Gedenkbuch

Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945

Gedenkbuch

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Der Präsident des Bundesarchivs

Mit der Hinterlegung des „Gedenkbuchs - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland“ in der „Stadt der Namen“ - Yad Vashem in Jerusalem -, ging die Bundesregierung 1986 die Verpflichtung ein, Fehler und Mängel dieses Buches in einer zweiten Auflage zu verringern. Das Bundesarchiv hat sich seitdem nach Kräften bemüht, dieses Versprechen zu erfüllen, und konnte sich dabei in vielen Fällen auf Angaben der Angehörigen der Opfer des Holocaust stützen. Dafür gilt es, an erster Stelle herzlich zu danken.

Nunmehr konnte auch die jüdische Bevölkerung auf dem Gebiet der fünf neuen Bundesländer und der ehemaligen Ostgebiete berücksichtigt werden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus beiden Teilen des seit 1990 vereinten Landes haben daran mitgewirkt. Ihnen gilt ebenfalls mein aufrichtiger Dank. Frau Undine Völschow und Frau Dr. Diana Schulle nenne ich namentlich.

Seit dem Erscheinen der ersten Auflage sind fast zwanzig Jahre vergangen, in denen das Interesse an der Geschichte des Nationalsozialismus und damit an der Verfolgung der jüdischen Mitbürger auch auf regionaler und lokaler Ebene nicht nachließ. Eine beeindruckende Fülle vielfältiger Veröffentlichungen belegt dies. Auch die Archive in der Bundesrepublik Deutschland, in Europa und Übersee haben weitere Bestände zur jüdischen Geschichte während der nationalsozialistischen Diktatur für Forschungszwecke erschlossen.

Mit der Datenbank zu den „Ergänzungskarten für Angaben über Abstammung und Vorbildung aus der Volkszählung vom 17. Mai 1939“ schuf das Bundesarchiv unter der Verantwortung von Elisabeth Brachmann-Teubner eine fundierte Quellenbasis, die nicht nur dieser zweiten Auflage des Gedenkbuchs zugute kam, sondern auch von den Benutzern des Bundesarchivs intensiv genutzt wird. Die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und das United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. erhielten die Daten aus der Volkszählungsdatenbank in vollem Umfang. Mehr als 300 Quellen wurden für die Bearbeitung der zweiten Auflage des Gedenkbuches ganz oder teilweise - auch über das Internet - ausgewertet. Die große Bereitwilligkeit zahlloser Partner, die ihre Forschungsergebnisse und Kenntnisse bereitwillig zur Verfügung stellten, ist zugleich das Spiegelbild einer engagierten Gesellschaft, die sich der Ehrung der Opfer, der Geschichte Ihrer Familien und dem Nichtvergessen der begangenen Verbrechen verpflichtet fühlt. Das Bundesarchiv dankt vielen für ihre Hilfsbereitschaft, ohne die dieses Gedenkbuch nicht hätte erscheinen können.

Ob mit wachsender zeitlicher Distanz auch die emotionale Teilnahme am Geschehen jener Jahre und das Mitleiden für die entrechteten und ermordeten Menschen abnehmen wird, weiß heute niemand. Für die öffentliche Erinnerungskultur birgt diese zunehmende zeitliche Entfernung Gefahren. Der Kreis der Überlebenden verringert sich stetig. Der Zeitpunkt, an dem niemand mehr aus eigener Anschauung, aus eigenem Erleben von Entrechtung und Demütigung, Ausgrenzung und Verfolgung, Erniedrigung und Vernichtung, Ermordung und Auslöschung berichten kann, rückt unaufhaltsam näher. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass die Neuauflage des Gedenkbuches jetzt erscheint.

Die Einsicht, dass auch mit dem Erscheinen der zweiten Auflage des Gedenkbuches Fehler und Lücken bleiben werden, darf das Bundesarchiv auch öffentlich formulieren. Es erneuert seine Bitte, auch in Zukunft Korrekturen und Ergänzungen mitzuteilen. Mit der Erstellung der Liste der jüdischen Einwohner des Deutschen Reiches von 1933 bis 1945 setzt das Bundesarchiv gemeinsam mit der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ sein Engagement bei der Sicherung des Gedenkens an das Schicksal der jüdischen Bevölkerung in Deutschland fort.

Wir haben eine moralische Verpflichtung, die Erinnerung an alle jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wachzuhalten und an künftige Generationen weiterzugeben.

Unterschrift des Präsidenten des Bundesarchivs Hartmut Weber

Hartmut Weber