1.1 (k1952k): Quellenlage

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung Band 5. 1952Das erste Kabinett Adenauer vor dem Palais SchaumburgPortrait Jakob KaiserFranz Böhm (nicht im Bild Nahum Goldmann und Moshe Sharett)Adenauer, Acheson und Schuman

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Text

Quellenlage 1

Kurzprotokolle der Kabinettssitzungen

Die Sitzungsniederschriften der Bundesregierung sind in Form von „Kurzprotokollen" überliefert, die von Referenten des Bundeskanzleramtes verfaßt wurden. Die Serie der Kabinettsprotokolle, die dieser Edition zugrundeliegt, ist noch nicht - wie andere Aktengruppen - vom Bundeskanzleramt an das Bundesarchiv abgegeben worden, sie wurde für dieses Editionsvorhaben lediglich zur Verfügung gestellt und kann deshalb noch nicht mit einer Archivsignatur zitiert werden 2.

Vergleiche mit persönlichen Aufzeichnungen von Kabinettsmitgliedern zeigen, daß die Kurzprotokolle nicht den chronologischen Verlauf der Kabinettssitzungen widerspiegeln. Die Kurzprotokolle sind in der Reihenfolge der Tagesordnung angelegt, die in der Praxis vielfach nicht eingehalten wurde. Insbesondere die Mitschriften Seebohms zeigen, daß die außerordentlichen Tagesordnungspunkte häufig vor der Tagesordnung behandelt wurden; in den amtlichen Kurzprotokollen steht der dazu angefertigte Teil der Niederschrift zumeist am Ende. Angelegenheiten außerhalb der Tagesordnung werden gelegentlich intensiver protokolliert als die ordentlichen Tagesordnungspunkte, vermutlich aus dem Bedürfnis, die Fragen, für die in den meisten Fällen keine Kabinettvorlagen existierten, auch verständlich werden zu lassen.

Der Vergleich mit persönlichen Aufzeichnungen von Sitzungsteilnehmern, mit Verlautbarungen des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung über die Gegenstände von Kabinettssitzungen und mit Vermerken in den Akten der Ressorts ergibt allerdings auch, daß keineswegs alle außerhalb der Tagesordnung besprochenen Gegenstände im amtlichen Kurzprotokoll ihren Niederschlag fanden 3. Die Protokollanten, die von den Bearbeitern befragt werden konnten, äußerten dazu übereinstimmend, daß es einerseits ein Gebot der Arbeitsökonomie für sie war, von den Besprechungen im wesentlichen nur die Beschlüsse des Bundeskabinetts festzuhalten, daß andererseits auch die Gefahr von Indiskretionen 4 die Neigung verstärkten, die Protokolle möglichst knapp abzufassen. Wie sehr gleich von Anfang der Regierungsarbeit an offensichtlich nicht zu verhindernde Indiskretionen den Schutz des Beratungsgeheimnisses im Kabinett gefährdeten, unterstreicht allein schon die Tatsache, daß von 1949 bis 1951 jeweils ein Exemplar der Kurzprotokolle im Vorzimmer des damaligen SPD-Vorsitzenden abgegeben wurde und daß auch die französische Besatzungsmacht in den Besitz von Kabinettsprotokollen gelangte 5.

Die Protokollanten berichteten übereinstimmend, daß die Kabinettssitzungen am Dienstag jeweils mit wertenden Äußerungen des Bundeskanzlers über die „Sonntagsreden" der Bundesminister begannen. Diese Stellungnahmen des Bundeskanzlers waren nach allgemeiner Auffassung nicht für das Protokoll bestimmt. Die Anlage der Kabinettsprotokolle war nicht von vornherein festgelegt, sie entwickelte sich aus der Praxis: „Es gab weder Richtlinien noch Reglementierungen irgendwelcher Art über die Wiedergabe der Kabinettsberatungen im Protokoll, auch nicht in den Fällen, die in dem Fragenkatalog 6 besonders aufgeführt sind. Solcher Regelungen bedurfte es auch nicht. Es verstand sich von selbst, daß im Protokoll festzuhalten war, was bei der Behandlung der einzelnen Tagesordnungspunkte herausgekommen war. Es lag ferner nahe, Äußerungen von Kabinettsmitgliedern zu politisch brisanten und diffizilen Angelegenheiten nicht in aller Deutlichkeit und Offenheit wiederzugeben, vor allem im Hinblick auf den häufig wechselnden Personenkreis in den Ministerien, der dienstliche Gründe für die Einsichtnahme in die Kabinettsprotokolle geltend machen konnte. Dieselben Erwägungen haben in zahlreichen Fällen dazu geführt, keine Einzelheiten der Aussprachen und Beratungen ,außerhalb der Tagesordnung' im Protokoll zu vermerken. Es ist sogar nicht selten von einer Erwähnung dieses oder jenes Besprechungspunktes völlig abgesehen worden. Ein derartiger Verzicht ließ manchmal auch die Rücksichtnahme auf die Beteiligten angezeigt erscheinen 7."

