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Die Entstehung der Musterkolonie Kiautschou

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Karte von Tsingtao

Quelle: BArch N 253/41

Die Kiautschou-Bucht befindet sich an der Südküste der chinesichen Provinz Shantung. Kiautschou mit seiner Hauptstadt Tsingtao ("die grüne Insel") erstreckt sich über eine Fläche von ca. 551 Quatrat-Kilometer.

Weitere Dokumente der Galerie

  • Bericht von Tirpitz vom 5.9.1896, Seite 25, BArch N 253/45 (fol. 25)
  • Bericht von Tirpitz vom 5.9.1896, Seite 30, BArch N 253/45 (fol. 30)
  • Proklamation Otto von Diederichs, BArch N 255/24
  • Einweihung des Diederichssteines, BArch N 255/46
  • Denkschrift, BArch N 253/41
  • Postkarte des Gouverneurs von Kiautschou und seiner Familie, BArch N 224/90
  • Amtlicher Anzeiger, BArch N 255/32
  • Seidenspinnerei, BArch N 224/90
  • Lehrlinge, BArch N 224/62
  • Postkarte Abschied, BArch N 224/24
  • Tsingtao-Lied, BArch N 224/25
  • Spielplan, BArch N 224/90

Hintergrundinformationen

Überlegungen zur Einrichtung eines deutschen Stützpunktes in Ostasien wurden bereits lange vor der Besetzung Kiautschous durch deutsche Truppen am 14. November 1897 angestellt. So bereiste der Geologe Ferdinand Freiherr von Richthofen in den Jahren 1868 bis 1871 China und wies auf die mögliche künftige Rolle Kiautschous (Jiaozhous) als Flottenstützpunkt hin. Mit dem Vertrag vom 06. März 1898 wurde die deutsche Expansion schließlich auf eine formale völkerrechtliche Basis gestellt. Die Quing-Dynastie verpachtete dem Deutschen Reich die Kiautschou-Bucht auf 99 Jahre und sprach ihm die volle Oberhoheit über das "Pachtgebiet" zu. Durch "Kaiserliche Ordre" vom 27. April 1898 wurde Kiautschou unter kaiserlichen Schutz gestellt und glich damit in rechtlicher Hinsicht den anderen Kolonien des Deutschen Reiches. Jedoch unterstand Kiautschou nicht, wie die anderen deutschen Kolonien, der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes, sondern wurde auf Drängen von Admiral von Tirpitz am 27. Januar 1898 dem Reichsmarineamt unterstellt. Der "Hafenkolonie" stand ein Gouverneur vor, dem die  zivile und militärische Verwaltung oblag. Kiautschou mit seiner Hauptstadt Tsingtao (Qingdao) sollte durch technischen Fortschritt und großzügigen Ausbau zur "Musterkolonie" des Deutschen Reiches werden. Dazu gehörten neben dem Aufbau einer Kolonialverwaltung v.a. die Schaffung einer modernen Infrastruktur mit der Anlage von Straßen, dem Aufbau eines Frischwasserversorgungssystems und einer funktionierenden Kanalisation. Insgesamt blieb Kiautschou jedoch eine Zuschusskolonie. Die Einwohnerzahl des Flottenstützpunktes stieg von ca. 70.000 im Jahre 1898 auf ca.190.000 im Jahre 1914. Am 5. September 1914 landeten die Japaner nach einem unbeantworteten Ultimatum zur bedingungslosen Übergabe Tsingtaos vor der Hauptstadt und belagerten diese. Am 07. November 1914 kapitulierte Tsingtao. Die Verwaltung des "Pachtgebietes" wurde nun von einem japanischen Militärgouverneur wahrgenommen. Im Versailler Vertrag musste Deutschland schließlich alle Rechte an der Kolonie entschädigungslos an Japan abtreten. Dieses gab Kiautschou 1922 an China zurück.

                                                Stephanie Jozwiak