2.72.2 (k1950k): B. Devisen- und Rohstofflage

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Titelblatt: Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung 1950Portrait Walter StraußPortrait Hans LukaschekSchreiben Adenauers zur Entlassung von Heinemann.Portrait: Robert Lehr

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[B. Devisen- und Rohstofflage]

Der Bundesminister für den Marshallplan erläutert die derzeitige Devisenlage. Durch die verstärkte Produktion nach Eintritt des Korea-Konfliktes, durch die Preissteigerungen der letzten Wochen, durch die Gerüchte über eine Pfundaufwertung habe sich die Devisenlage der Bundesrepublik verschlechtert. Deutschland sei mit etwa 240 Millionen Dollar verschuldet 4. Es stehe zu befürchten, daß diese Schuld sich weiter erhöhen werde, so daß unter Umständen Ende des Monats die Kreditlinie von 320 Millionen Dollar 5 erschöpft sei. Demzufolge müßten Maßnahmen ergriffen werden, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Zu denken sei an weitere Einengung des Kredits; es werde ferner erwogen, für eine Woche Exportgenehmigungen 6 nicht auszuhändigen 7. Darüber hinaus werde versucht, zunächst einmal eine klare Bilanz über unsere Devisensituation aufzumachen. Zu bemerken sei jedoch, daß das äußere Zahlenbild die Verhältnisse nicht richtig wiedergebe; denn zu berücksichtigen sei, daß aus laufenden Aufträgen erhebliche Gegenforderungen zu Gunsten der Bundesrepublik bestünden 8.

Staatssekretär Dr. Schalfejew bestätigte das Zahlenbild des Bundesministers für den Marshallplan. Er vertritt die Auffassung, daß im großen ganzen auf längere Sicht gesehen, die Lage nicht so ungünstig sei, wie es im Augenblick scheine.

Zu der Versorgungslage gab Dr. Schalfejew die Erklärung ab, daß die Äußerung von Bundesminister Erhard in der letzten Kabinettssitzung nicht so zu verstehen sei, daß für 6 Monate effektiv Rohstoffreserven eingelagert seien; vielmehr habe Minister Erhard lediglich sagen wollen, daß die vorhandenen Vorräte einschließlich der Vorräte, über die feste Verträge abgeschlossen seien, für die Dauer von 6 Monaten ausreichten 9.

Im einzelnen wurde erörtert, in welcher Weise gegen etwaige Devisenanreicherung im Ausland durch deutsche Kaufleute vorgegangen werden könne 10.

Fußnoten

4

Seit Juli 1950 hatte sich die Devisenbilanz sprunghaft verschlechtert. Gegenüber den Ländern der Europäischen Zahlungsunion hatte die Verschuldung im Juli ca. 26 Millionen Dollar, im August 48 und im September 100 Millionen Dollar betragen (Unterlagen hierzu in B 146/499). - Dazu auch Schreiben der BdL vom 14. Okt. 1950 in B 136/7863.

5

In dem am 19. Sept. 1950 unterzeichneten und rückwirkend zum 1. Juli 1950 in Kraft getretenen Abkommen über die Europäische Zahlungsunion (vgl. 107. Sitzung am 31. Okt. 1950 TOP 1) war der Bundesrepublik eine Kreditquote von 320 Millionen Dollar eingeräumt worden.

6

Muß heißen „Importgenehmigungen".

7

Zu den Maßnahmen zur Einschränkung der Handelsbilanzdefizite siehe 107. Sitzung am 31. Okt. 1950 TOP F und Sondersitzung am 2. Nov. 1950 TOP 6.

8

Das Aktivsaldo in der westdeutschen Handelsbilanz betrug Ende September 1950 ca. 19 Millionen Dollar (vgl. „Exposé zur westdeutschen Devisenlage", o. D. in B 146/499).

9

Vgl. 101. Sitzung am 4. Okt. 1950 TOP 4.

10

Fortgang 107. Sitzung am 31. Okt. 1950 TOP F.

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