
Evelyn Zupke zeigt ihren Ausweis, der sie als Angehörige der Überwachung der Volskammerwahl am 18. März 1990 legitimierte
Quelle:
Rainer Wollenschneider
Frau Evelyn Zupke trug wesentlich dazu bei, die staatliche Wahlfälschung vom 7. Mai 1989 in der DDR nachzuweisen. Politisch engagiert im oppositionellen Weißenseer Friedenskreis in Berlin, schrieb die damals 27-Jährige Eingaben und Briefe an verschiedene staatliche Institutionen, in denen sie den Wahlbetrug anprangerte. Regelmäßig wurde sie vor geplanten Protestaktionen gegen die Wahlfälschung von der Stasi zu "Gesprächen" und "Belehrungen" abgeholt und unter Hausarrest gestellt. Ihr wurde verboten, die Berliner Innenstadt zu betreten.
Mit der Drohung, ihr Kind nicht mehr sehen zu dürfen, wenn sie nicht zur Zusammenarbeit bereit wäre, versuchte die Stasi, Evelyn Zupke zu erpressen. "Das war natürlich das Schlimmste, was es für mich geben konnte", erinnert sich die Bürgerrechtlerin. Am 7. September 1989 gelang es ihr, zur Protestaktion auf dem Berliner Alexanderplatz zu erscheinen. An diesem Tag schlugen die Sicherheitskräfte brutal zu. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Weißenseer Friedenskreises wurde sie ins Untersuchungsgefängnis Berlin-Rummelsburg gebracht.
Frau Zupke war 1989/90 Mitglied am "Runden Tisch" in Berlin-Weißensee und arbeitete im Komitee zur Auflösung des ehemaligen "Amtes für nationale Sicherheit" mit. Sie hatte in Rastatt den Ausweis dabei, der sie als Angehörige der Kommission zur Überwachung der ersten und letzten demokratischen Wahl zur Volkskammer in der DDR am 18. März 1990 legitimierte.
Die Kämpferin gegen die Scheinwahlen und für demokratische Rechte machte bei ihren Ausführungen im Ahnensaal deutlich, welches Gut das demokratische Wahlrecht darstellt.
Das sechste Zeitzeugengespräch seit der Eröffnung der Ausstellung "Wir sind das Volk! Freiheitsbewegungen in der DDR 1949-1989" wurde von der Stiftung "Aufarbeitung der SED-Diktatur" finanziell gefördert.
Im Erdgeschoss wird in neun Stationen an Errungenschaften und Niederlagen der Freiheitsbewegungen im 19. Jahrhundert erinnert.
Das Thema Opposition und Widerstand in der DDR gliedert sich in fünf Kapitel. Der Rundgang beginnt im Erdgeschoss und wird im Obergeschoss fortgesetzt.
Für Gruppen werden thematische Führungen durch beide Ausstellungsbereiche angeboten.
Dieses Angebot können Schulklassen ebenfalls nutzen. Zusätzlich gibt es ein Geschichtspuzzle, ein Kreuzworträtsel und andere Arbeitsmaterialien.