Das Bundesarchiv

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Akten der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD)

Gemeinschaftsprogramm zum Studium, zur Auswertung und zur Reproduktion der Akten der SMAD

Das sowjetische Hauptquartier in Berlin-Karlshorst, in dem die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte unterzeichnet wurde, 1945.

Das sowjetische Hauptquartier in Berlin-Karlshorst, in dem die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte unterzeichnet wurde, 1945.

Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-E0406-0022-029 / Fotograf: unbekannt

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Die SMAD-Akten, deren Hauptmasse im Umfang von rund 10.000 Aktenbänden im Staatsarchiv der Russischen Föderation (GARF) in Moskau verwahrt wird, waren bis in die 90er Jahre hinein gesperrt. Weitere bedeutende Überlieferungsteile liegen in den Archiven des russische Außenministeriums, des Verteidigungsministeriums und des heutigen Staatsarchivs für sozialpolitische Geschichte, dem früheren zentralen Parteiarchiv. Ein Erlass des russischen Präsidenten Jelzin vom Oktober 1995 ermöglichte dem Bundesarchiv (zugleich im Namen der Archivverwaltungen Berlins, Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns, Sachsens, Sachsen-Anhalts sowie Thüringens) und dem Föderalen Archivdienst Russlands (ROSARCHIV) ein "Arbeitsprotokoll zur Durchführung eines deutsch-russischen Gemeinschaftsprogramms zum Studium, zur Auswertung und zur Reproduktion der Akten der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (1945-1949)" zu unterzeichnen.


Nachdem zu Beginn des Jahres 2000 die Akten deklassifiziert worden waren, konnte mit der gemeinsamen Bearbeitung und Erforschung einzelner thematischer Schwerpunkte begonnen werden. Das Bundesarchiv und ROSARCHIV kamen zunächst überein, das Gemeinschaftsprogramm mit dem Thema "Kulturpolitik der SMAD" zu beginnen, weil hierzu im Staatsarchiv der Russischen Föderation (GARF) inzwischen der größte Teil der Akten der SMAD und der SMA der Länder offengelegt waren. Das Programm für die Bearbeitung dieses Themas sah die Schaffung eines elektronischen Kataloges der SMAD-Akten, die Veröffentlichung von Dokumentenpublikationen sowie die Herstellung von Mikrofilmen vor, wobei diese Arbeiten nach Möglichkeit parallel erfolgen sollten. Auf russischen Wunsch kam die Digitalisierung der in das Projekt einbezogenen SMAD-Akten und die Erstellung eines elektronischen Katalogs der zu verzeichnenden und zu verfilmenden SMAD-Dokumente hinzu. Mit der Kombination der elektronischen Kataloge auf Band- und Dokumentenebene und ihrer Verbindung mit den digitalisierten Dokumenten zielt das SMAD-Projekt auf die Schaffung eines "elektronischen Archivs". Zum Abschluss der Beratungen kamen die Seiten überein, zunächst in einem Pilotprojekt von deutschen und russischen Archivaren und Historikern Verfahrensmethodik und -abläufe zu testen. An dem Projekt, das in der Zeit vom November 2000 bis zum Februar 2001 durchgeführt wurde, beteiligten sich das Bundesarchiv, das Sächsische Staatsarchiv Chemnitz, ROSARCHIV, GARF, das Institut für Zeitgeschichte und das Institut für Allgemeine Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften.


Auf der Grundlage der positiven Ergebnisse des Pilotprojekts wurde zum 1. März 2001 der nahtlose Übergang zur dauerhaften Fortsetzung des Erschließungs-, Verfilmungs- und Digitalisierungsprojektes vollzogen.Seitdem werden kontinuierlich, in durch jährliche Arbeitspläne festgelegten Umfängen, die Erschließungsdaten in der Datenbank ebenso wie die verfilmten und digitalisierten Dokumentenmengen erhöht. In der Gemeinsamen Kommission zur Erforschung der neueren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen, ohne deren Haushaltsmittel das Programm nicht hätte begonnen werden können, wies die russische Seite ausdrücklich darauf hin, dass das Projekt "Kulturpolitik" nur ein erster Schritt für eine Reihe von Projekten sei.


Die Bearbeitung weiterer Themen wurde durch umfangreiche Herabstufungen von SMAD-Akten im GARF bedeutend erweitert.


Eine Bilanz der bisherigen Arbeiten zum Ende des Jahres 2010 zeigt gute Fortschritte. Der elektronische Katalog der SMAD-Akten im Umfang von ca. 9 800 Eintragungen wurde fertiggestellt und liegt als zweibändige, von Rosarchiv, GARF und Bundesarchiv herausgegebene und von Tatiana Tsarevskaja-Diakina sowie Kai von Jena bearbeitete Publikation gedruckt vor:

  • Fondy Sovetskoj voennoj administracii v Germanii v Gosudarstvennym archive Rossijskoj Federacii. Moskau 2004. B dvuch 2-ch častjach:
    • Čast´ 1. Katalog del fonda Sovetskoj voennoj administracii v Germanii (R-7317). 1945-1953 gg.
    • Čast´ 2. Katalog del fondov upravlenij Sovetskoj voennoj administracii v provincijach i federal´nych zemljach, drugich sovetskich organizacij v Germanii i Kontrol´nogo soveta Sojuznoj kontrol´noj vlasti. 1945-1950 gg.

Mit der Herausgabe dieses Findmittels steht der Forschung zum ersten Mal ein Verzeichnis zur Verfügung, das rund 95% aller SMAD-Akten im GARF auflistet.


Der elektronische Katalog der SMAD-Akten auf Dokumentenebene umfasst inzwischen nahezu 280.000 Eintragungen. Damit ist es möglich, einen umfassenden Überblick über die im GARF vorhandene Überlieferung zu gewinnen. Diese elektronischen Hilfsmittel können sowohl in Moskau als auch in Berlin-Lichterfelde genutzt werden.


Im Verlauf des Projektes wurden außerdem mehr als 1,2 Millionen Mikrofilmaufnahmen hergestellt. Nahezu die gleiche Anzahl von Digitalisaten wurden in das "elektronische Archiv" integriert. Alle diese Arbeitsergebnisse stehen Benutzern des Bundesarchivs in Berlin-Lichterfelde zur Verfügung.


Kontakt:

Frau Kerstin Weller
Tel.: 03018/7770-523
E-Mail: k.weller@bundesarchiv.de


Weitere Informationen:

SMAD-Findbücher(pdf, ~77.51KB)
(Stand: Oktober 2010)