Dies sind ganz wesentliche quellenkritische Feststellungen zum Aussagewert und zur Vollständigkeit der Kurzprotokolle. Sie erklären, warum die Kurzprotokolle zu große Erwartungen enttäuschen müssen und weisen gleichzeitig den Parallelüberlieferungen eine besondere Bedeutung zu.

Abgesehen von den ersten Wochen waren es in den Jahren 1949 bis 1952 die vier Referenten im Bundeskanzleramt, die sich turnusmäßig oder nach Absprache bei der Protokollierung der Kabinettssitzungen abwechselten: Ministerialrat Dr. Wilhelm Grau 8, die beiden späteren Staatssekretäre Karl Gumbel 9 und Dr. Josef Rust 10 sowie Ministerialrat Dr. Rudolf Petz 11. Die Protokollanten machten sich während der Sitzung stichwortartige Notizen über die Beratungen. Zwei der Protokollführer konnten nicht stenographieren, die beiden anderen verfügten nicht über ausreichende stenographische Fähigkeiten, um die Ausführungen wörtlich festzuhalten. Anhand dieser Notizen diktierten die Protokollanten Entwürfe, die von Schreibkräften stenographisch aufgenommen und anschließend maschinenschriftlich ausgefertigt wurden. Neben den eigenen Notizen konnten die Protokollführer zur Formulierung der Niederschrift auch die Vorlagen heranziehen, die vom jeweils federführenden Ressort zu den einzelnen Tagesordnungspunkten zunächst über das Bundeskanzleramt und später direkt den übrigen Ministerien zugeleitet wurden. Gelegentlich kam es auch vor, daß ein Minister darum bat, seine Ausführungen zu einem bestimmten Punkt entsprechend seiner in die Sitzung mitgebrachten schriftlichen Unterlagen in das Protokoll aufzunehmen.

Die Serie der Entwürfe zu den Kurzprotokollen der Kabinettssitzungen ist ebenfalls in den Akten des Bundeskanzleramtes überliefert 12. Handschriftliche Korrekturen in den Entwürfen stammen vom jeweiligen Protokollführer. Unterschiede zwischen den Entwürfen und den Ausfertigungen sind nur selten festzustellen. Sie entstehen in der Mehrzahl durch die Beseitigung stilistischer Unebenheiten und gelegentlicher Schreibfehler. Sachliche, den Inhalt verändernde Abweichungen 13 finden sich nur in ganz geringer Zahl.

Die Entwürfe tragen in der Regel die Paraphe des damaligen Abteilungsleiters im Bundeskanzleramt, Dr. Hans Globke 14. Dies ist nach Aussage der Protokollanten nicht als Genehmigung des Protokolls, sondern als zustimmende Kenntnisnahme zu verstehen. Eine Kontrolle sei Globke schon deshalb nicht möglich gewesen, weil er in dieser Zeit an Kabinettssitzungen nicht teilgenommen habe 15. Globke habe nicht ein Wort an den Protokollen je geändert und nur ein einziges Mal, so erinnert sich einer der Protokollführer, habe Globke eine politische Auseinandersetzung als zu ausführlich im Protokoll wiedergegeben empfunden; er, der Protokollant, habe daraufhin die ganze Passage kurzerhand gestrichen.

Der Protokollführer war offensichtlich verantwortlich für die Sitzungsniederschrift, und die Handlungsfreiheit der Protokollanten war sicher auch deshalb groß, weil der Bundeskanzler solche Kontrollaufgaben nach Aussage von Rust stets Globke überlassen hatte, der „mit der Präzision einer Schweizer Uhr funktionierte".

Nach Versendung der amtlichen Kabinettsprotokolle an die regulären Sitzungsteilnehmer regten einzelne Minister gelegentlich Ergänzungen des Protokolls an oder erhoben Einsprüche gegen bestimmte Protokollpassagen. Ihren Wünschen wurde nur zum Teil entsprochen 16. In einem Fall konnte nachgewiesen werden, daß der Protokollant noch vor Versendung des amtlichen Protokolls die ihm von einem Bundesminister übersandte Aufzeichnung über seine Ausführungen im Kabinett in den Protokolltext einfügte 17. Die Behandlung der Einsprüche, die offenbar in den Anfangsjahren in die ausschließliche Zuständigkeit des Bundeskanzleramtes fiel, dokumentiert in besonderem Maße die weitgehend alleinige Verantwortung des jeweiligen Protokollanten für die Sitzungsniederschrift. Die 1951 beschlossene Geschäftsordnung der Bundesregierung 18 regelte in § 27 die Behandlung von Einwendungen gegen den Inhalt oder die Fassung der Sitzungsniederschrift so, daß in Zweifelsfällen die Angelegenheit der Bundesregierung nochmals zu unterbreiten ist.

