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Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte

Internet: http://www.bundesarchiv.de/erinnerungsstaette/aktuelles/05457/index.html

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Jahreshauptversammlung des Fördervereins Erinnerungsstätte

Am 1. Juni 2017 fand die Jahreshauptversammlung des Fördervereins Erinnerungsstätte statt. Im Anschluss referierte Fördervereinsmitglied Wolfgang Obermaier über den "Fall Friedrich Hecker und das Frankfurter Paulskirchenparlament"

Gisela Müller mit Wolfgang Obermaier vor Ausstellungstafeln zu Friedrich Hecker

Gisela Müller mit Wolfgang Obermaier vor Ausstellungstafeln zu Friedrich Hecker

Quelle:
Rainer Wollenschneider

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Ein klares Bekenntnis zum Standort Rastatt für die Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte gab es bei der Jahreshauptversammlung ihres Fördervereins am 1. Juni 2017. Die kommissarische Leiterin Gisela Müller kündigte bei einer stabilen Besucherzahl von rund 13 000 Besuchern eine punktuelle Überarbeitung der Präsentation zur Revolution von 1848/49 an. Zudem dürfte das Thema der diesjährigen Carl-Schurz-Vorlesung in der Aula des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums am 23. Juli auf großes Interesse stoßen.

Fördervereinsvorsitzender Gunter Kaufmann stellte zunächst Kassenwart Oliver Kolb als Nachfolger von Maik Pippig vor. Zudem habe man mit mehreren interessanten Veranstaltungen die Präsentation des Bundesarchivs in Rastatt begleiten können. Ein neues Highlight wird am 23. Juli der Vortrag der von vielen Fernseh-Talk-Shows bekannten Chefredakteurin der Zeitschrift „Internationale Politik“, Sylke Tempel, sein. „Wird der Westen kleiner? - Europa und USA und die Präsidentschaft Donald Trumps“, lautet das Thema.

Der Rastatter Förderverein konnte sich mit neuen Impulsen, so Gunter Kaufmann, in die Initiative um ein Denkmal für die emigrierten 1848er-Revolutionäre (die „Forty-Eighter“) in Berlin einbringen. Dazu hat Vorstandsmitglied Wolfgang Hochbruck einen wichtigen Vortrag in der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin gehalten. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stehe hinter dem Projekt.

Auf revolutionärer Fährte wird sich der Förderverein der Erinnerungsstätte am 7. und 8. Oktober 2017 bewegen, wenn die Teilnehmer auf den Spuren Friedrich Heckers den Schwarzwald und die Schweiz besuchen.

Die Mitgliederzahl des Fördervereins ist auf mittlerweile fast 250 angestiegen. Ihnen konnte Gisela Müller noch nichts Positives zur Nachfolgefrage in der Erinnerungsstätte berichten. „Die Wege der Nachbesetzung sind schwierig und verschlungen!“, sagte sie. Eine Bestätigung für den Stellenwert der Erinnerungsstätte sei auch, dass sich immer wieder Besucher aus ganz Deutschland und internationale Gäste, so Gisela Müller, von der Präsentation einen Eindruck verschaffen. Dazu wurden auch sechs Thementage und 16 Abend- und Tagesveranstaltungen angeboten. Gerade für die unterschiedlichen Schülergruppen werde eine demokratische Grundbildung geboten.


Friedrich Hecker

Friedrich Hecker

Quelle:
Bundesarchiv

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Die Jahreshauptversammlung des Fördervereins Erinnerungsstätte rundete der Vortrag des Hannoveraner Mitglieds Wolfgang Obermaier zu „Der Fall Friedrich Hecker und das Frankfurter Paulskirchenparlament“ ab. Der ehemalige Geschichts- Gymnasiallehrer hatte sich mit Rastatt den richtigen Ort ausgewählt. Der charismatische Revolutionär Friedrich Hecker hatte in der Stadt an der Murg seine Reifeprüfung abgelegt, nachdem ihm dieses in Mannheim verweigert worden war.

Der Referent ist seit Jahren damit beschäftigt, anhand von Originalquellen, vor allem Paulskirchen-Protokollen, das Geschehen um den badischen Revolutionär Hecker zu rekonstruieren. Obermaier bezeichnete es als eine Ehre, in der Erinnerungsstätte vor einem breiten Publikum sprechen zu dürfen. Hier sei seine „geistige Heimat“, was die Suche nach demokratischen Wurzeln der deutschen Geschichte betreffe. Auf Friedrich Hecker bezogen, würdigte Obermaier dessen „unbändige Freiheitsliebe“ für die Durchsetzung der Demokratie und Realisierung einer deutschen Republik. So sei später der Heckerhut (man vergleiche auch den badischen Heimatdichter und Kirchenkämpfer Heinrich Hansjakob) zum Symbol geworden. 1997 hatte der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel anlässlich der Revolutionsfeierlichkeiten zum 150-Jährigen zum Heckerhut gegriffen.

Den „Fall Friedrich Hecker“ breitete Wolfgang Obermaier minutiös auf. Da kam bei der Präsentation auch etwas Nostalgie auf, als in Zeiten des Beamers der Referent mit Folien auf dem Overhead-Projektor arbeite. Obermaier schilderte die Kontroverse zwischen Liberalen und Demokraten im  „Frankfurter Pauslkirchenparlament″ und „Die Visionen Heckers, in einer Zeit, die noch nicht reif war.“ Nach dem Heckeraufstand 1848 in Baden und dessen Scheitern sollte der Hecker-Mythos mit zahlreichen Verehrern folgen. 1848 herrschte nach Aussage des Referenten „eine heillose innere Zerrissenheit der Bevölkerung“ vor.

Anhand von wiedergegeben Zitaten aus dem „Fall Hecker“ wurde rekonstruiert: Darf eine Person, die seine Ideen zur Demokratisierung mit Gewalt durchsetzen wollte, wieder in das Parlament in Frankfurt zurückkehren? Für viele Parlamentarier war nach Aussage von Wolfgang Obermaier Hecker ein Hoch- und Landesverräter. Schließlich wurde Hecker sein erlangtes Mandat im Wahlkreis Tiengen entzogen. Dabei war die Entscheidung des Frankfurter Parlaments von der badischen Regierung angenommen worden.

Wolfgang Obermaier verstand es, den Zuhörern mit zitierten Stellen aus den Parlaments-Protokollen die Situation von 1848 nahe zu bringen und die Person des Friedrich Hecker authentisch aufleben zu lassen.

Rainer Wollenschneider


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