2.1.6 (k1963k): F. Verhandlungen in der NATO

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[F.] Verhandlungen in der NATO

Der Bundeskanzler setzt sich kritisch mit der Änderung der NATO-Konzeption durch das Abkommen von Nassau auseinander 9. Dabei nimmt er insbesondere zu den Vorstellungen von McNamara über eine 90-tägige Verteidigung Europas mit konventionellen Waffen Stellung 10. Auch behandelt er die Frage, ob die Lage in Kuba mit der Lage in Westeuropa verglichen werden könne 11.

Fußnoten

9

Vgl. dazu die Aufzeichnung von Staatssekretär Karl Carstens vom 4. Jan. 1963 in AAPD 1963, S. 5-8, Unterlagen dazu in AA B 130, Bde. 1344-1347. - In ihren Gesprächen vom 18. bis 21. Dez. 1962 in Nassau auf den Bahamas hatten der amerikanische Präsident John F. Kennedy und der britische Premierminister Harold Macmillan ein Abkommen abgeschlossen, das die Aufrüstung englischer U-Boote mit amerikanischen Polaris-Mittelstreckenraketen vorsah. Diese Raketen konnten mit Atomsprengköpfen bestückt werden. Über ihren Einsatz würde Großbritannien selbstständig entscheiden können. Gleichzeitig hatten beide Regierungschefs in Aussicht gestellt, diese neuen Schiffseinheiten in eine multilaterale Atomstreitmacht der NATO (MLF) zu integrieren, an der alle interessierten Mitgliedstaaten der NATO partizipieren konnten. - Die Resonanz innerhalb der Bundesregierung war zwiespältig. Adenauer sah in dem Abkommen vor allem eine Stärkung der anglo-amerikanischen Mächte und ein weiteres Anzeichen für die Eigenmächtigkeit und Dominanz der USA innerhalb des Bündnisses. Andererseits stellte die Offerte für die Bundesregierung eine Verbesserung der Mitsprache in Atomfragen in Aussicht. Vgl. dazu Münger, Kennedy, S. 250 f.

10

Zuletzt hatte der amerikanische Verteidigungsminister Robert S. McNamara auf der Tagung des Atlantikrates vom 13. bis 15. Dez. 1962 der bisherigen NATO-Doktrin der massiven Vergeltung mit Atomwaffen eine Absage erteilt und eine Strategie der „flexible response" propagiert, bei der ein sowjetischer Angriff zunächst mit konventionellen Waffen beantwortet werden sollte. Im Rahmen dieser Strategie sollten die Streitkräfte in Europa soweit aufgerüstet werden, um einen herkömmlichen Krieg neunzig Tage lang bestreiten zu können. Vgl. dazu die „Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 15. Dez. 1962, S. 1.

11

Nach einem Gespräch mit dem Undersecretary of State George W. Ball am 14. Jan. 1963 erklärte Adenauer seine grundsätzliche Bereitschaft, sich an der multinationalen Streitmacht zu beteiligen. Vgl. dazu Münger, Kennedy, S. 280-282. - Fortgang hierzu 73. Sitzung am 24. April 1963 TOP E.

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