2.16.3 (k1966k): 3. Olympische Spiele 1972

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3. Olympische Spiele 1972

Bundesminister Lücke berichtet, daß die Bundesregierung im März ihre Zusicherung gegeben habe, auf der Grundlage der Madrider Beschlüsse den reibungslosen Ablauf der Olympischen Spiele im Jahre 1972 zu gewährleisten, sofern die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu Gunsten Münchens ausfalle 4. Nunmehr wünsche jedoch der deutsche Vertreter im IOC, Daume, daß die Bundesregierung schon jetzt die Erklärung abgebe, sie werde auch alle künftigen Entscheidungen des IOC beachten. Der Bundesminister des Innern erklärt, daß heute nicht übersehbar sei, welche Entscheidungen das IOC bis zu den Olympischen Spielen 1972 treffen könne, die gewünschte Erklärung also einer Blanko-Vollmacht gleiche. Eine solche Bindung dürfe die Bundesrepublik nicht eingehen, er könne daher den von Herrn Daume gewünschten Brief nicht befürworten. Bundesminister Dr. Mende tritt dieser Auffassung bei. München sei eine Stadt der Bundesrepublik, und es könne keinesfalls hingenommen werden, daß womöglich eine zweite deutsche Mannschaft unter der Flagge der „DDR" oder unter Führung eines hohen Funktionärs der SED an den Olympischen Spielen 1972 teilnehme. Würde man dies dulden, so hätte die Bundesrepublik durch konkludentes Handeln die Existenz von zwei deutschen Staaten anerkannt. Eine voll selbständige Mannschaft der SBZ dürfe auf deutschem Boden nicht auftreten, selbst wenn daran die Austragung der Olympischen Spiele in München scheitere. Bundesminister Stücklen berichtet über Erörterungen dieser Frage in Bayern und gibt der Meinung Ausdruck, daß sicher auch der Münchener Oberbürgermeister die Auffassung der Bundesregierung akzeptieren werde 5.

Nach weiteren Erörterungen, an denen sich auch die Bundesminister Dr. Westrick, Höcherl, Dr. Dahlgrün und Niederalt beteiligen, beschließt das Kabinett, keine Erklärungen in der vom deutschen Vertreter im IOC gewünschten Form abzugeben, jedoch auch von sich aus nichts dazu zu tun, daß die Frage in der Öffentlichkeit erörtert wird 6.

Fußnoten

4

Siehe 23. Sitzung am 20. April 1966 TOP D. - Schreiben Lückes an das IOC vom 23. März 1966 in B 106/36167 und B 136/5555.

5

Am 25. April 1966 hatte der Münchener Oberbürgermeister Dr. Hans-Jochen Vogel auf der IOC-Tagung in Rom die Bewerbungsrede gehalten, in der er insbesondere für alle Teilnehmer eine uneingeschränkte Einreisemöglichkeit ohne Pass- und Zollformalitäten sowie die Einhaltung der Regeln des IOC ausdrücklich versichert hatte (Wortlaut der Rede in B 106/30600).

6

Die Entscheidung über die Vergabe der Spiele fiel schon am Nachmittag des 26. April 1966 zugunsten der Stadt München. Vgl. „Die Welt" vom 27. April 1966, S. 1. - Fortgang 25. Sitzung am 4. Mai 1966 TOP E.

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