
Fünf Schüler des Rastatter LWG moderierten das von Bundesarchiv und Gymnasium gemeinsam veranstaltete Zeitzeugengespräch mit Wolfgang Welsch (Mitte).
Quelle:
Andreas Jachnik
Der diesjährige Zeitzeuge, Wolfgang Welsch, schilderte bei der über drei Stunden dauernden Veranstaltung seinen Fluchtversuch 1964, seine anschließende Verhaftung und die Bedingungen seiner Haft. Isolationshaft, Folter und eine Scheinhinrichtung konnten Wolfgang Welsch nicht brechen. "Jedes überstandene Gespräch hat mich stärker gemacht", schildert Welsch seinen damaligen Gemütszustand. Es folgten sieben Jahre Haft unter schlimmsten Bedingungen, dann der Freikauf als politischer Häftling durch die Bundesrepublik. Doch auch in der Freiheit wollte sich Welsch mit der Existenz des SED-Unrechtsstaates nicht abfinden. "Ich wollte meinen Beitrag zur Destabilsierung dieses unmenschlichen Regimes leisten", erklärt Welsch seine Motivation. Für über 200 Menschen organisierte er erfolgreich die Flucht in den Westen. Er selbst litt jahrzehntelang unter den Folgen der traumatischen Haftbedingungen und konnte seinen Beruf, die Schauspielerei, nicht mehr ausüben.
Anna-Doreen Jungling, David Weingärtner, Samira Zimpfer, Wolfgang Welsch, Julia Riegel und Phuong Thanh Le (v. l. n.r.) Im Hintergrund Dr. H. Pahl und I. Brömel (v. l.)
Quelle:
Andreas Jachnik
Geschickt moderiert wurde das Gespräch von 5 Schülerinnen und Schülern des Ludwig-Wilhelm Gymnasiums. Sie hatten sich gut auf den Referenten vorbereitet und bezogen das Vergangene auch auf die Gegenwart. Ein allgemeines Desinteresse machte Welsch verantwortlich für die bis heute nicht ausreichende Aufarbeitung des Unrechtsstaates. "Die Stasi schreckte auch vor Mord in der Bundesrepublik nicht zurück", erklärte Welsch den jungen Zuhörern und berichtete von den drei Mordversuchen gegen ihn, die durch die Stasi verübt worden waren. Dass sein bester Freund einer der Rädelsführer der Mordanschläge war und dass seine eigene Ehefrau über Jahre hinweg als Informelle Mitarbeiterin über ihn berichtet hat – dies war seine erschreckendste Erkenntnis, als er 1992 seine Stasi-Akten eingesehen habe.
Aber: "Die Stasi-Täter sind nach wie vor unter uns, und nur ein Bruchteil davon ist wirklich zur Rechenschaft gezogen worden", warnte Welsch vor einem vorzeitigen Vergessen von 40 Jahren SED-Diktatur.
Sein autobiografisches Buch "Ich war Staatsfeind Nr. 1" wurde bereits über 150.000 Mal verkauft, in mehrere Sprachen übersetzt und unter dem Titel "Der Stich des Skorpion" verfilmt.
Der thematische Bogen spannt sich von den Freiheitsbewegungen der Frühen Neuzeit bis in das 20. Jahrhundert. Inhaltlicher Schwerpunkt sind der Vormärz und die Revolution von 1848/49.
Unter dem Motto "Geschichte lebendig gestalten" setzen sich Schüler und junge Erwachsene kreativ und eigenverantwortlich mit der deutschen Freiheitsgeschichte auseinander.