Das Bundesarchiv

Direkt zur Navigation Direkt zur Unternavigation Direkt zum Artikel

Navigation

Unternavigation

Pferde im Einsatz bei Wehrmacht und Waffen-SS

Neues Fenster: Großansicht des Bildes

Merkblatt über Pferdepflege 1943 (Seite 1)

Quelle: BArch RH 12-24/7

Traditionell nahm das Pferd in der deutschen Kavallerie einen zentralen Platz auch hinsichtlich Pflege und Betreuung ein. Ein enges Verhältnis zwischen Reiter und Pferd wurde nicht nur erwartet, sondern geradezu vorausgesetzt. So spricht die Reitvorschrift (H.Dv. 12) in ihrer Ausgabe vom 18. Dezember 1934 über die Reitausbildung: "Dauernden Erfolg wird sie nur haben, wenn alle Vorgesetzten und Untergebenen von der Freude am Reiten und der Liebe zum Pferd beseelt sind."

Das hier gezeigte Merkblatt ist darüberhinaus ein Beispiel für den Versuch, die mit Pferdehaltung und -betreuung betrauten Soldaten mittels Ansprache auf einer direkten emotionalen Ebene zu einem verantwortungsbewußten Umgang mit ihrem Pferd anzuhalten. Es weist zusätzlich dem Pferd seine Bedeutung auf derselben Ebene wie Waffe und Motor zu. … [weiterlesen]

Weitere Dokumente der Galerie

  • Äußere Körperteile des Pferdes, BArch RHD 4/11/2
  • Merkblatt über Pferdepflege 1943 (Seite 2) , BArch RH 12-24/7
  • Pferdeputzmaschinen 30.11.1926 (Seite 1), BArch RH 12-3/28
  • Pferdeputzmaschinen 30.11.1926 (Seite 2), BArch RH 12-3/28
  • Offizierpferde;
  • Vielseitigkeitsprüfung der alten Remonten 1932, 4. (Preuss.) Reiter- Regiment 7.5.1932, BArch RH 29-1/64
  • Sitz und Haltung des Reiters;
  • Sitz und Haltung des Reiters;
  • Waffenübungen zu Pferde;
  • Pferde-Einberufung für den Stadtbezirk XXXIII in München 1937, BArch RH 37/200
  • Beiblatt zur Pferde-Einberufung für Gemeinden 1937, BArch RH 37/200
  • Pferderassen: Ostpreuße; Vorschrift
  • Pferderassen: Hannoveraner; Vorschrift
  • Verpflegungsschein für Pferde 4.9.1938, BArch RH 37/501
  • Einberufungs-Befreiung für Vollblutpferde 1.9.1939, BArch RH 12-3/32
  • Reiter-Schwadron der Aufklärungs-Abteilung 157: Rast auf dem Vormarsch in Kapušany, östliche Slowakei 1939, BArch MSg 1/3465
  • Reiter-Schwadron der Aufklärungs-Abteilung 157 auf dem Marsch bei Havaj, nördliche Slowakei 1939, BArch MSg 1/3465
  • Reiter-Schwadron der Aufklärungs-Abteilung 157: Marschpause vor Rudki, nördliches Polen 1939, BArch MSg 1/3465
  • SS-Totenkopf Kavallerieregiment 1: Ergänzungs-Einheiten 8.12.1940, BArch RS 4/286
  • SS-Totenkopf Kavallerieregiment 1: Anhaltspunkte für Ausbildungszweige 1940/41, BArch RS 4/286
  • Panje-Kolonne, BArch ZA 1/2020, Bild 2 (Seite 62)
  • Motorisierte Infanterie im Mittelabschnitt der Ostfront Januar 1942, durch Panje-Pferde improvisiert beweglich gemacht, BArch ZA 1/2020, Bild 2
  • Leichte Pak auf Kufen behelfsmäßig winterbeweglich gemacht, BArch ZA 1/2020, Bild 2
  • Veterinärische Versorgung Januar 1943 (Seite 1), BArch RH 12-24/5
  • Veterinärische Versorgung Januar 1943 (Seite 2), BArch RH 12-24/5
  • Aufstellung der 1. Kosaken-Division in Mielau Sept. bis Okt. 1943, Lagerleben, BArch MSg 1/3463
  • Aufstellung der 1. Kosaken-Division in Mielau Sept. bis Okt. 1943, Lagerleben, BArch MSg 1/3463
  • Marsch des Terekkosaken-Reiter-Regiments 6 aus dem Raum Sunja- Kostajnica in den Raum Slowenisch-Pozega Frühjahr 1944, BArch MSg 1/3463
  • Terekkosaken-Reiter-Regiment 6 auf dem Marsch in der Drauebene, März 1945, BArch MSg 1/3463

