
In Begleitung von Gisela Müller und Dr. Clemens Rehm verschafft sich Markus Meckel (links) einen Eindruck vom neuen Ausstellungsteil
Quelle:
Rainer Wollenschneider
Mit Markus Meckel war einer der bekanntesten Oppositionspolitiker der ehemaligen DDR Gast der "Erinnerungsstätte". Als Mitbegründer der sozialdemokratischen Partei in der DDR und Außenminister in der ersten und auch letzten freigewählten Regierung Lothar de Maiziere trat Meckel zum ersten Mal ins Rampenlicht der westdeutschen Öffentlichkeit. Von 1990-2009 saß er für die SPD im Deutschen Bundestag. Die Revolutionsstadt an der Murg kennt er bereits. 1987 wohnte er der Verleihung des "Gustav-Heinemann-Bürgerpreises" bei, 2001 referierte er in der Bundesarchiv-Erinnerungsstätte.
Meckels Engagement für die Freiheit ist ungebrochen. Er gratulierte den Machern der neuen Dauerausstellung "Wir sind das Volk! Freiheitsbewegungen in der DDR!". Diese Ausstellung hier im Südwesten der Republik sei ungeheuer wichtig für die Identitätsfindung der Deutschen, hob der Zeitzeuge hervor, nachdem er vom Geschäftsführer des Fördervereins, Clemens Rehm, herzlich begrüßt wurde. Vor zahlreichem Publikum sprach sich Meckel für eine bessere "Erinnerungskultur" aus:"Die Deutschen sind das Volk, das sich am wenigsten kennt. Wir wissen viel zu wenig voneinander, dabei hat doch Geschichte immer auch etwas mit Identität zu tun". Er forderte, die Freiheitsbewegungen in der DDR in den europäischen Kontext zu stellen, denn erst durch die Aktiviäten in der CSSR, Polen und Ungarn konnte Europa zusammenwachsen. Damit wurde auch der Weg zu deutschen Einheit in Freiheit geebnet.
Markus Meckel (links) trägt sich nach einem Gespräch mit Gisela Müller und Clemens Rehm in das Gästebuch des Fördervereins ein.
Quelle:
Rainer Wollenschneider
Meckel saß bei den 2+4 Verträgen 1990 als Vertreter der DDR-Regierung neben Außenminister Genscher am Verhandlungstisch. Er wollte keinen Beitritt "per Handschlag", sondern eine Einigung auf der Grundlage von Verträgen. Das sei gelungen. Am 3. Oktober 1990 "gingen die Ostdeutschen selbstbewusst und aufrecht in die deutsche Einheit".
In ihren Schlussworten dankte die neue Leiterin der Erinnerungsstätte, Frau Gisela Müller, dem Zeitzeugen für seine sachlich und fundierten Ausführungen und der Stiftung "Aufarbeitung der SED Geschichte" für die finanzielle Unterstützung der Veranstaltung.
Das nächste Zeitzeugengespräch findet am 18. Februar 2010 um 18:00 Uhr im Ahnensaal des Rastatter Schlosses statt. Zu Gast ist Frau Ulrike Poppe, die künftige Beauftragte des Landes Brandenburg für die Unterlagen der Staatssicherheit der DDR.
Der thematische Bogen spannt sich von den Freiheitsbewegungen der Frühen Neuzeit bis in das 20. Jahrhundert. Inhaltlicher Schwerpunkt sind der Vormärz und die Revolution von 1848/49.
Unter dem Motto "Geschichte lebendig gestalten" setzen sich Schüler und junge Erwachsene kreativ und eigenverantwortlich mit der deutschen Freiheitsgeschichte auseinander.