Wortprotokolle von Kabinettssitzungen

Das zu Beginn der Amtszeit der ersten Bundesregierung praktizierte Verfahren, neben den Kurzprotokollen auch stenographische Mitschriften anfertigen zu lassen 19, wurde noch 1949 wieder aufgegeben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit spielten dabei die oben erwähnten Indiskretionen eine erhebliche Rolle 20. Dennoch haben sich auch nach 1949 einzelne Wortprotokolle ermitteln lassen. Der dritte Band dieser Editionsreihe enthält zwei Wortprotokolle von Teilen der Kabinettssitzungen am 10. und 17. Oktober 1950 21. Für 1951 waren keine stenographischen Protokolle von Kabinettssitzungen zu ermitteln. Der vorliegende Band enthält wieder zwei Wortprotokolle, die im Nachlaß Adenauer gefunden wurden 22. Ebenso wie die in Band 3 der Editionsreihe enthaltenen Wortprotokolle wurden auch diese beiden stenographischen Niederschriften über die Ausführungen des Bundeskanzlers im Kabinett am 25. März und am 10. Mai 1952 von den beiden Vorzimmerdamen des Bundeskanzlers, Elisabeth Arenz 23 und Elisabeth Zimmermann 24, angefertigt. Sie haben zu diesen Wortprotokollen übereinstimmend festgestellt 25, der Bundeskanzler habe sie in den Anfangsjahren seiner Amtszeit in einigen wenigen Fällen dazu herangezogen, Sonderprotokolle über Teile von Kabinettssitzungen anzufertigen. Es habe dabei dem Wunsch des Bundeskanzlers entsprochen, insbesondere seine eigenen Ausführungen wörtlich festzuhalten. Dies erklärt, warum die Protokolle nicht ausschließlich stenographische Niederschriften sind und daher Ausführungen weiterer Kabinettsmitglieder oder das wörtliche Verlesen von Dokumenten in der Kabinettssitzung gelegentlich in indirekter Rede oder zusammenfassend wiedergeben.

Die wenigen stenographischen Protokolle ließ sich der Bundeskanzler nicht für den allgemeinen, amtlichen, sondern für seinen persönlichen Gebrauch anfertigen. Diese für einige politisch brisante Kabinettsberatungen vorbehaltene Form der Protokollführung bot dem Bundeskanzler auch eine größere Sicherheit vor Indiskretionen als die mehrfach angegebenen amtlichen Kabinettsprotokolle.

Kabinett-Ausschuß für Wirtschaft

Zur Kommentierung wurden auch die Sitzungsprotokolle des 1951 eingesetzten Kabinett-Ausschusses für Wirtschaft herangezogen 26. Die Niederschriften in der Form von Kurzprotokollen befinden sich noch im Bundeskanzleramt und können deshalb nicht mit einer Archivsignatur zitiert werden 27.

Parallelüberlieferungen

Schriftliche Nachlässe von Bundesministern und anderen Teilnehmern an Kabinettssitzungen enthalten gelegentlich mehr oder weniger ausführliche Parallelüberlieferungen zu den amtlichen Sitzungsprotokollen. In den wenigen Fällen, in denen kein Protokollant in der Sitzung anwesend war oder in denen kein amtliches Protokoll angefertigt wurde, stellen diese Überlieferungen die einzige Quelle dar. In diesen Fällen werden Aufzeichnungen von Sitzungsteilnehmern als Ersatzüberlieferung verwendet 28, während sie im Normalfall als ergänzende Parallelüberlieferung der Kommentierung dienen.

Relativ umfangreiche Notizen von allen Kabinettssitzungen, bei denen er anwesend war, hat Bundesminister Seebohm hinterlassen 29. Sie umfassen durchschnittlich pro Sitzung zwei Seiten und sind mit Bleistift geschrieben. Zwar hat ein Protokollant Zweifel daran angemeldet, ob diese Aufzeichnungen „nur" im Verlauf der Kabinettssitzung entstanden sind; denn der Bundeskanzler hätte Mitschriften keinesfalls zugestanden. Inhaltliche und formale Kriterien stützten diese Zweifel nicht. Außerdem haben andere Sitzungsteilnehmer Seebohm als eifrigen „Mitschreiber" charakterisiert 30.

