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Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte

Internet: http://www.bundesarchiv.de/erinnerungsstaette/dauerausstellung/geschichte/index.html

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Entstehungsgeschichte

Die Eröffnung der Erinnerungsstätte am 26. Juni 1974 war eine der letzten Amtshandlungen von Bundespräsident Gustav W. Heinemann.

Heinemann bei der Eröffnungsrede

Bundespräsident Gustav W. Heinemann bei der Eröffnung der Erinnerungsstätte Rastatt

Quelle:
Bundesarchiv, Bild 146-1974-177-03, Fotograf: o.Ang.

Wie es zur Erinnerungsstätte kam

Geprägt durch die eigene Familiengeschichte beschäftigte sich Gustav W. Heinemann intensiv mit der Revolution 1848 und ganz besonders mit den Vorgängen in Rastatt 1849.

Schon bald nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten formulierte er eines seiner wichtigsten Anliegen: Ein freiheitlich-demokratisches Deutschland müsse auch seine freiheitlich demokratischen Traditionen pflegen. Es sei Zeit, "unsere Geschichte bis in die Schulbücher hinein anders" zu schreiben. Heinemann forderte "in der Geschichte unseres Volkes nach jenen Kräften zu spüren und ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, die dafür gelebt und gekämpft haben, damit das deutsche Volk politisch mündig und moralisch verantwortlich sein Leben und seine Ordnung selbst gestalten kann." (Rede beim Bremer Schaffermahl am 13. Februar 1970)

In Rastatt, wo 1849 für die Freiheit gekämpft und gestorben worden war, fand Heinemann eine "geschichtsträchtige und zugleich symbolträchtige Stätte" dafür. Im Schloss, wo erst der Revolutionsrat und später das Standgericht getagt hatte, sollte eine "Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte" untergebracht werden. Die inhaltliche Ausgestaltung und die institutionelle Verantwortung wurde dem Bundesarchiv übertragen.

In seinem Gründungserlass formulierte das Bundesinnenministerium des Inneren: "Im Mittelpunkt der ständigen Ausstellung soll die Geschichte der deutschen Freiheitsbewegungen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stehen."


Prof. Dr. Weber, Regierungspräsidentin Hämmerle, Bundespräsident Rau, Prof. Dr. Michalka und Designer Hansen bei der Neueröffnung der Erinnerungsstätte 1999

Prof. Dr. Weber, Regierungspräsidentin Hämmerle, Bundespräsident Rau, Prof. Dr. Michalka und Designer Hansen bei der Neueröffnung der Erinnerungsstätte 1999

Quelle:
R. Wollenschneider

Weitere Entwicklung der Erinnerungsstätte

Die Tätigkeit der Erinnerungsstätte beschränkte sich aber nicht allein auf die Dauerausstellung. Von Anfang an wurden Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen gezeigt, Vortrags-, Diskussions- und Fortbildungsveranstaltungen wurden abgehalten. Dazu wurde eine Präsenzbibliothek mit Lesesaal eingerichtet.

1995 wurden erneut Vorbereitungen für eine Erneuerung und Erweiterung der Ausstellung getroffen. 1999 wurde die zum dritten Mal grundlegend überarbeitete und derzeit aktuelle Ausstellung feierlich eröffnet. Insbesondere wurde der europäische Charakter der Revolution von 1848/49 stärker betont und die Soziale Frage sowie die Emanzipationsbewegungen von Juden und Frauen stärker berücksichtigt. Die Freiheitsbewegungen im 20. Jahrhundert (im Obergeschoss) wurden vor allem anhand von der Biographien exemplarisch veranschaulicht, da nur sehr begrenzte Ausstellungsfläche zur Verfügung stand.

Seit 2004 wurde von dem Museumspädagogen der Erinnerungsstätte ein umfassendes und modernes museumsdidaktisches Programm entwickelt und umgesetzt, dass es erlaubt Schulklassen verschiedenen Alters und verschiedener Bildungsstufen adäquat zu betreuen. Seitdem wird die Erinnerungsstätte zunehmend von Schulklassen besucht und hat sich in der Region als außerschulischer Lernort einen Namen gemacht.

Insgesamt verzeichnete die Erinnerungsstätte in den letzten Jahren jährlich ca. 20.000 Besucherinnen und Besucher.


Prof. Dr. Weber, Oberbürgermeister Pütsch, Gerlinde Hämmerle, Dr. Pahl vor dem jetzigen Ausstellungsteil zur DDR

Prof. Dr. Weber, Oberbürgermeister Pütsch, Gerlinde Hämmerle, Dr. Pahl vor dem jetzigen Ausstellungsteil zur DDR

Quelle:
R. Wollenschneider

Neugestaltung der Dauerausstellung bis 2009

Bis November 2009 wurde die Dauerausstellung der Erinnerungsstätte überarbeitet. Neben der Revolution von 1848/49 ist ein zweiter inhaltlicher Schwerpunkt gesetzt worden. Dieser Schwerpunkt hat die Freiheitsbewegungen in der DDR, vor allem die Friedliche Revolution von 1989 und die Etablierung einer stabilen freiheitlich-demokratischen Staats- und Gesellschaftsordnung in Gesamtdeutschland zum Thema.

Gerade im Südwesten, wo die DDR räumlich und mental besonders weit weg war, veranschaulicht die Erinnerungsstätte dieses jüngste Kapitel der gesamtdeutschen Geschichte. Die Ausstellung zeigt, dass die mutigen Menschen in Leipzig, Berlin und Dresden sich nicht nur für sich und die Mitbürger der DDR eingesetzt, sondern für uns alle Leib und Leben riskiert haben - auch für die Schüler aus Rastatt, die Studenten aus Karlsruhe, die Arbeiter aus Offenburg und die Landfrauen aus der Ortenau. Mit diesem neuen Ausstellungsschwerpunkt besitzt die Erinnerungsstätte im Westen Deutschlands ein Alleinstellungsmerkmal. Das Projekt wurde von Kulturstaatsminister Bernd Neumann nachdrücklich unterstützt.


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