2.37.4 (k1960k): 2. Gestaltung des Volkstrauertages

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2. Gestaltung des Volkstrauertages

Der Bundesminister des Innern verweist darauf, daß der Bundeskanzler im April dieses Jahres den Bundesminister für Verteidigung und ihn beauftragt habe, Vorschläge für eine Neugestaltung der Feiern am Volkstrauertag zu machen 10. Inzwischen hätten Besprechungen zwischen dem Bundesministerium für Verteidigung und Bundesinnenministerium stattgefunden 11; auch der Bundeskanzler habe mit dem Bundespräsidenten über die Angelegenheit gesprochen 12. Schließlich sei auch Verbindung zu dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge aufgenommen worden 13.

Wenn auch in Zukunft die Bundeswehr etwas stärker beteiligt werden solle, so sei doch nicht daran gedacht, etwa die Feiern am Volkstrauertag zu einem Heldengedenktag im früheren Sinne zu machen 14.

Für die Gestaltung der Feiern in den nächsten Jahren werde das Bundesministerium des Innern und das Bundesministerium für Verteidigung mit dem Volksbund, dessen Vorstand im übrigen demnächst neu gewählt werde 15, enge Fühlung halten.

Für die diesjährigen Feiern sei folgendes vorgesehen: Kranzniederlegung, wie bisher auf dem Nordfriedhof; dabei Beteiligung einer Ehrenkompanie der Bundeswehr ohne Musikkorps. Der Volksbund glaube, daß es nicht zweckmäßig sei, für dieses Jahr noch einen anderen Friedhof (Kriegerfriedhof Ittenbach) zu wählen. Wenn das vor der Universität geplante Ehrenmal im nächsten Jahr fertiggestellt sei, so könne die Kranzniederlegung dort erfolgen. Feier im Plenarsaal. Die Rede halte der Bundespräsident. Ein Streichorchester der Bundeswehr komme in diesem Jahre nicht in Betracht, da das Bonner Stadtorchester bereits verpflichtet sei. Aufstellung einer Ehrenkompanie vor dem Bundestagsgebäude, deren Front der Bundespräsident vor der Feier abschreite. Der Bundesminister für Verteidigung stimmt diesen Vorschlägen grundsätzlich zu, wobei er aber hervorhebt, daß er sie nur als Übergangsmaßnahme betrachte. Er habe erhebliche Bedenken dagegen, daß der Bundespräsident die Front der Ehrenkompanie abschreite. Die Ehrenbezeigung gelte dann nur dem Bundespräsidenten und nicht den Toten.

Die Feier im Plenarsaal in ihrer jetzigen Form dürfe nicht zur Dauereinrichtung werden, da sie wenig Ausstrahlungskraft auf die Öffentlichkeit besitze, weil an ihr hauptsächlich nur die Prominenz und nicht die Bevölkerung beteiligt sei. Wenn möglich, müsse eine derartige Feier im Freien oder in einer großen Halle stattfinden, um auch der Bevölkerung Gelegenheit zur Teilnahme zu geben. Dann könne auch ein Musikkorps der Bundeswehr daran teilnehmen.

In diesem Zusammenhang erhebe sich auch die Frage, ob nicht das Grabmal eines unbekannten Soldaten in der Bundesrepublik errichtet werden solle. Der Bundeskanzler bemerkt, daß die Errichtung eines Ehrenmals für einen unbekannten Soldaten einer späteren Erörterung vorbehalten werden solle 16.

Die Feier auf dem Nordfriedhof sei bisher immer würdig verlaufen und bedürfe keiner Änderung. Daß die Bundeswehr dort nur mit einer Abordnung vertreten gewesen sei, die Kränze niedergelegt habe, halte er für sehr gut, da nicht nur der gefallenen Soldaten, sondern auch der großen Anzahl von Zivilisten gedacht werden solle, die im Kriege umgekommen sei. In der Feier im Plenarsaal solle nach einer kurzen Ansprache des Bundespräsidenten möglichst ein Historiker die Trauerrede halten 17. Der Bundesminister des Innern macht hierzu darauf aufmerksam, daß der Bundespräsident dem Volksbund zugesagt habe, die Hauptansprache zu halten 18.

