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Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte

Internet: http://www.bundesarchiv.de/erinnerungsstaette/aktuelles/05428/index.html

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"Was treiben die Deutschen in Afrika?!" Deutschland und Kamerun in Fotos und Dokumenten aus dem Bundesarchiv

Christian Bommarius referierte zur Eröffnung der Ausstellung am 10. Mai zum Thema "Der gute Deutsche. Die Ermordung Manga Bells in Kamerun 1914."

Christian Bommarius referierte über Kamerun

Christian Bommarius referierte über Kamerun

Quelle:
Rainer Wollenschneider

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„Pif - Paf - Hurra!“ (mit dem Gewehr). Das ist die Antwort auf die Frage im deutschen Anti-Koloniallied von 1898 „Was treiben die Deutschen in Afrika?!“ Die Zeile stand über der Ausstellungseröffnung in der Erinnerungsstätte in der Rastatter Barockresidenz. In der Außenstelle des Bundesarchivs wird eine im Herbst 2016 von Bundesarchivmitarbeiterin Sabine Herrmann kreierte Wanderausstellung präsentiert, die ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte in Afrika beleuchtet. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges hatte man im Kaiserreich Wilhelm II. wegen Wirtschaftsinteressen eine „Kulturmission“ in Kamerun vorgeschoben, sehr viel Leid unter der Urbevölkerung der Duala hinterlassen und war auch vor Folterungen und Exekutionen nicht zurückgeschreckt.

Auf 15 Tafeln mit sehr vielen dokumentarischen Bildern aus Kamerun wird dieses Vorgehen verdeutlicht. Darauf wies die kommissarische Leiterin der Erinnerungsstätte, Gisela Müller, in Anwesenheit von Abteilungspräsidentin Petra Weidenhaus hin. 50 Prozent der Bild-Text-Tafeln verweisen auf das Wirken von Missionaren, Kaufleuten, Kolonialbeamten, kamerunischen Bauern oder Militärs.

Das Lesen der Dokumente und Erläuterungstexte führt auf eine Zeitreise nach Afrika. Da werden auch konfliktbeladene Situationen wach. Dazu erwähnte der Geschäftsführer des Fördervereins Erinnerungsstätte, Dr. Clemens Rehm, dass Rastatt einen Bezug zu den Kolonialereignissen habe. Steht doch im Stadtteil Dörfel ein Denkmal, das an gefallene Soldaten der Rastatter Garnison im Kampf gegen Afrikaner erinnert.

Der zweite Teil der Ausstellung zu Kamerun führt in die Nachkolonialzeit. Dazu gibt es eine besondere Auswahl von Bild- und Textdokumenten aus dem Bundesarchiv. Man geht auf den Nationalsozialismus und die Kolonien ein, den Kontakt Kameruns zur Bundesrepublik und der DDR. Dazu finden sich auch mit Dokumenten bestückte Vitrinen.

Die passende Atmosphäre zur Ausstellungseröffnung schuf das Lieder-Duo Stephan Höning und Joachim Seltmann. Titel ihrer Afrika-Zeitreise der deutschen Geschichte lauteten „Was ist des Deutschen Tochterland?“, „Heia Safari“ und natürlich, „Was treiben die Deutschen in Afrika?!“ Die gelungen kommentierten Lieder bildeten den Hintergrund zum Einführungsvortrag des Autors, Journalisten und Kamerun-Kenners, Christian Bommarius.

Ohne Manuskript lieferte er Fakten zu seinem Buch: „Der gute Deutsche. Die Ermordung Manga Bells in Kamerun 1914.“ Dies war eine wichtige Ergänzung zur Ausstellung, die allerdings enorme Aufmerksamkeit erforderte. Das geschilderte Schicksal des 1873 geborenen und zunächst deutsch-geprägten Königssohns der Duala, Rudolf Manga Bells, ging erkennbar den Anwesenden sehr nah. Der Kämpfer für die Rechte seines Volkes und gegen dessen Enteignung fiel einem Justizmord mit öffentlicher Hinrichtung zum Opfer. Dies war, wie Christian Bommarius anfügte, „eine abgrundtiefe, politische Dummheit“. Fake news, so Rehm, hatten ausgereicht, Manga Bells zum Hochverräter abzustempeln.

Die gemeinsame Ausstellung von Bundesarchiv und Goethe-Institut „Was treiben die Deutschen in Afrika?!“ ist bis zum 3. September 2017 während der regulären Öffnungszeiten der Erinnerungsstätte bei freiem Eintritt zu besichtigen.

Rainer Wollenschneider

 


Joachim Seltmann, Stephan Höning, Christian Bommarius und Petra Weidenhaus (v. l.) nach der Veranstaltung

Joachim Seltmann, Stephan Höning, Christian Bommarius und Petra Weidenhaus (v. l.) nach der Veranstaltung

Quelle:
Rainer Wollenschneider

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Die Ausstellung „Was treiben die Deutschen in Afrika?!″ präsentiert bildliche Zeugnisse von Begegnungen zwischen Kamerunern und Deutschen. In der Erinnerungsstätte sind ergänzend zu den Fotografien besondere Schriftstücke aus dem Bundesarchiv zu sehen, u.a der 1885 unterzeichnete „Schutzvertrag″ und das Motiv, das für die Flagge der deutschen Kolonie vorgeschlagen wurde. Dokumentiert wird zum Beispiel die Bitte der kamerunischen Befreiungsorganisation an die SED um Unterstützung ihrer Ziele oder auch die Gepäckliste von Bundespräsident Heinrich Lübke bei seinem Staatsbesuch 1966.

Christian Bommarius studierte Germanistik und Rechtswissenschaft. Von 1987 bis 1997 war er Korrespondent der dpa, u.a. beim Bundesverfassungsgericht. Danach leitete er zwei Jahre lang das Ressort Politik der Badischen Zeitung, bevor er 1999 zur Berliner Zeitung wechselte. Seit 2010 arbeitet er als Chefkommentator der DuMont Redaktionsgemeinschaft.

 

 


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