2.37.11 (k1952k): B. Wiedergutmachungsverhandlungen mit Israel und den jüdischen Verbänden

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung Band 5. 1952Das erste Kabinett Adenauer vor dem Palais SchaumburgPortrait Jakob KaiserFranz Böhm (nicht im Bild Nahum Goldmann und Moshe Sharett)Adenauer, Acheson und Schuman

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[B.] Wiedergutmachungsverhandlungen mit Israel und den jüdischen Verbänden

Das Kabinett erörtert die Rücktrittserklärung des stellvertretenden Leiters der deutschen Delegation bei den Wiedergutmachungsverhandlungen mit Israel 33, Rechtsanwalt Küster 34, der sich der Delegationsführer Prof. Dr. Böhm angeschlossen habe 35. Das Kabinett behält sich eine Beschlußfassung für die nächste Sitzung in Anwesenheit des Bundeskanzlers und Bundesministers des Auswärtigen vor 36.

Fußnoten

33

Vgl. 220. Sitzung am 16. Mai 1952 TOP 1 und 2.

34

Dr. Otto Küster (geb. 1907). 1933 aus dem Richteramt entlassen; seit 1935 Rechtsanwalt; nach 1945 Staatsbeauftragter für die Wiedergutmachung in Württemberg-Baden und Abteilungsleiter im Landesjustizministerium. Küsters Berufung zum stellvertretenden Delegationsleiter war auf eine Anregung von Goldmann zurückzuführen (Aufzeichnung vom 3. März 1952 in AA II 244-13 Bd. 1). - Den Hintergrund für seine Rücktrittserklärung (siehe Schreiben Küsters an Adenauer vom 7. Mai 1952 in NL Küster) bildeten vor allem sachliche und persönliche Auseinandersetzungen mit Schäffer. Siehe dazu Vermerk vom 7. Mai 1952 in B 126/51544, Schreiben Böhms an Blankenhorn vom 8. Mai 1952 in NL Blankenhorn/17, Aufzeichnung vom 13. Mai 1952 in AA II 244-13 Bd. 1 und NL Küster/ Tagebuchnotizen, Eintragung vom 7. Mai 1952. Die Kontroversen zwischen Schäffer und Küster wurden in Ansprachen im Süddeutschen Rundfunk am 20. und 22. Mai 1952 in scharfer Form ausgetragen (Neue Zeitung vom 23. Mai 1952).

35

Böhm hatte am 17. Mai 1952 wegen des gegen seinen Rat an Abs erteilten Sondierungsauftrages (vgl. 220. Sitzung am 16. Mai 1952 TOP 1 und 2) seinen Rücktritt erklärt. Siehe Böhm S. 459 und Aufzeichnung vom 23. Mai 1952 in AA II 244-14 Bd. 1.

36

Seebohm notierte: „Erklärung Böhm-Küster. Rücktrittsgesuch Böhms ist gleichsfalls da. Rücktritt Küsters geht Auftritt bei Schäffer voraus. Schäffer: Wahl von Böhm und Küster war falsch. Angebot Böhms im Haag mit 3 M[illiar]d[en] gegen Schäffer und gegen Rat von McCloy. Küster zu Schäffer: Äußerungen eines Fachministers seien unmaßgeblich! Blücher: nur Wiedergutmachung belastet jetzt schon öffentl. Haushalte mit 300 Mi[lli]o[nen]. Erfolg von London soll uns erst in die Lage versetzen, etwas für Israel zu tun; Böhm hat genau umgekehrt taktiert. Gesamtbilanz 3 (Israel) + 2,5 (Organisationen) + 3-4 Md (Individualentschädigung) = 10 Md nur für das jüdische Problem. Unmöglichkeit, ohne Inflation das zu leisten. Böhm von Kollektivschuld des deutschen Volkes überzeugt. Gefahr eines neuen Antisemitismus; große außenpolitische Gefahr. Dehler: Küster fehlt jede Eignung. Storch: Böhm ist nicht in der Lage, uns zu verstehen. Weitere Behandlungen heute Abend" (NL Seebohm/7). - Fortgang TOP 2 der folgenden Sondersitzung.

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