Der Nachlaß des Bundesministers Schäffer enthält neben gelegentlichen stichwortartigen Aufzeichnungen aus Kabinettssitzungen zwei Bände 31 mit Durchschriften von Schreiben Schäffers an den Staatssekretär Hartmann, die jeweils im Anschluß an Kabinettssitzungen mit Weisungen zur Umsetzung von Kabinettsbeschlüssen diktiert wurden.

Im Nachlaß von Staatssekretär Lenz befindet sich ein Tagebuch, in das er auch Aufzeichnungen über Kabinettssitzungen aufgenommen hat.

Neben dem Nachlaß Adenauers enthalten die Nachlässe der Bundesminister Blücher, Lehr, Dehler, Erhard, Kaiser und Wildermuth, der Staatssekretäre Hallstein, Thedieck und Wandersleb sowie die Nachlässe Blankenhorn, von Brentano, Etzel und Pünder in Form von Vermerken und Aufzeichnungen zu einzelnen Tagesordnungspunkten nur in Ausnahmefällen Parallelüberlieferungen, in Form von Schriftwechsel und Kabinettvorlagen jedoch eine Fülle von ergänzenden Informationen, die für die Kommentierung der Kabinettsprotokolle von hohem Nutzen sind.

Als weitere Parallelüberlieferung, wenn auch mit besonderer Akzentuierung, sind die wörtlichen Mitschriften der Pressekonferenzen zu nennen, die jeweils nach einer Kabinettssitzung stattfanden 32. In der Regel tritt bei diesem Anlaß der Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung vor die Bundespressekonferenz, häufig erschienen zusätzlich Minister oder Beamte eines Ministeriums, um zu speziellen Fragen Stellung zu nehmen.

Kabinettvorlagen

Die Kabinettsprotokolle werden verständlich in der Hauptsache durch die Kabinettvorlagen. In der Überlieferung des Bundeskanzleramtes und in den Akten der Bundesministerien - mit einer Ausnahme - wurden geschlossene Serien von Kabinettvorlagen nicht angelegt. Dem sogenannten Sachaktenprinzip folgend - der Gliederung der Registraturen vorgangsweise nach Sachbetreffen - wurden Vorlagen für Kabinettssitzungen nicht in einer geschäftstechnischen Serie zusammengefaßt, sondern im sachlichen Zusammenhang den Akten zugeordnet 33. Lediglich in den Akten des Bundesministeriums für Wohnungsbau konnte eine, wenn auch lückenhafte, Serie von Kabinettvorlagen 34 ermittelt werden. Diese Serie gibt den Bearbeitern der Edition ebenso wie allen künftigen Benutzern Hilfestellung in zweierlei Hinsicht:

- durch die Überlieferung des Aktenzeichens beim jeweils federführenden Ressort bietet sie Ansatzpunkte für gezielte Recherchen nach den einschlägigen Sachakten. Die Tatsache späterer Umstellungen von Aktenplänen und der damit verbundenen Änderung von Aktenzeichen relativiert diesen Nutzen zwar, stellt ihn aber nicht grundsätzlich in Frage;

- sie ermöglicht den Rückgriff auf die Kabinettvorlage in den Fällen, in denen die Vorlage weder in der Überlieferung des federführenden Ressorts noch in den Akten des Bundeskanzleramtes zu ermitteln ist.

Akten der Bundesministerien

Vielleicht ist es dem nicht erfahrenen Archivbenutzer schwer verständlich zu machen, daß den Bearbeitern der Edition gerade aus der Fülle der für die Kommentierung der Protokolle heranzuziehenden Überlieferungen Schwierigkeiten erwachsen. Die Akten der Bundesministerien sind vom Umfang her überwältigend und schier unüberschaubar. Das 1965 eingerichtete Zwischenarchiv des Bundesarchivs in St. Augustin bei Bonn und das Bundesarchiv in Koblenz verwahren zur Zeit zusammen über 50 laufende Kilometer Akten der obersten Bundesbehörden seit 1949, von denen allerdings ein erheblicher Teil nach Ablauf der von den Ministerien festgelegten Aufbewahrungsfristen vernichtet werden wird. Der schon jetzt gut geordnete und überschaubare Aktenbestand des Bundeskanzleramtes reicht für die Kommentierung der Kabinettsprotokolle deshalb nicht aus, weil die materielle Vorbereitung der Kabinettsberatungen in den jeweils zuständigen Bundesministerien getroffen wurde. Deshalb ist zu jedem Tagesordnungspunkt prinzipiell auf die Überlieferung des jeweils federführenden Ministeriums zurückzugreifen.