Hintergrundinformationen

Benennung der äußeren Körperteile des Pferdes; Vorschrift "Das Truppenpferd" von 1938 (RHD 4/11/2, S.18)

Das landläufige Bild von der Wehrmacht als einer vollmotorisierten Armee und Inbegriff der technischen Möglichkeiten ihrer Zeit ist eine Legende, die zum guten Teil auf bewußter seinerzeitiger Propaganda beruht. Tatsächlich war die Wehrmacht in ihrer Masse bespannt und beritten, das Pferd war eines ihrer Haupt-Fortbewegungsmittel.Der Pferdebestand der Reichswehr lag 1933 bei etwa 42.000 Pferden und stieg in der Wehrmacht der Vorkriegszeit auf etwa 170.000. Am Tag des Kriegsbeginnes am 1. September 1939 lag der Pferdebestand infolge zusätzlicher Einziehungen bei 573.000 Pferden. Zwei Jahre später wurden für den Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 750.000 Pferde bereitgestellt. Insgesamt wurden auf deutscher Seite im Zweiten Weltkrieg 2.800.000 Pferde eingesetzt und es gab nach Ende des Krieges tatsächlich Pferde, die den gesamten Krieg über als Truppenpferd "gedient" hatten.

Die Verluste waren indes hoch. Einer Aufstellung des Generalstabes des Heeres zu den Pferdeverlusten im Feldheer (einschl. der Luftwaffen-Feldeinheiten) für den Zeitraum vom 22. Juni 1941 bis zum 31. Dezember 1944 zufolge, lag der Monatsdurchschnitt an Totalausfällen bei Pferden in der Regel bei etwa 30.000, davon über 90% beim Ostheer. Insgesamt beliefen sich die Totalverluste an Pferden seit dem 22. Juni 1941 auf 1.558.508. Im Dezember 1944 lag die Totalausfallsrate bei 26.134 Pferden, wovon 10.058 durch Feindeinwirkung starben und knapp 2500 an Erschöpfung - bei einem Gesamtbestand in diesem Monat von etwa 930.000 Pferden. Zusätzlich befanden sich 40-80.000 Pferde pro Monat im Krankenstand.

Pferde wurden in drei Bereichen eingesetzt: Zum einen in der Kavallerie von Heer und Waffen-SS als Fortbewegungsmittel des kämpfenden Soldaten. Zum andern auch bei den anderen Waffengattungen als Fortbewegungsmittel des Führungspersonals (Offizierspferde). Und darüberhinaus als Zugtiere vor allem bei der Artillerie, aber auch bei den Pionieren und der Nachrichtentruppe und natürlich bei den Versorgungstruppen allgemein. In den letzten beiden Bereichen wurden Pferde auch bei der Luftwaffe und der Marine eingesetzt.

Der am 28. Juni 1919 von der Reichsregierung unterzeichnete Versailler Vertrag forderte nicht nur die Reduzierung der deutschen Armee auf 100.000 Mann, er legte auch die Zusammensetzung dieses "100.000-Mann-Heeres" fest: 21 Infanterie-Regimenter, 7 Artillerie-Regimenter und stattliche 18 Reiter-Regimenter. Im kleinen 100.000-Mann-Heer sollte diese Zusammenstellung zu einem unzeitgemäßen und nur begrenzt effektiven militärischen Instrument führen.

Die 41 Reichswehr-Kavallerie-Regimenter der Vorläufigen Reichswehr wurden bereits im September 1919 im Übergangsheer auf 24 Reichswehr-Kavallerie-Regimenter reduziert. Im Zuge der Bildung des schließlichen 100.000-Mann-Heeres entstanden ab Mai 1920 die 1. bis 3. Kavallerie-Division mit dem 1. bis 18. Reiter-Regiment.

