1 (k1963k): Einleitung

Zum Text. Zu den Funktionen. Zum Navigationsmenü. Zum Navigationsbaum

 

Bandbilder:

Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 16. 1963Schreiben Adenauers zur Anwesenheit in KabinettssitzungenDas Kabinett Erhard bei Bundespräsident Lübke am 17. Oktober 1963Hans Krüger, Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und KriegsgeschädigteDDR-Propaganda gegen die Strafrechtsreform

Extras:

 

Text

Einleitung

Nach der Zuspitzung des Ost-West-Konflikts in der Kuba-Krise vom Herbst 1962 hatten die Großmächte USA und Sowjetunion eine Entspannungspolitik eingeleitet, die bei der Bundesregierung einmal mehr Befürchtungen einer Verständigung zwischen den Westmächten und der Sowjetunion auf Kosten des geteilten Deutschlands auslöste. Die Frage nach einer angemessenen Reaktion auf diese Entwicklungen wurde von „Atlantikern" und „Gaullisten" unterschiedlich beantwortet. Während letztere eine enge Anlehnung an die vom französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle vertretene Konzeption eines „europäischen Europas" suchten, orientierten sich erstere an einer Zusammenarbeit mit dem militärisch und wirtschaftlich stärksten Bündnispartner USA. Europapolitisch war das Jahr gleich zu Beginn geprägt von der spektakulären Absage de Gaulles an eine EWG-Mitgliedschaft Großbritanniens sowie dem zähen Ringen um weitere Integrationsschritte der Gemeinschaft.

Im Zuge wachsender Ausgabenanforderungen gestalteten sich die Bemühungen um einen ausgeglichenen Bundeshaushalt zunehmend schwieriger. Neben vermehrten Verteidigungsaufwendungen und Devisenhilfen für die Verbündeten mussten zusätzliche Belastungen für Verbesserungen sozialer Leistungen und für Tarif- und Besoldungsforderungen im öffentlichen Dienst bei den Planungen für das laufende und für die folgenden Haushaltsjahre berücksichtigt werden. Eine Änderung der Steuerverteilung zwischen Bund und Ländern konnte die angespannte Haushaltslage nur zum Teil entschärfen.

Der Wechsel im Amt des Bundeskanzlers von Konrad Adenauer zu Ludwig Erhard markierte einen Einschnitt in der innenpolitischen Entwicklung der Bundesrepublik. Nach 14 Jahren gab der Politiker die höchste Verantwortung ab, der mit seinem Kurs der Westintegration die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland maßgeblich geprägt hatte. Nur widerwillig überließ er das Amt seinem langjährigen Weggefährten Ludwig Erhard, dessen Person zwar den wirtschaftlichen Wiederaufstieg der Bundesrepublik verkörperte, dem er aber die außenpolitische Kompetenz unverhohlen absprach.

Extras (Fußzeile):