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Akten des KoKo-Betriebs Kunst und Antiquitäten GmbH für die Provenienzforschung erschlossen

Wichtiger Bestand für die Erforschung der Kulturgutverluste in der DDR ist online recherchierbar.

Unterlagen aus der KuA

Unterlagen aus der KuA

Quelle: BArch DL 210

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Mit der Kunst und Antiquitäten GmbH (KuA) verfügte die DDR seit 1973 über einen zentralen Außenhandelsbetrieb für den Export von Gebrauchtwaren und Antiquitäten ins westliche Ausland. Sie exportierte im großen Stil gebrauchte Möbel, antiken Hausrat, Nippes und Antiquitäten über Großabnehmer vor allem in der Bundesrepublik, Belgien und den Niederlanden an Antiquitätenhändler und Trödler in aller Welt. Die KuA war Teil von Alexander Schalck-Golodkowskis Firmenimperium Kommerzielle Koordinierung (KoKo). Ihre Hauptaufgabe bestand deshalb darin, durch schnellen Warenumsatz möglichst hohe Valutagewinne für die DDR zu erwirtschaften.


Zeitwertfeststellung von Gegenständen, die in einem Steuerverfahren eingezogen wurden

Zeitwertfeststellung von Gegenständen, die in einem Steuerverfahren eingezogen wurden

Quelle: BArch DL 210/3148

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Dem stand ein bald erkennbarer Mangel an hochwertigen Waren gegenüber. Die KuA versuchte diesem Problem durch ein Wechselspiel von Anreizen und Druckmitteln abzuhelfen. So bot sie im Tausch für besonders wertvolle Antiquitäten Westautos oder andere Konsumgüter an. Doch sie beteiligte sich auch an anrüchigen, wenn nicht kriminellen Geschäften: Gemeinsam mit den Steuerbehörden brachte sie Antiquitätenhändler und -sammler durch fingierte Steuerverfahren um ihre Sammlungen und verkaufte sie ebenso in den Westen wie Wertsachen, die von Stasi und Zoll bei Paket- und Grenzkontrollen eingezogen worden waren. Vorgeworfen wurde der KuA während der "Wende" aber vor allem der von ihr maßgeblich betriebene Ausverkauf des kulturellen Erbes der DDR ohne Rücksicht auf die Regeln des Kulturgutschutzes. Grund genug für einen Exportstopp im Herbst 1989 und die bald folgende Abwicklung des Unternehmens.

Parallel zum Gebrauchtwarenexport dehnte die KuA ihr Sortiment im Lauf der Jahre stetig aus: über Altmaterialien wie Pflastersteine oder Bahnschwellen auf Produkte aller Art, wie Biertische, Torf oder Schnittblumen. Im Gegenzug importierte sie für ihre DDR-Zulieferer vor allem Bürogeräte und Spezialmaschinen aus dem Westen.


Typische Warenliste aus einem Exportvertrag der KuA

Typische Warenliste aus einem Exportvertrag der KuA

Quelle: BArch DL 210/2973

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Die KuA hinterließ rund 74 lfm. an Dokumenten, die seit Frühjahr 2017 in 1929 Verzeichnungseinheiten im Bundesarchivbestand Betriebe des Bereichs Kommerzielle Koordinierung (DL 210) erschlossen vorliegen. Dabei handelt es sich vor allem um Kaufverträge und Lieferpapiere mit umfangreichen Listen, aber auch Ankaufbelege und Listen eingezogener Kunstgegenstände. Schriftwechsel, Protokolle von Verkaufsreisen und Bewirtungsbelege geben darüber hinaus lebendige Einblicke in den Geschäftsalltag der KuA und die praktischen Abläufe innerhalb der Geldbeschaffungsmaschinerie der KoKo.

Vor allem das Exportmonopol der KuA für Antiquitäten aus der DDR macht ihre Akten zur zentralen Quelle für die Aufarbeitung der damit verbundenen Machenschaften und für die Suche nach unrechtmäßig entzogenem Kulturgut. Bei der archivischen Erschließung des Bestandes war es dem Bundesarchiv deshalb wichtig, diese Suche nach Möglichkeit zu unterstützen. Über die Rechercheanwendung des Bundesarchivs  Invenio  lassen sich deshalb auch von der KuA exportierte Kunstwerke recherchieren, wenn ihr Wert und die Beschreibung in den Lieferlisten hoffen lassen, dass entzogene Gegenstände wiedererkannt werden könnten.