, der sie berechtigen soll, jede Grenze frei zu passieren. Die europäischen Staaten sollen sich verpflichten, den Austausch von Jugendlichen zu fördern, den Inhabern von Jugendpässen Begünstigungen auf den Verkehrsmitteln einzuräumen, ihnen die Jugendherbergen zugänglich zu machen und die Bewegung mit allen in Betracht kommenden Mitteln zu fördern. Dieses Programm soll von der Jugend selbst an die Öffentlichkeit gebracht und an die Bundesregierung herangetragen werden. Gedacht sei hierbei an den bayerischen Jugendring. Er habe mit dem französischen Finanzminister und dem stellvertretenden französischen hohen Kommissar über diese Gedankengänge gesprochen und grundsätzliche Zustimmung gefunden. Inzwischen sei die Gruppe der sog. „Europa-Freiwilligen", die vor kurzem durch das Niederreißen und Verbrennen von Grenzpfählen von sich reden gemacht habe, an ihn herangetreten und habe ihm eröffnet, daß sie die Absicht hätten, bei der nächsten Tagung des Europarates nach Straßburg zu wandern und hierbei die Staatsgrenzen einfach zu überschreiten. Er habe dem Sprecher dieser Gruppe Vermittlung eines Visums für die Einreise nach Frankreich zur technischen Vorbereitung dieser Aktion zugesagt, um die Durchführung in normale Bahnen zu lenken.

Der Bundesminister für Angelegenheiten des Bundesrates macht auf die überparteiliche Jugendarbeit gegen die FDJ aufmerksam, die u. a. die Absicht habe, einen Staffettenlauf nach Bonn zu organisieren. Auch hier sei die Frage einer finanziellen Hilfe zu prüfen.

Das Kabinett beauftragt den abwesenden Bundesminister des Innern, die vorgetragenen Gedanken weiter zu verfolgen, und den Bundesminister der Finanzen, die Möglichkeit einer finanziellen Förderung zu prüfen 41.

Fußnoten

37

Nicht ermittelt.

38

Bei dieser Kundgebung am 15. Okt. 1950 im Essener Ruhr-Stadion versammelten sich Delegierte aller Jugendverbände Nordrhein-Westfalens. Siehe dazu Frankfurter Rundschau vom 16. Okt. 1950 („Freiheitskundgebung der Jugend").

39

Heinemann hatte am 21. Juli 1950 im Bundestag anläßlich der Beratung eines Antrages von FDP-Abgeordneten (BT-Drs. Nr. 1030) die Einrichtung eines Deutschen Jugendwerkes angekündigt (Stenographische Berichte Bd. 4 S. 2793 D). Vgl. dazu auch Mitteilung des BPA Nr. 716/50 vom 1. Aug. 1950, weitere sporadische Unterlagen dazu in NL Heinemann/254.

40

Siehe dazu BT-Drs. Nr. 1839 und Stenographische Berichte Bd. 6 S. 4550 B - 4553 A.

41

Zur Korrektur dieses Absatzes siehe Bundeskanzleramt, Serie der Kabinettsprotokolle Bd. 6 A. - Fortgang 115. Sitzung (Fortsetzung) am 6. Dez. 1950 TOP 12.

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