Die Bundesministerien und auch die einzelnen Abteilungen innerhalb eines Ressorts haben bei den Aktenablieferungen an das Zwischenarchiv eine unterschiedliche Praxis entwickelt. Keineswegs läßt sich generell die Feststellung treffen, Akten aus den Anfangsjahren der Bundesrepublik müßten bei den ersten Ablieferungen zu finden sein 35. Für das seit 1949 entstandene und bisher an das Zwischenarchiv abgelieferte Registraturgut der obersten Bundesbehörden sind über 80 000 Blatt „Abgabeverzeichnisse" vorhanden, die als „Findmittel" vor allen für die Akten derjenigen Ressorts viele Wünsche offen lassen, die häufig organisatorische Veränderungen erfahren haben oder die mit Aktenplänen arbeiteten, die der Aufgabenvielfalt nicht angemessen und unzureichend gegliedert sind. Aus den „Abgabeverzeichnissen" werden im Bundesarchiv mit Hilfe maschineller Datenverarbeitung nach Aktenzeichen geordnete Findbehelfe erstellt, die den raschen Zugriff dort ermöglichen, wo Aktenplanumstellungen nicht vorgenommen wurden.

Die Erfahrungen der Bearbeiter der Edition lassen vermuten, daß die Forschung mit dem Verlust einzelner Dokumente und Unterlagen rechnen muß. In einer Reihe von Fällen läßt sich aus Mitwirkungsakten anderer Ministerien belegen, daß im federführenden Ministerium Akten existierten, die heute nicht mehr vorhanden sind, zumindest bisher nicht an das Bundesarchiv abgegeben wurden. Die Hoffnung, daß sich solche Akten noch im jeweiligen Ministerium befinden, dürfte, so steht zu befürchten, nur bei einem Teil der Fälle noch gerechtfertigt sein.

Allerdings finden sich in den laufenden Aktenabgaben der Ministerien bis jetzt immer wieder zum Teil wichtige Unterlagen aus den frühen fünfziger Jahren. Sie werden unmittelbar einbezogen in das Schwerpunktprogramm archivischer Sichtung, Bewertung und Verzeichnung, das seit 1982 läuft und dessen erste Teilergebnisse den Bearbeitern zugute kamen. Den vollen Nutzen dieses Programms werden erst spätere Benutzer haben. Er besteht in einer auf die wirklich informationsträchtigen Akten (primär aus den federführenden Referaten) zurückgeschnittenen und damit übersichtlicheren Überlieferung und in Findmitteln, die den gezielten Zugriff entsprechend den (meist ursprünglichen) Sachzusammenhängen erlauben.

Solange Aktenbenutzungen (wie für diese Edition) und archivische Bearbeitung der Aktenbestände parallel laufen, läßt sich freilich nicht ganz ausschließen, daß gelegentlich Aktenbände zitiert werden, die im Zuge der Bewertung durch den Archivar als „nicht archivwürdig" klassifiziert und vernichtet werden. Das Bundesarchiv hat Vorsorge getroffen, dies nach Möglichkeit zu vermeiden.

Als relativ unproblematisch erwies sich anhand des Aktenplans die Benutzung der Akten der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes (Abteilung II), die sich im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes befinden. Dort wurden auch Akten der Länderabteilung (Abteilung III), der Handelspolitischen Abteilung (Abteilung IV) und der Rechtsabteilung (Abteilung V) benutzt.

Im Politischen Archiv wurden zur Bearbeitung dieses Bandes ferner die Bestände „Büro Staatsekretäre" 36 und „Delegation für die Ablösung des Besatzungsstatus" 37 herangezogen, die noch der Behandlung der Verschlußsachen-Vorschriften unterliegen. Diese gelten auch für die in diesen Beständen enthaltenen Niederschriften der Verhandlungen des Bundeskanzlers mit der Alliierten Hohen Kommission 38, deren britische Überlieferung ohne Benutzungebeschränkungen zugänglich ist 39.

Nachlässe

Schriftliche Nachlässe der an den Kabinettssitzungen Beteiligten enthalten, wie oben dargelegt, nur in Ausnahmefällen Parallelüberlieferungen zu den Kabinettsprotokollen, in vielen Fällen jedoch ergänzende und für die Kommentierung wertvolle Informationen.

