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Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte

Internet: http://www.bundesarchiv.de/erinnerungsstaette/foerderverein/stimmen/02404/index.html

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Regierungspräsidentin a. D. Gerlinde Hämmerle

Interview des Geschäftsführers, Dr. Clemens Rehm, mit Gerlinde Hämmerle, Vorsitzende des Fördervereins Erinnerungsstätte von 1995-2010, für den "Rastatter Freiheitsboten"

Gerlinde Hämmerle mit Bundespräsident Johannes Rau bei dessen Besuch 2002 in der Erinnerungsstätte

Gerlinde Hämmerle mit Bundespräsident Johannes Rau bei dessen Besuch 2002 in der Erinnerungsstätte

Quelle:
R. Wollenschneider

Ein Gespräch am Ende eines langen Weges weckt die Neugier nach dem Anfang. Warum haben Sie, damals noch voll im Berufsleben, als aktive Regierungspräsidentin, den Vorsitz in einem neu gegründeten Verein übernommen?

Hämmerle: Vor Jahren kamen meine beiden Freunde, Dr. Christof Müller-Wirth und, der leider inzwischen verstorbene, Hans Clauser zu mir, um mir von der verstaubten, veralteten und zum Teil sachlich unrichtigen Präsentation in der Erinnerungsstätte zu berichten. Wir kamen überein, einen Förderverein zu bilden, und da man zu so etwas bekannte Namen benötigt, erklärte ich mich bereit, den Vorsitz zu übernehmen. Ich habe keine Sekunde bereut.

Sie waren rund 15 Jahre Vorsitzende des Fördervereins. Was waren im Rückblick die eindrucksvollsten Momente und spannendsten Begegnungen.

Hämmerle: Da gibt es viele. Zum einen die großartigen Vorträge z. B. der Präsidentin des Bundesverfassungsgerichtes, Frau Prof. Limbach, oder von Dr. Joachim Gauck und anderen großen Namen. Spannende und menschlich sehr zufriedenstellende Begegnungen gab es auch mit den Freundinnen und Freunden aus dem Vorstand, mit den Mitarbeitern, mit den Geschichtsvermittlerinnen und Geschichtsvermittlern, mit Dr. Bultmann und seinem hervorragenden Buch, mit den Leitern der Einrichtung, Prof. Michalka und Dr. Pahl, mit dem Präsidenten des Bundesarchivs Prof. Weber und vor allem mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern meiner Führungen, die ich auch in Zukunft gern fortsetzen würde. Besonders eindrucksvoll waren die Veranstaltungen zu "150 Jahre badische Revolution". Und mich beeindruckt auch sehr die Umstellung auf zwei Schwerpunkte: Die leider blutige und vergebliche badische Revolution von 1848/49 und die unblutige Revolution von 1989, die das DDR-System beseitigt hat.

Bei einem Rückblick zieht man unwillkürlich Bilanz. Ein Gang durch die Erinnerungsstätte heute zeigt, dass inzwischen moderne Präsentationsformen in der Ausstellung Einzug gehalten haben. Was sind für Sie die größten Veränderungen in diesem Zeitraum? Was war davon der Beitrag des Vereins - oder anders gefragt: Was hat der Verein von seinen Zielen erreicht?  

Hämmerle: Revolutionäre Ereignisse werden meist von Gewalt und Blut begleitet, das ist leider so. Aber schweigsam, ruhig und museal sind sie eher nicht. Wir haben Leben in die neue Präsentation gebracht durch den Einbau von Revolutionsliedern und eine wenigstens zum Teil kindgerechte Darstellung der Ereignisse. Auch konnten wir manches Mal der Erinnerungsstätte finanziell unter die Arme greifen.

Überall ist seit Jahren das Wort "sparen" zu hören; auch die Erinnerungsstätte ist davon nicht verschont geblieben. Was sind Ihrer Meinung nach für den Verein die zentralen Aufgaben für die nächsten Jahre?

Hämmerle: Als erstes und wichtigstes der Erhalt der Erinnerungsstätte in Rastatt, das Wecken von Begeisterung für diese vorbildliche Einrichtung und hin und wieder der Erwerb eines Exponats. Die schwierigsten Momente für den Verein waren immer die finanziellen Nöte und die Tatsache, dass wir feststellen mussten, dass sich die wenigsten der politischen Repräsentanten unserer Region nachdrücklich für die Erinnerungsstätte interessieren und einsetzen. Eine sehr rühmliche Ausnahme bildet, was das Interesse angeht, die Stadt Rastatt.

 


Freiheit zum Mitsingen: Gerlinde Hämmerle (mit Gitarre) bietet in der Erinnerungsstätte musikalischen Nachhilfeunterricht in Demokratiegeschichte.

Freiheit zum Mitsingen: Gerlinde Hämmerle (mit Gitarre) bietet in der Erinnerungsstätte musikalischen Nachhilfeunterricht in Demokratiegeschichte.

Quelle:
Förderverein

Sie gehen, das haben Sie mehrfach betont, mit Wehmut. Viele erinnern sich mit Begeisterung an Ihre unvergesslichen Führungen in der Erinnerungsstätte. Keiner konnte sich entziehen, wenn Sie selbst mit der Gitarre den Ton für Freiheitslieder angaben. Welche Botschaft von 1848/49 war Ihnen persönlich wichtig?

Hämmerle: Freiheit ist vergänglich und man darf sich nicht zurücklehnen und glauben, wenn man sie hat, dann hat man sie auf ewig. Freiheit muss verteidigt werden und immer wieder neu erworben. Ich möchte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an meinen Führungen dazu bringen, wachsam zu sein und genau zu beobachten, ob die Bürgerrechte untergraben werden. "Die Rechte des Volkes" sind schließlich 1847 im "Salmen" in Offenburg formuliert worden. In Offenburg in Baden! Sie haben Eingang gefunden in die Verfassung der Paulskirche, in die Weimarer Verfassung und schließlich in das Grundgesetz. Darauf sollten wir stolz sein.

Wenn Sie sich zurückziehen, wissen wir, dass Sie die Erinnerungsstätte mit wohlwollendem Blick begleiten. Was wünschen Sie der Erinnerungsstätte für die nächsten Jahre am meisten?

Hämmerle: Fortbestand, Ausbau der wissenschaftlichen Arbeit und Bürgernähe.

Clemens Rehm: Wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen nach all den Jahren intensiven Engagements vor allem Gesundheit und Muße.

 

 


 

 

 


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Wofür ein Förderverein?

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Ansprechpartner

Dr. Clemens Rehm
Dr. Clemens Rehm
Geschäftsführer
Dresdener Straße 47
76316 Malsch

E-Mail: clemens.rehm@web.de

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