
Referatsleiterin Gisela Müller führt Joachim Rudolph durch die Dauerausstellung
Quelle:
Rainer Wollenschneider
Anlässlich des Gedenkens zu „50 Jahre Berliner Mauer“ sprach der Fluchthelfer Joachim Rudolph in der „Erinnerungsstätte“ im Rastatter Schloss unter anderem zu einem der spektakulärsten Tunnelprojekte. Dazu erwähnte Gisela Müller, Referatsleiterin im Bundesarchiv, dass das Fluchtprojekt, an dem Rudolph maßgeblich beteiligt gewesen war, von NBC als „Tunnel 29“ live verfilmt wurde. Später gab es dazu einen TV-Zweiteiler in SAT I mit Heino Ferch in der Titelrolle.
Gisela Müller wies auf die Lebensgefahr hin, in die sich die Fluchthelfer gegeben hatten, aber auch den Mut, der zwischen 1961 und 1963 so vielen Menschen die Freiheit gebracht hätte. So seien nach Müller zwischen August 1969 und 1989 allein 5000 Flüchtlinge nach Berlin gelangt.
Joachim Rudolph, Jahrgang 1938, konnte bei seinen Schilderungen authentisch berichten, wie er den Volksaufstand am 17. Juni 1953 als Junge in Berlin erlebt hatte. Auch die Unglaublichkeit, durch Berlin eine Mauer zu bauen, wurde mit realistischen Bildern aus dem eigenen Erfahrungsbereich belegt. „Als ich mit einem Studienfreund nach West-Berlin floh, sind wir vier Stunden lang über eine Strecke von 400 Metern gekrochen und gerobbt“, fügte Rudolph an.
Dann berichtete der Zeitzeuge, nach der Präsentation eines Filmausschnittes zum „Tunnel 29“, mit welchen Schwierigkeiten man im September 1961 in über viermonatiger Arbeit mit etwa 40 Helfern den 160 Meter langen Fluchttunnel von West- nach Ostberlin gegraben hatte. „NBC sponserte diese heiße Sache im Kalten Krieg, denn die Aktion war enorm technisch aufwändig“, war zu vernehmen. Rudolph schilderte packend, wie er beim Durchbruch in einen Ostberliner Keller in der Schönholzer Straße 7 dabei war.
In zwei Gruppen verließen 29 Flüchtlinge Ostberlin durch den Tunnel. Dann wurde er unbrauchbar, denn er lief voller Wasser. Rudolph berichtete von insgesamt 70 Fluchttunneln. Der Zeitzeuge war noch bei zwei weiteren Projekten dabei, die allerdings wegen Verrat scheiterten. Er zog sich von weiteren Aktionen zurück, als Fluchthilfe kommerziell wurde. Im Gespräch mit den Besuchern in der „Erinnerungsstätte“ sagte Rudolph nach Anfrage: „Natürlich hatte ich Angst!“ und er warnte vor verbreiteten Lügengeschichten anderer Fluchthelfer.
(Der Artikel von Rainer Wollenschneider ist den Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) vom 26. 11.2011 entnommen).
Rudolph sprach am 25. Oktober auch vor Schülern im Ludwig-Wilhelm-Gymnasium in Rastatt.
Im Erdgeschoss wird in neun Stationen an Errungenschaften und Niederlagen der Freiheitsbewegungen im 19. Jahrhundert erinnert.
Das Thema Opposition und Widerstand in der DDR gliedert sich in fünf Kapitel. Der Rundgang beginnt im Erdgeschoss und wird im Obergeschoss fortgesetzt.
Für Gruppen werden thematische Führungen durch beide Ausstellungsbereiche angeboten.
Dieses Angebot können Schulklassen ebenfalls nutzen. Zusätzlich gibt es ein Geschichtspuzzle, ein Kreuzworträtsel und andere Arbeitsmaterialien.