Zur Kommentierung der Protokolle wurden von dem Bearbeiter des Bandes 1952 die im Bundesarchiv verwahrten Nachlässe der Bundesminister Blücher, Lehr, Kaiser, Schäffer, Seebohm und Wildermuth, der Nachlaß des Bundespräsidenten Heuss sowie die Nachlässe Hallstein, Thedieck, Blankenhorn, von Brentano, Etzel und weitere 40 herangezogen. Für diesen Zweck standen ferner die Nachlässe Adenauer (Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus), Dehler (Friedrich-Naumann-Stiftung), Erhard (Ludwig-Erhard-Stiftung), Böhm, Lenz, Küster (Konrad-Adenauer-Stiftung), Heinemann, Wessel und das Büro Schumacher (Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung) zur Verfügung. Nicht in Archive gelangt sind bisher die schriftlichen Nachlässe der Bundesminister Lukaschek, Niklas, Schuberth und Storch 41. Für einige der zuletzt Genannten ist bisher unklar, ob sie überhaupt Papiere von Bedeutung hinterlassen haben. Bundesminister a. D. Hellwege hat dem Bundesarchiv mitgeteilt, er besitze „über Kabinettssitzungen aus der Zeit Adenauers keine wesentlichen Aufzeichnungen und Protokolle" 42.

Gedruckte Quellen

Als wertvolle Kommentierungshilfen erwiesen sich die von Rudolf Morsey und Hans-Peter Schwarz herausgegebenen Teegespräche 43 und Briefe 44 Adenauers ebenso wie die vom amerikanischen State Department herausgegebene Serie „Foreign Relations of the United States" 45, die vom britischen Foreign Office edierten „Documents on British Policy Overseas" 46 oder die von Arnulf Baring 47, Günter Buchstab 48 und Rolf Steininger 49 erarbeiteten Dokumenteneditionen. Daneben sind wesentliche Informationen den Mitteilungen des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung 50, dem seit September 1951 erscheinenden Bulletin des BPA, der im Auftrag des Senats von Berlin herausgegebenen „Schriftenreihe zur Berliner Zeitgeschichte" 51, dem „Europa-Archiv" 52, dem „Archiv der Gegenwart" 53 sowie den Drucksachenserien des Deutschen Bundestages und des Bundesrates zu entnehmen; letzteren die vom Kabinett verabschiedete Fassung von Gesetzentwürfen und ihre Begründung.

In der Memoirenliteratur zeichnen sich Adenauers Erinnerungen dadurch aus, daß sie nicht „aus dem Gedächtnis" sondern unter Heranziehung schriftlicher Quellen geschrieben wurden 54. Blankenhorns „Blätter eines politischen Tagebuchs" 55 sind eine vorsichtige und überarbeitete Auswahl aus seinen Aufzeichnungen. Reichhaltige memoirenhafte Skizzen von Mitstreitern und politischen Gegnern Adenauers sind in Sammelbänden enthalten, die zum 100. Geburtstag des Bundeskanzlers 56 und zur Würdigung seines ersten Mitarbeiters Hans Globke 57 erschienen sind.

Die in den Kabinettssitzungen erwähnten Flugblätter und Druckschriften 58 wurden entweder in der Amtsdrucksachensammlung des Bundesarchivs, in der Bibliothek des Deutschen Bundestages und im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung eingesehen oder waren in den Akten der Bundesministerien enthalten.

Einen genauen Überblick über die benutzten Quellenpublikationen über die zur Kommentierung herangezogenen Zeitungen und über die verarbeitete Memoirenliteratur gibt das diesem Band beigefügte Quellen- und Literaturverzeichnis.

Audiovisuelle Quellen

Bei der Kommentierung wurde vielfach auch auf die im Bundesarchiv verwahrten Wochenschauen des Jahres 1952 „Neue Deutsche Wochenschau", „Fox Tönende Wochenschau" und „Welt im Bild" hingewiesen. Als eine eigenständige historische Quelle bilden sie insbesondere bei Punkten, die außerhalb der Tagesordnung beraten werden 59, eine anschauliche Ergänzung des Kabinettsprotokolls.

Fußnoten

1

Die folgende Beschreibung der Quellenlage variiert den im vierten Band dieser Editionsreihe gedruckten Text nur an den Stellen, an denen für den Jahresband 1952 anderes zu sagen ist als für den Band 1951. - Vgl. Kabinettsprotokolle Bd. 4 S. IX-XVII.

2

Die Protokolle für 1952 enthalten die Bände 11 A bis 15 A (Az. 14303).

3

Siehe dazu 211. Sitzung am 28. März 1952 TOP C, 233. Sitzung am 8. Juli 1952 TOP E, 236. Sitzung am 18. Juli 1952 TOP B Anm. 29, 241. Sitzung am 22. Aug. 1952 TOP E, 265. Sitzung am 12. Dez. 1952 TOP G und 267. Sitzung am 19. Dez. 1952 TOP F.

