Gedenkbuch

Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945

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Einführung in die Neubearbeitung

Hinweis: Die nachfolgend wiedergegebene Einleitung der 2. Auflage des Gedenkbuchs von 2006 basiert auf dem seinerzeitigen Kenntnisstand über das Ausmaß der nationalsozialistischen Verfolgung. Durch die seit 2006 erfolgten Forschungen ist inzwischen von einer deutlich höheren Zahl von Opfern der Verfolgung der Juden in Deutschland auszugehen (siehe Startseite). Auch hinsichtlich der Ermordung tatsächlich oder vermeintlich behinderter Menschen durch das NS-Regime in der Aktion 'Aktion T 4' zeigen neuere Forschungsergebnisse, dass über 200.000 Personen Opfer dieser systematischen Ermordung wurden.

Einleitung

Als 1986 das Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ [1] erschien, wurde damit mehr als 128 000 jüdischen Bürgern aus dem Territorium der damaligen Bundesrepublik Deutschland und ganz Berlins zum überwiegenden Teil erstmals öffentlich gedacht. Das nun in zweiter Auflage vorliegende Gedenkbuch enthält die Namen von etwa 149 600 jüdischen Bürgern, die aus „rassischen“ Gründen durch Gewaltmaßnahmen des nationalsozialistischen Deutschland im Zeitraum von 1933 bis 1945 ihr Leben lassen mussten.

Der Schwerpunkt der Opferliste liegt auf der Zeit nach Beginn der Deportationen im Oktober 1941. Neben den Namen deportierter Opfer umfasst sie auch, sofern bekannt, die Namen derjenigen, die nach Polen oder Frankreich abgeschoben wurden, den Freitod einer Deportation vorzogen oder in europäische Nachbarländer emigriert waren und dort den Nationalsozialisten beim Einmarsch vor allem in den Niederlanden, Belgien und Frankreich wieder in die Hände fielen.

Zum einen wurden viele deutsche Juden in so genannte Durchgangsghettos verbracht, in Orte wie Westerbork (Niederlande), Mechelen (Belgien) oder Drancy (Frankreich) und von dort aus in die Vernichtungslager im Osten deportiert. Zum anderen brachte man Gruppen von Juden und Einzelpersonen aus Luxemburg, Finnland, Norwegen, Frankreich und Italien nach Berlin, um sie von hier aus ebenfalls „nach Osten“ zu deportieren.

Auch Juden aus den Städten und Gemeinden Ost- und Mitteldeutschlands wurden einzeln und gruppenweise in die Reichshauptstadt verschleppt, um sie hier u. a. den großen Deportationstransporten anzuschließen. Aus diesem Grunde sind auf den Berliner Transportlisten sehr viele Nichtberliner zu finden.

In Erweiterung der ersten Auflage des Gedenkbuches wurden etwa 21 600 Namen ergänzt. Die Erstauflage von 1986 konnte nur die Personen aus dem Gebiet der alten Bundesrepublik Deutschland und ganz Berlins enthalten, da eine Zusammenarbeit mit der DDR nicht zustande kam. Die zweite Auflage umfasst nunmehr - von einigen der Überlieferungslage geschuldeten Abweichungen abgesehen - das Gebiet des Deutschen Reiches mit dem Gebietsstand vom 31. Dezember 1937.