2.48.2 (k1952k): 2. Aufteilung der I. G. Farbenindustrie A. G.; hier: Beteiligung der I. G. an der Dr. Alexander Wacker GmbH, München, BMWi

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung Band 5. 1952Das erste Kabinett Adenauer vor dem Palais SchaumburgPortrait Jakob KaiserFranz Böhm (nicht im Bild Nahum Goldmann und Moshe Sharett)Adenauer, Acheson und Schuman

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2. Aufteilung der I. G. Farbenindustrie A. G.; hier: Beteiligung der I. G. an der Dr. Alexander Wacker GmbH, München 9, BMWi

Dr. Westrick berichtet über die gestrigen Verhandlungen 10 mit der Wacker-Chemie - vertreten durch Dr. Alexander Wacker 11 und den Präsidenten der bayerischen Staatsbank Dr. v. Hellingrath 12 und den Farbwerken Hoechst - vertreten durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Zinßer 13 und den Vorsitzenden des Vorstandes Winnacker 14. Danach sind von Dr. Wacker noch einmal die Gründe vorgetragen worden, aus welchen die Erbengemeinschaft die gesamte bisherige Beteiligung der IG-Farben erwerben will, z. B. die unbefriedigende Zusammenarbeit und die Sozialisierungsgefahr. Die Vertreter von Hoechst hätten darauf ihren gegenteiligen Standpunkt begründet, wobei sie beispielsweise die bisherige Zusammenarbeit als fruchtbar bezeichnet hätten. Sie hätten der Wacker-Chemie die absolute Majorität - 51 bis 74% nach ihrer Wahl - angeboten und nur eine Sperr-Minorität verlangt. Außerdem solle Wacker-Chemie entscheiden können, ob sie künftig noch einen Austausch der Erfahrungen und Kalkulationen wolle und in welchem Umfange. Dr. Wacker habe diese Vorschläge im Gegensatz zu seiner früheren Haltung nicht rundweg abgelehnt, sondern erklärt, daß er sich die Sache noch einmal überlegen wolle. Eine persönliche Verstimmung bei ihm sei gemildert worden. Die Herren von Hoechst hätten für die von ihnen vertretenen Gremien eine vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Zukunft zugesichert.

An der Verhandlung selbst hätten Vertreter der bayerischen und hessischen Staatsregierung nicht teilgenommen, ihre Ansicht jedoch in einer Vorbesprechung 15 (Bayern) oder durch Fernschreiben 16 (Hessen) zum Ausdruck gebracht.

Eine Stellungnahme des Kabinetts zu der Veräußerung der IG-Farben-Beteiligung ist nach den Worten des Bundeswirtschaftsministers noch in der Sitzung selbst erforderlich, da die Alliierten anderenfalls von sich aus die Entscheidung fällen werden 17. Dazu bemerkt der Bundesjustizminister, daß rechtliche Bedenken bestehen, ob die Alliierten nach Gesetz Nr. 35 18 eine Veräußerung der Beteiligung an Dritte anordnen können 19.

Für den Inhalt der Erklärung der Bundesregierung gegenüber den Alliierten werden verschiedene Vorschläge gemacht und erörtert, bis man sich auf die Mitteilung einigt, daß die Bundesregierung Einwände gegen die Übertragung der Beteiligung der IG-Farben auf die Wacker-Chemie erhebt und zwar aus juristischen Gründen 20.

Fußnoten

9

Vorlage des BMWi vom 26. Mai 1952 in B 102/134005 und B 136/2465. - Die I. G. Farbenindustrie war im Besitz einer 50%igen Beteiligung an der Firma Wacker, die 1921 von den Farbwerken Hoechst erworben und 1925 bei der Fusion in der I. G. eingebracht worden war. Die übrigen Anteile gehörten der Erbengemeinschaft Wacker. Die Erbengemeinschaft hatte sich im Zuge der Entflechtung der I. G. und aufgrund eines alliierten Verkaufsbeschlusses um den Rückerwerb der bisherigen I. G.-Beteiligung bemüht. Die Farbwerke Hoechst hatten sich jedoch nur zur Abgabe der Hälfte ihrer Beteiligung bereit erklärt. Der vollständige Rückerwerb war von der bayerischen Regierung und Bayerischen Staatsbank, die Wünsche der Farbwerke Hoechst von der hessischen Regierung unterstützt worden. Der BMWi hatte den Kabinettsausschuß für Wirtschaft um eine Entscheidung gebeten, ob die Bundesregierung eine Verantwortung für die Durchführung des alliierten Verkaufsbeschlusses mitübernehmen sollte. Der Ausschuß hatte am 19. Juni 1952 beschlossen, auf eine Empfehlung zu verzichten und zunächst eine Aussprache mit den Beteiligten herbeizuführen. Falls ein Kompromiß nicht herbeigeführt werden könnte, sollte die Angelegenheit dem Kabinett zur Entscheidung vorgelegt werden.

10

Siehe dazu den Vermerk vom 26. Juni 1952 in B 102/134004.

11

Laut Vermerk vom 25. Juni 1952 (B 136/2465): Dr. Wolfgang Wacker (geb. 1891), Geschäftsführer der Dr. Alexander Wacker Familiengesellschaft mbH.

12

Dr. Karl-Max von Hellingrath (geb. 1905). Präsident der Bayerischen Staatsbank (1945-1954) und Geschäftsinhaber der Berliner Handelsgesellschaft (1954-1955).

13

Hugo Zinßer (geb. 1900). Vorsitzender des Aufsichtsrates der Farbwerke Hoechst AG und Mitglied des Vorstands der Dresdner Bank Berlin.

14

Prof. Dr. Karl Winnacker (geb. 1903). Chemiker; seit 1933 in der IG Farbenindustrie AG (Werk Hoechst); Vorstandsvorsitzender (1952-1969) und Aufsichtsratsvorsitzender (1969-1980) der Farbwerke Hoechst AG; Aufsichtsratsmitglied verschiedener Gesellschaften, u. a. der Wacker-Chemie GmbH.

15

Siehe das Schreiben des Bayerischen Staatsministers für Wirtschaft, Dr. Hanns Seidel, vom 7. Juni 1952 in B 102/134005 und das Schreiben des bayerischen Bevollmächtigten beim Bund, Claus Leusser, vom 26. Juni 1952 in B 136/2465.

16

Fernschreiben des hessischen Ministerpräsidenten Zinn vom 23. Juni 1952 in B 102/134005.

17

Siehe dazu Vermerk vom 26. Juni 1952, ebenda.

18

Das AHK-Gesetz Nr. 35 vom 26. Aug. 1950 (Amtsblatt S. 543) regelte die Maßnahmen zur Aufspaltung des Vermögens der IG Farbenindustrie AG.

19

Siehe dazu das Schreiben des BMJ an die Bundesminister vom 4. Juli 1952 in B 136/2465.

20

Die Einwände teilte Adenauer der AHK mit Schreiben vom 16. Juli 1952 mit. In ihrer Antwortnote vom 8. Sept. 1952 hielt die AHK ihre Forderung nach einem Verkauf der IG-Beteiligung aufrecht. Nach weiteren Verhandlungen stimmte die AHK mit Schreiben vom 17. März 1953 einem Vorschlag der Bundesregierung zu, 1% des Stammkapitals aus dem 50%igen Anteil der IG an die Wackererben zu verkaufen (B 136/2465). - Fortgang zur Liquidation der I. G.-Farbenindustrie AG 31. Sitzung am 5. Mai 1954 TOP 3.

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