4

Vgl. dazu Sondersitzung am 12. Mai 1952 TOP 1, Sondersitzung am 14 Mai 1952 TOP A, und 255. Sitzung am 5. Nov. 1952 TOP D.

5

Vgl. dazu 197. Sitzung am 22. Jan. 1952 TOP H.

6

Den noch erreichbaren Protokollführern der Sitzungen des ersten Kabinetts Adenauer hatte das Bundesarchiv eine Anzahl von quellenkritischen Fragen vorgelegt.

7

Staatssekretär a. D. Karl Gumbel in seiner schriftlichen Antwort vom 25. Nov. 1980 auf die quellenkritischen Fragen zu den Kabinettsprotokollen. Dazu auch Schreiben Gumbels vom 1. Mai 1981.

8

Biographische Angaben siehe Personen.

9

Biographische Angaben siehe Personen.

10

Biographische Angaben siehe Personen.

11

Biographische Angaben siehe Personen.

12

Die Serie der maschinenschriftlichen Entwürfe beginnt mit der 28. Kabinettssitzung; sie befindet sich ebenfalls noch im Bundeskanzleramt. Die Entwürfe für 1952 enthalten die Bände 11-15 (Az. 14302).

13

Vgl. 202. Sitzung am 20. Febr. 1952 TOP A Anmerkung 34.

14

Biographische Angaben siehe Personen.

15

Globke nahm 1952 nur an den Sondersitzungen am 14. Febr., 10. März und 9. Dez. teil.

16

Vgl. 197. Sitzung am 22. Jan. 1952 TOP F, 199. Sitzung am 1. Febr. 1952 TOP 4 Anmerkung 10, Sondersitzung am 10. März 1952 TOP 4 Anmerkung 30, 216. Sitzung am 2. Mai 1952 TOP 7 Anmerkung 27, 228. Sitzung am 17. Juni 1952 TOP C Anmerkung 35, 243. Sitzung am 29 August 1952 TOP 2 Anmerkung 10, 245. Sitzung am 8. Sept. 1952 TOP 2 Anmerkung 49, 249. Sitzung am 23. Sept. 1952 TOP 9 und 258. Sitzung am 14. Nov. 1952 TOP 4 Anmerkungen 38 bis 40. - Überlieferung der geforderten, vollzogenen und abgelehnten Protokollkorrekturen in B 136/4799 und Bundeskanzleramt „Kabinettskorrespondenz 1949-1963".

17

Siehe 228. Sitzung am 17. Juni 1952 TOP C und Anmerkung 24.

18

GMBl. S. 137.

19

Siehe dazu Kabinettsprotokolle Bd. 1 S. 9 f. und 285-348.

20

Vgl. dazu den Vermerk vom 9. Okt. 1949 in B 136/4646

21

Siehe Kabinettsprotokolle Bd. 3 (Wortprotokolle) S. 31-61.

22

Siehe 210. Sitzung am 25. März 1952 TOP F und Sondersitzung am 10. Mai 1952.

23

Biographische Angaben siehe Personen.

24

Biographische Angaben siehe Personen.

25

Zu den Interviews siehe Quellen- und Literaturverzeichnis.

26

Vgl. Sondersitzung am 20. März 1951 TOP 1.

27

Entwürfe und Ausfertigungen der Niederschriften für 1952 /17-29. Sitzung) in Bd. 1 und 2. (Az. 144 11).

28

Siehe Sondersitzung am 4. Febr. 1952 TOP 1, 214. Sitzung am 222. April 1952 TOP 2 Anmerkung 5 und 267. Sitzung am 19. Dez. 1952 TOP F.

29

NL Seebohm/7 und 8.

30

So Bundesminister a. D. Heinrich Hellwege in einem Schreiben vom 27. Jan. 1981 an das Bundesarchiv. Hellwege hatte seinen Platz am Kabinettstisch neben Seebohm, der von der Sitzordnung her dem (gemeinsam mit dem Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung und dem persönlichen Referenten des Bundeskanzlers) an einem Nebentisch plazierten Protokollanten den Rücken zuwandte. - Siehe dazu auch Müller-Armack in Adenauer und seine Zeit Bd. 1 S. 211.

31

NL Schäffer/33 und 34.

32

Überliefert im BPA und im Bundesarchiv, hier für 1952: B 145 I/20-25.

33

Im Verlauf der Diskussion um das Editionsprojekt Kabinettsprotokolle der Bundesregierung hat sich das Bundeskanzleramt 1980 entschlossen, von nun an eine Serie aller Kabinettvorlagen zu bilden.

34

B 134/3145-3351.