Fußnoten

10

Siehe Sondersitzung am 28. Juni 1960 TOP 4. - Ministervorlage für den BMI vom 20. Sept. 1960 für die Kabinettssitzung in B 122/5051.

11

Zur Besprechung am 14. Sept. 1960 im BMI zwischen Vertretern von BMVtg, BMI und Bundeskanzleramt vgl. die Aufzeichnung des Bundeskanzleramtes vom 20. Sept. 1960 in B 136/4931.

12

Gesprächsaufzeichnung zu der Unterredung zwischen Adenauer und Lübke nicht ermittelt. Vgl. dazu die Vorlagen des Bundeskanzleramtes vom 3. und 4. Okt. 1960 in B 136/4931. - Gegenüber dem BMI hatte sich der Bundespräsident dafür ausgesprochen, Ausrichtung und Ausgestaltung der Feier weiterhin dem Volksbund zu überlassen, jedoch dabei stärker als bisher amtliche Stellen, insbesondere den Bundeskanzler und den Bundespräsidenten zu beteiligen. In jedem Falle aber solle ein zu starker militärischer Charakter der Feierstunde vermieden werden. Vgl. die Aufzeichnungen vom 8. und 17. Aug. 1960 sowie Schreiben des Bundespräsidialamtes an das BMI vom 9. Sept. 1960 in B 122/5051.

13

Vgl. den Vermerk des Bundeskanzleramtes vom 20. Sept. 1960 in B 136/4931.

14

Zur Feier des „Heldengedenktages" während des NS-Regimes als Nationalfeiertag am zweiten Fastensonntag „Reminiscere" bzw. ab 1939 am 16. März als Jahrestag der Wiederherstellung der allgemeinen Wehrpflicht vgl. Hattenhauer, Nationalsymbole, S. 145-149.

15

Am 23. Sept. 1960 wurde auf dem Vertretertag in Kassel der Vorsitzende des Landesverbandes Hessen Pfarrer Walter Trepte zum neuen Präsidenten des Volksbundes gewählt (vgl. die Vorlage für den BMI vom 20. Sept. 1960 in B 122/5051 sowie den Bericht in „Kriegsgräberfürsorge" Nr. 7 vom 13. Nov. 1960, S. 106, in B 106/77148).

16

Gedacht war an einen Standort vor der Bonner Universität im Hofgarten (vgl. den Gesprächsvermerk vom 14. Sept. 1960 in B 136/4931, weitere Unterlagen in B 136/4928). - Fortgang dazu 74. Sitzung am 2. Mai 1963 TOP H (Ehrenmal in Bonn für die Toten des Krieges und der Gewaltherrschaft: B 136/36129).

17

Nach Absage des Historikers und Rektors der Universität Bonn Prof. Dr. Max Braubach konnte der Volksbund den Frankfurter Soziologen Prof. Dr. Ludwig Neundörfer als Redner gewinnen (vgl. die Mitteilung des Volksbundes vom 10. Okt. und den Vermerk des Bundeskanzleramtes vom 20. Okt. 1960 in B 136/4931).

18

Aufruf der Bundesregierung zum Volkstrauertag 1960 in Bulletin Nr. 213 vom 12. Nov. 1960, S. 2049, Text der Ansprache Lübkes in Bulletin Nr. 215 vom 18. Nov. 1960, S. 2073 f., Entwürfe in Nachlass Lübke N 1216/91. - Auch in den kommenden Jahren wurde die Hauptfeier vom Volksbund ausgerichtet und im Plenarsaal des Bundestages im hergebrachten Rahmen gestaltet (Unterlagen dazu in B 122/5051 und B 136/4931).

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