2.61.10 (k1951k): C. Nationalhymne

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung Band 4. 1951Kabinettssitzung im Palais Schaumburg am 5. Juni 1951.Foto: Die Hochkomissare der drei Westmächte in Deutschland.Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland - Verdienstkreuz am BandeFoto: Otto Lenz

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[C. Nationalhymne]

Der Bundeskanzler gibt davon Kenntnis, daß die Frage der Nationalhymne 30 mit den Gewerkschaftsvertretern besprochen worden sei und daß die Vertreter der Gewerkschaften, die auf dem Bürgenstock verhandelt hätten, sich für die 3. Strophe des Deutschlandliedes ausgesprochen hätten 31. Das Kabinett ist einhellig der Meinung, daß die Einführung der 3. Strophe die einzig gangbare Lösung sei. Dr. v. Merkatz unterrichtet das Kabinett darüber, daß die Deutsche Partei an dem gesamten Text des Deutschlandliedes als Nationalhymne festzuhalten beabsichtige. Der Bundeskanzler weist demgegenüber darauf hin, daß die 1. und 2. Strophe nicht gut in die gegenwärtige Zeit hineinpasse und die Deutsche Partei sich deswegen die Dinge noch einmal überlegen sollte.

Insbesondere wegen des Widerspruchs von Dr. Kurt Schumacher gegen die 3. Strophe des Deutschlandliedes als Nationalhymne 32 wird der Bundeskanzler das Problem heute Nachmittag nochmals mit dem Bundespräsidenten besprechen 33.

Fußnoten

30

Vgl. 89. Sitzung am 11. Aug. 1950 TOP J. - Die im Auftrag des Bundespräsidenten von Rudolf Alexander Schröder verfaßte und von Hermann Reutter vertonte „Hymne an die Deutschen", die am 31. Dez. 1950 zum ersten Mal im Rundfunk gesendet worden war, hatte sich in der Bevölkerung nicht durchgesetzt. In einer Meinungsumfrage vom Januar 1951 hatten sich nur 16% der Befragten für die Hymne ausgesprochen (B 122/2242). Zuschriften aus der Bevölkerung zur Frage der Nationalhymne ebenda, in B 136/479 und B 106/2667-2669. - Zur Kompetenz des Bundespräsidenten, die Nationalhymne zu bestimmen, siehe das Gutachten von Thoma vom Dezember 1949 in B 106/18347. - Der Vorstoß Adenauers, der am 18. April 1950 nach seiner Rede im Titaniapalast in Berlin die dritte Strophe des Deutschlandliedes angestimmt hatte, war von Heuss in einer Besprechung am 8. Mai 1950 kritisiert worden. Adenauer hatte entgegnet, er glaube selbst nicht, daß sich das Deutschlandlied als Nationalhymne eigne (VS B 122/15). - Ergebnisse einer Meinungsumfrage vom Mai 1950, in der sich die Mehrheit für die dritte Strophe des Deutschlandliedes ausgesprochen hatte, in AA II 200-02.

31

Siehe NL Lenz/Tagebuch, Aufzeichnung vom 9. Aug. 1951. - Zur abweichenden Meinung der Mehrheit des DGB-Vorstandes siehe das Protokoll der 19. Sitzung des DGB-Vorstandes vom 20. Aug. 1951 S. 2 im DGB-Archiv.

32

Schumacher hatte seine Ablehnung in einer Besprechung mit Heuss am 14. Aug. 1951 bekräftigt (VS B 122/15).

33

Laut Protokoll über dieses Gespräch wurde das Thema aus Zeitmangel nicht näher erörtert (ebenda). - Die Frage der Nationalhymne wurde im Januar 1952 (197. Sitzung am 22. Jan. 1952 TOP F) erneut im Kabinett besprochen (siehe dazu auch das Schreiben von Heuss an Adenauer vom 24. Jan. 1952 in B 122/2242). Im April 1952 schlug der Bundeskanzler dem Bundespräsidenten vor, das Deutschlandlied als Nationalhymne anzuerkennen. Bei staatlichen Anlässen sollte die dritte Strophe gesungen werden (Schreiben und zustimmende Antwort von Heuss ebenda und im Bulletin vom 6. Nov. 1952 S. 537. - Vgl. auch Eberhard Pikart, Theodor Heuss und Konrad Adenauer. Die Rolle des Bundespräsidenten in der Kanzlerdemokratie. Stuttgart und Zürich 1966, S. 95-98).

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