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"Deutschlands Adler im Reich des Drachen - Deutschland und China im Zeitalter des Kolonialismus" - Teil 7 "Das Ende des Pachtgebietes"

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Brennende Werft am Großen Hafen, Tsingtau 1914

Quelle: BArch MSg 2/ 8155

Brennende Werft am Großen Hafen, Tsingtau 1914

Weitere Dokumente der Galerie

  • Zerstörte Geschützstellung auf dem Bismarckberg, Tsingtau 1914, BArch MSg 2/ 8155
  • Gedrucktes Tagebuch von der Belagerung Tsingtaos, BArch MSg 2/7149
  • Bismarckberg-Batterie im Kampf um Tsingtau 1914, BArch Bild 116-214-02
  • Deutsche Gefangene im japanischen Lazarett, 1915, BArch Bild 137-001327

Hintergrundinformationen

Das Ende des deutschen Pachtgebietes Kiautschou

Der wirtschaftliche Wert Qingdaos (Tsingtaus) als Handelsstützpunkt und Hafen zog auch das japanische Interesse auf sich. Der Beginn des Ersten Weltkrieges in Europa war schließlich für Japan der willkommene Anlass, das deutsche Pachtgebiet Jiaozhou (Kiautschou) anzugreifen. Am 15. August 1914 forderte es ultimativ dessen bedingungslose Räumung. Daraufhin forderte Wilhelm II. am 19. August die dortige militärische Besatzung auf, die "Musterkolonie" bis zum Äußersten zu verteidigen. Acht Tage später begann eine Seeblockade durch japanische und englische Schiffe. Im Norden bei Longkou auf chinesischem Gebiet landeten die ersten japanischen Einheiten. Zwei Wochen später, am 17. September, begannen die Kämpfe an der Grenze des Schutzgebietes. Die japanische Armee zog einen immer engeren Belagerungsring um Qingdao (Tsingtau) und ließ ab dem 26. Oktober die Stadt von See- und Landseite her unter andauerndes Artilleriefeuer nehmen. Am 7. November schließlich kapitulierte der Festungskommandant Meyer-Waldeck. Die Belagerung forderte auf deutscher Seite 224 Menschenleben, 400 Verletzte wurden gezählt.

Die männliche überlebende Besatzung, etwa 5000 Staatsangehörige des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns, wurden in japanische Kriegsgefangenschaft genommen. Ihre Unterbringung war improvisiert und entsprechend schlecht, doch noch im November wurden sie nach Japan verbracht und dort auf 15 Lager verteilt. Die Behandlung variierte, wobei sehr viel von dem jeweiligen Lagerkommandanten abhing. Im Allgemeinen lebten die Gefangenen unter erträglichen Bedingungen. Das Kriegsende in Europa im November 1918 führte für die Gefangenen nur mit großer Verzögerung in die ersehnte Freiheit. So fand der Heimtransport der deutschen Soldaten auf japanischen Schiffen erst ab Dezember 1919 statt. 171 entlassene Gefangene zogen es jedoch vor, in Japan zu bleiben. Noch heute erinnern verschiedene Back- und Fleischfachbetriebe sowie Restaurants mit ihrem Namen an die ehemaligen deutschen Gefangenen.

Im Versailler Vertrag musste Deutschland schließlich alle Rechte an der Kolonie entschädigungslos an Japan abtreten. 1922 erfolgte nach heftigen Protesten die Rückgabe der ehemaligen "Musterkolonie" an China.