2.41.8 (k1960k): 6. Deutsches Verfahren zur billigeren Uranspaltung (Zentrifuge)

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 13. 1960Flugblatt des BeamtenbundesAm 16. August 1960 werden in Berlin neue Warenlisten und Vereinbarungen für den innerdeutschen Handel unterzeichnet Broschüre zur LebensmittelbevorratungSchreiben Adenauers betr. Salzgitter-Konzern

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6. Deutsches Verfahren zur billigeren Uranspaltung (Zentrifuge)

Der Bundesminister für Atomkernenergie und Wasserwirtschaft berichtet ausführlich über die bisherige Verwendung des Diffusionsverfahrens und über das Zentrifugenverfahren 15. Er weist darauf hin, daß aus der Geheimhaltung des Zentrifugenverfahrens innenpolitisch und außenpolitisch Schwierigkeiten entstehen können und erklärt, daß sogar möglicherweise eine Änderung der Struktur des Atomministeriums notwendig werden könnte. Der Bundeskanzler bittet die beteiligten Ressorts, ggf. zu dem Problem dem Kabinett eine Vorlage zu machen und unterrichtet das Kabinett über ein Gespräch mit Herrn Krekeler von Euratom 16. Der Bundesminister der Justiz glaubt, daß der Bundesminister für Atomkernenergie und Wasserwirtschaft zu große Schwierigkeiten sehe. Die Niederlande und die Vereinigten Staaten arbeiteten an einem ähnlichen Verfahren, das sie unter Geheimschutz gestellt hätten. Sie hätten daher angeregt, daß sich die Bundesrepublik ähnlich verhalte. In der Ressortbesprechung am 28. September sei man sich über die Geheimhaltung einig gewesen 17. Der Bundesminister für Atomkernenergie und Wasserwirtschaft erklärt, er habe in der genannten Besprechung zwar seine Bedenken zurückgestellt, trotzdem aber vor den Folgen gewarnt, mit denen man sich jetzt noch auseinandersetzen müsse 18.

Fußnoten

15

Vgl. den Sprechzettel für den BMAt vom 18. Okt. 1960 in B 138/5172, weitere Unterlagen in B 106/71935, B 138/5173 bis 5175 und B 141/37968. - Aufbauend auf Vorkriegsforschungen war von Mitarbeitern des Instituts für Physikalische Chemie der Universität Bonn, des Instituts für Wissenschaftliches Apparatewesen der Gesellschaft zur Förderung der Kernphysikalischen Forschung in Aachen sowie der Firmen Degussa und AEG mit finanzieller Unterstützung des BMAt an der Herstellung von Gaszentrifugen zur Isotopentrennung und damit zur kostengünstigen Produktion von angereichertem Uran gearbeitet worden. Da mit den in den Projekten zu entwickelnden Gaszentrifugen zukünftig prinzipiell auch waffenfähiges angereichertes Uran hergestellt werden konnte, hatte das BMAt seit Sommer 1960 geprüft, ob es sich bei den genannten Forschungsarbeiten möglicherweise um Staatsgeheimnisse im Sinne des § 99 StGB handele. Anfang Oktober 1960 hatte sich die Bundesregierung entschlossen, beim Deutschen Patentamt in München zu beantragen, alle diesbezüglich eingereichten Patente zu Staatsgeheimnissen zu erklären. Am 13. Dez. 1960 wurde dem Antrag für das Erste einer Reihe von Patenten entsprochen (Unterlagen hierzu in B 141/37968).

16

Das Gespräch hatte am 18. Okt. 1960 stattgefunden (vgl. Adenauers Tageskalender in B 136/20687). - In einem Schreiben an Adenauer vom 16. Sept. 1960 hatte Krekeler die Auffassung vertreten, dass das von der Bundesregierung verfolgte Programm zum Aufbau einer friedlichen Atomwirtschaft nicht ausreichend sei, um den im Vergleich mit anderen Ländern bestehenden technischen Rückstand aufzuholen. Er hatte deshalb ein verstärktes politisches und finanzielles Engagement der Bundesregierung gefordert (Schreiben in B 136/6115).

17

Unterlagen dazu nicht ermittelt.

18

Am 2. Nov. 1960 fand im BMAt eine Besprechung mit Vertretern aller betroffenen Forschungseinrichtungen und Firmen statt. Um den Geheimschutzansprüchen der Bundesregierung zukünftig zu genügen, ohne dadurch die weitere Forschung an dem Verfahren zu behindern, wurde vereinbart, die vier bisher getrennt agierenden Forschungsgruppen als Arbeitsgemeinschaft für Gaszentrifugen (AGAZ) in einem Gebäudekomplex in der Nähe von Aachen zusammenzufassen. Vgl. den Vermerk des BMAt vom 4. Nov. 1960 in B 138/5172.

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