35

Zur Funktion des Zwischenarchivs siehe Irmtraud Eder-Stein und Gerhard Johann, Das Bundesarchiv-Zwischenarchiv. In: Der Archivar 1979, Sp. 291-300.

36

AA Büro StS (1949-1958) Bd. 1-283.

37

AA V Delegation Ablösung Besatzungsstatut (1950-1952) Bds. 1-188 und 1-29.

38

Für 1952: AA Büro StS Bd. 83-87 und V Delegation Ablösung Besatzungsstatut Bd. 170-174.

39

Public Record Office, Foreign Office 1005/1124 f.

40

Siehe die Zusammenstellung im Quellenverzeichnis.

41

Nach Hans Günther Hockerts (Zeitgeschichte in Lebensbildern Bd. 4 S. 280) existiert von Storch kein historisch bedeutsamer schriftlicher Nachlaß. - Vgl. dazu die zu „Lebenserinnerungen" zusammengefaßten Interviews in Abgeordnete des Deutschen Bundestages Bd. 2 S. 313-344.

42

Schreiben vom 6. Febr. 1980.

43

Konrad Adenauer, Teegespräche 1950-1954. Bearbeitet von Hanns Jürgen Küsters. Berlin 1984 [Teegespräche].

44

Konrad Adenauer, Briefe 1951-1953. Bearbeitet von Hans Peter Mensing. Berlin 1987 [Rhöndorfer Ausgabe 1951-1953].

45

Foreign Relations of the United States, 1952-1954, Volume V - Western European Security, Volume VII - Germany and Austria, Washington 1983 und 1986 [FRUS].

46

Documents on British Policy Overseas, Series II Volume I - The Schuman Plan, The Council of Europe and Western European Integration May 1950-December 1952, London 1986.

47

Arnulf Baring, Sehr verehrter Herr Bundeskanzler! Heinrich von Brentano im Briefwechsel mit Konrad Adenauer 1949-1964, Hamburg 1974 [Brentano].

48

Adenauer: „Es mußte alles neu gemacht werden". Die Protokolle des CDU-Bundesvorstandes 1950-1953. Bearbeitet von Günter Buchstab. Stuttgart 1986 [Protokolle CDU-Bundesvorstand].

49

Rolf Steininger, Eine Chance für die Wiedervereinigung? Die Stalin-Note vom 10. März 1952. Darstellung und Dokumentation auf der Grundlage unveröffentlichter britischer und amerikanischer Akten, Bonn 1985 [Steininger, Stalin-Note].

50

Überliefert im BPA und in der Sammlung der Amtsdrucksachen des Bundesarchivs.

51

Für 1952: Berlin. Chronik der Jahre 1951-1954. Hrsg. im Auftrag des Senats von Berlin, Berlin 1968 [Berlin Bd. 5].

52

Für 1952: Europa-Archiv. Hrsg. von Wilhelm Cornides. Siebtes Jahr, Frankfurt am Main 1952 [EA].

53

Für 1952: Keesing's Archiv der Gegenwart. XXII. Jahrgang, Essen 1952 [Keesing].

54

Adenauer benutzte zur Niederschrift seiner Erinnerungen neben Korrespondenzen insbesondere Protokolle von Kabinettssitzungen und Aufzeichnungen über wichtige Gespräche und Verhandlungen, so auch die oben in Anm. 26 genannten Niederschriften seiner Verhandlungen mit den alliierten Hohen Kommissaren.

55

Herbert Blankenhorn, Verständnis und Verständigung. Blätter eines politischen Tagebuchs 1949-1979. Frankfurt, Berlin, Wien 1980. [Blankenhorn].

56

Konrad Adenauer und seine Zeit. Bd. 1: Beiträge von Weg- und Zeitgenossen. Herausgegeben von Dieter Blumenwitz, Klaus Gotto, Hans Maier, Konrad Repgen und Hans-Peter Schwarz. Stuttgart 1976.

57

Der Staatssekretär Adenauers, Persönlichkeit und politisches Wirken Hans Globkes. Herausgegeben von Klaus Gotto. Stuttgart 1980. [Der Staatssekretär].

58

Vgl. 207. Sitzung am 14. März 1952 TOP 10, 212. Sitzung am 1. April 1952 TOP 3, 234. Sitzung am 11. Juli 1952 TOP C und 267. Sitzung am 19. Dez. 1952 TOP 6.

59

Vgl. z.B. 208. Sitzung am 18. März 1952 TOP C, 238. Sitzung am 29. Juli 1952 TOP A, 248. Sitzung am 19. Sept. 1952 TOP A, 252. Sitzung am 10. Okt. 1952 TOP A und 258. Sitzung am 14. Nov. 1952 TOP B.

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