Das Bundesarchiv

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Euthanasie im Dritten Reich

Der Bestand Kanzlei des Führers, Hauptamt II b (Bestandsignatur: R 179)

Zwischen 1939 und 1945 wurden ca. 200 000 Frauen, Männer und Kinder aus psychiatrischen Einrichtungen des Deutschen Reichs im mehreren verdeckten Aktionen durch Vergasung, Medikamente oder unzureichende Ernährung ermordet. Eine geheime, durch Mitarbeiter der Kanzlei des Führers und des Reichsministeriums des Innern in Berlin, Tiergartenstraße 4, errichtete Organisation (“T 4”) entschied von Ende 1939 bis August 1941 nach Einsichtnahme in die nach Berlin übersandten Patientenakten über Leben und Tod der Behinderten. Ca. 70 000 Menschen wurden in sechs zentralen Einrichtungen bis zum Abschluß dieser ersten Tötungswelle am 24. August 1941 vergast. In den Folgejahren entschieden die Ärzte überwiegend in den einzelnen psychiatrischen Einrichtungen selbst über Leben und Tod.

In der Abteilung Deutsches Reich werden die 1990 im ehemaligen “NS-Archiv” des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR entdeckten 30 000 Patientenakten der ersten Phase der sogenannten “Euthanasie” verwahrt (die übrigen 40 000 Akten müssen als vernichtet gelten). Diese Patientenakten unterstehen gemäß den Bestimmungen des Bundesarchivgesetzes besonderen Benutzungsbedingungen. Sie können für wissen-schaftliche Forschungsvorhaben sowie von den nächsten Angehörigen zur Wahrnehmung berechtigter Belange eingesehen werden. Das Sterbedatum der Personen ist in den Patientenakten nicht vermerkt; dafür sind die heutigen Gedenkstätten der sechs Vergasungsanstalten mit ihren Totenlisten Ansprechpartner.

Das Bundesarchiv stellt eine Übersicht über archivalische Quellen zur Geschichte der "Euthanasie" von 1939-1945 in Archiven und anderen Institutionen in Deutschland,  Österreich, Polen und Tschechien im Internet zur Verfügung.

Der Arbeitskreis zur Erforschung der nationalsozialistischen “Euthanasie” und Zwangssterilisation, eine Interessengemeinschaft von Medizinern, Historikern und Betroffenen, stellt auf seinen Tagungen zweimal jährlich neue Forschungsergebnisse vor.