Ab Oktober 1934 gingen mehrere Reiter-Regimenter an die Kraftfahrkampftruppe und wurden umgebildet zu Reiter-Regimentern (mot.) und später zu Schützen-Regimentern, Panzer-Regimentern und Kradschützen-Bataillonen. Aus den noch vorhandenen Reiter-Regimentern entstanden ab Juli 1936 neue Kavallerie-Regimenter. Diese bestanden zusätzlich zu den Reiter-Schwadronen auch aus Radfahr-Schwadronen, motorisierten Teileinheiten und Nachrichten-Einheiten. Sie umfaßten damit drei verschiedene Fortbewegungsmittel bei deutlich erhöhter Feuerkraft. Im Jahr 1939 bestand schließlich in jedem Wehrkreis (außer XVIII) ein Kavallerie-Regiment, dazu kam die 1. Kavallerie-Brigade mit den Reiter-Regimentern 1 und 2.

Mit der Mobilmachung wurden die 13 bestehenden Kavallerie-Regimenter aufgelöst und traten planmäßig zu den neu aufgestellten Aufklärungs-Abteilungen der Divisionen. Nach Bildung der 2. Kavallerie-Brigade mit zwei neugebildeten Reiter-Regimentern entstand zudem die 1. Kavallerie-Division (trotz Teilmotorisierung mit einem Bestand von 17.000 Pferden). Diese bestand bis zum 28. November 1941 und wurde dann zur 24. Panzer-Division umgebildet. Die Infanterie-Regimenter wiederum erhielten jeweils einen Infanterie-Reiterzug (ein Infanterie-Regiment von 1940 umfaßte so 626 Pferde). Zusammen mit den Aufklärungs-Abteilungen bildeten diese die "Truppenkavallerie", gegenüber der 1. Kavallerie-Division als "Heereskavallerie".

Im Winter 1941/42 wurden die Aufklärungs-Abteilungen an der Ostfront zwar sehr erfolgreich eingesetzt, waren jedoch bald auch völlig ausgebrannt, ebenso die Infanterie-Reiterzüge. Aus den im Winter 1942/43 daher noch bei Divisionen im Osten befindlichen Reiter-Schwadronen wurden die Reiterverbände Boeselager und Winning gebildet, aus denen bis zum Sommer 1943 die Kavallerie-Regimenter Mitte, Nord und Süd gebildet wurden. Im Jahr 1944 entstanden hieraus die Kavallerie-Regimenter 5, 31, 32 und 41, vereinigt in der 3. und 4. Kavallerie-Brigade und schließlich im I. Kavallerie-Korps, das in der Folge an der Ostfront eingesetzt wurde, nach Ostpreußen zurückging, weiter nach Ungarn zog und schließlich im Mai 1945 in Österreich in britische Gefangenschaft ging.

Letztlich war es allein das Pferd, das die Infanterie beweglich machte, nicht nur daß es ihr mit den genannten Einheiten als Aufklärung diente, es zog auch die schweren Waffen, die Versorgungsfahrzeuge und beförderte die Führungsorgane. Im Fortgang des Krieges dehnte sich der Tätigkeitsbereich der Pferde tatsächlich noch aus, auch die motorisierten und Panzer-Divisionen mußten in ihren Versorgungs- und Unterstützungsteilen zunehmend auf Pferde zurückgreifen (Pferdebestand derartiger Divisionen 1942: ca. 1500), desgleichen bei Luftwaffe und Marine. Selbst die Volks-Grenadier-Divisionen von 1944 umfaßten planmäßig noch 1290 Pferde gegenüber nur 57 motorisierten Fahrzeugen.

Letztlich wurde die Pferdeabhängigkeit bedingt durch die wirtschaftlichen Realitäten. Der deutschen Industrie gelang es zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd soviele Fahrzeuge zu produzieren, wie für eine durchgreifende Vollmotorisierung nötig gewesen wären. Hinzu kam das bereits für den bestehenden Fahrzeugbestand zunehmend gravierendere Problem der Betriebsstoffversorgung. Das Pferd war in diesem Szenario kein Anachronismus, sondern ein nachwievor brauchbares und vertrautes Hilfsmittel.

Thomas Menzel