2.38.2 (k1952k): 2. Wiedergutmachungsverhandlungen mit Israel

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung Band 5. 1952Das erste Kabinett Adenauer vor dem Palais SchaumburgPortrait Jakob KaiserFranz Böhm (nicht im Bild Nahum Goldmann und Moshe Sharett)Adenauer, Acheson und Schuman

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2. Wiedergutmachungsverhandlungen mit Israel

Der Bundeskanzler bezeichnet den Rücktritt des deutschen Delegationsführers Prof. Dr. Böhm und dessen Stellvertreters Dr. Küster als einen Schritt, der die ernstesten Folgen für die wirtschaftliche und politische Lage der Bundesrepublik in der Welt befürchten ließe; dies besonders deshalb, weil beide Herren aus Anlaß ihres Rücktritts vor der Presse weitere Erklärungen abgegeben hätten 12, die den deutschen Interessen sehr abträglich seien 13. Die Gefahr liege nahe, daß die Bundesrepublik vor der Welt in den Ruf des Antisemitismus komme. Es müsse alles daran gesetzt werden, den Faden zu Israel nicht abreißen zu lassen 14.

Der Stellvertreter des Bundeskanzlers und der Bundesminister des Innern sind derselben Ansicht. Es müsse der größte Wert darauf gelegt werden, daß die nunmehr zu bestimmenden deutschen Delegationsführer mit glücklicherer Hand ausgewählt werden, als es bei den jetzt zurückgetretenen der Fall gewesen sei. Eile sei geboten. Eine sofortige beruhigende Erklärung des Bundeskanzlers erscheine ratsam.

Ein Beschluß wird nicht gefaßt, da zunächst die Berichterstattung des Präsidenten Abs über Verlauf und Ergebnis seiner gestrigen Verhandlungen mit den israelischen Vertretern in London abgewartet werden soll 15.

Fußnoten

12

Vgl. 221. Sitzung am 20. Mai 1952 TOP B. - In einem Interview hatte Böhm auf die Frage nach den Gründen für seinen Rücktritt am 20. Mai 1952 erklärt: „Ich habe mich davon überzeugt, daß der Widerstand der für die Finanzpolitik und für die Londoner Schuldenregelungsverhandlungen verantwortlichen Stellen gegen eine ausreichende Wiedergutmachung unüberwindlich ist. Diese Stellen sind der Auffassung, daß eine solche Wiedergutmachung über unsere Kräfte gehe und außerdem das Scheitern der Londoner Verhandlungen zur Folge haben werde. Ich halte diese Auffassungen für irrig" (Frankfurter Rundschau vom 21. Mai 1952). Küster hatte seinen Rücktritt mit der Erklärung begründet, daß hinter dem ihm erteilten Auftrag „kein ernster und durchdachter Entschluß der Bundesregierung" gestanden habe (Neue Zeitung vom 19. Mai und Die Welt vom 20. Mai 1952).

13

Die deutsche Gesandtschaft in Den Haag hatte Adenauer am 20. Mai 1952 über die heftigen Reaktionen der holländischen Presse auf die Rücktrittsmeldung Böhms unterrichtet (AA II 244-14 Bd. 1). In der Sitzung erwähnte Adenauer die Zeitung „Nieuwe Rotterdamse Courant", die unter der Überschrift „Deutsche Schande" erschienen war (NL Seebohm/7).

14

Seebohm notierte in dem Zusammenhang u. a. die Äußerung Adenauers: „Versöhnung mit Israel (über Geld) angeregt von Eden, Acheson und McCloy" (ebenda). Lenz vermerkte zu den Beratungen: „Es entspinnt sich eine erregte Debatte über die Berechtigung der jüdischen Forderungen. Dehler stellt sich auf den Standpunkt, daß Israel keine Forderungen habe. Moralische Forderungen seien eben nur moralisch" (NL Lenz/Tagebuch).

15

Vgl. 220. Sitzung am 16. Mai 1952 TOP 2 Anm. 15 und Schreiben Adenauers an Abs vom 21. Mai 1952 in Rhöndorfer Ausgabe 1951-1953 S. 219. - Fortgang Sondersitzung am 23. Mai 1952 TOP 3.

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