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"Deutschlands Adler im Reich des Drachen - Deutschland und China im Zeitalter des Kolonialismus" - Teil 6 "Boxeraufstand"

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Übergabe einer Boxerfahne an Kaiser Wilhelm II, an Bord SMS "Hohenzollern", 1900

Quelle: BArch N 378-Bild/ 644, 667

Übergabe einer Boxerfahne an Kaiser Wilhelm II, an Bord SMS "Hohenzollern", 1900

Weitere Dokumente der Galerie

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Hintergrundinformationen

Boxeraufstand

Das ausgehende 19. Jahrhundert war geprägt vom Imperialismus der Großmächte und deren Streben nach Erwerb und Besitz von Kolonien. Während weite Teile Afrikas formell unter den europäischen Mächten aufgeteilt waren, strebten die Großmächte in Ostasien zunächst nach informeller Herrschaft mittels wirtschaftlicher Durchdringung.

Die Politik der europäischen Großmächte und das allmähliche Anwachsen reformerischer politischer Ideen in den oberen chinesischen Gesellschaftsschichten führten jedoch zu einer zunehmend antiimperialistischen Stimmung im Reich der Mitte. In der Provinz Shandong wurde das Konfliktpotenzial durch natürliche Ereignisse, wie Überschwemmungen und Dürrekatastrophen und politische Faktoren wie die sich verstärkende allgemeine Armut und - bedingt durch die Schwäche des Staates - überhand nehmende Kriminalität hinzu. Als Reflex bildeten sich seit 1896 Gruppierungen, die ab 1898 als "Boxer" (Yi-he-tuan = in Rechtschaffenheit vereinigte Boxer) bezeichnet wurden. Gegründet zunächst als Schutzmacht der größeren Landbesitzer, wandten sich die "Boxer" zunehmend gegen die westlichen Kolonialmächte, insbesondere die christlichen Missionare. Ende 1899 schließlich brach der Aufstand unter der Parole "Helft der Qing-Dynastie, vernichtet die Fremden" los und breitete sich rasch in Richtung der Großstädte Beijing (Peking) und Tianjin aus. Eisenbahn- und Telegrafenlinien wurden zerstört, ausländische Ingenieure und Missionare sowie chinesische Christen getötet. Am 11. Juni 1900 schließlich rückten die "Boxer" in Beijing (Peking) ein, wo sie christliche Kirchen plünderten und gegen Ausländer vorgingen. Am 19. Juni forderte das chinesische Außenministerium die ausländischen Gesandten auf, Beijing (Peking) zu verlassen. Einen Tag später, am 20. Juni, wurde der deutsche Gesandte von Ketteler bei einem Attentat ermordet.

Unterstützung fand die Bewegung der "Boxer" am Kaiserhof. Dort hatte eine konservative Gruppe um die Kaiserinwitwe Cixi die Macht übernommen. Die Kaiserinwitwe entmachtete den jungen Kaiser Guangxu. Dessen Begeisterung für Reformen verlor damit jede reale Chance zur Verwirklichung. Cixi sah in der Unterstützung der "Boxer" ein Mittel, China von den fremden Mächten zu befreien. Am 21. Juni erfolgte die Kriegserklärung an die Kolonialmächte England, Frankreich, Rußland, Japan, Österreich, Italien, die USA und das Deutsche Reich.

Diese beschlossen daraufhin, ein internationales Expeditionskorps zum Schutz der Gesandtschaften nach Beijing (Peking) zu entsenden. Kaiser Wilhelm II. sah nach der Ermordung von Kettelers, die einmalige Chance, die überseeischen Großmachtambitionen des Deutschen Reiches zu manifestieren. So erreichte er das Einverständnis der anderen Mächte zur Übernahme der Leitung des internationalen Aufgebots durch den deutschen Generalfeldmarschall Alfred Graf von Waldersee. Die von Kaiser Wilhelm II. zur Verabschiedung der Soldaten in Bremerhaven gehaltene sog. "Hunnen-Rede" sollte durch ihren martialisch-imperialen Ton und der Aufforderung, Rache für die Ermordung von Kettelers zu nehmen, breite Gesellschaftsschichten hinter die kaiserliche Politik versammeln, trug jedoch im Ausland den deutschen Soldaten v.a. im 1. Weltkrieg die Bezeichnung "Huns" ein.

Die in China stationierten Truppen der einzelnen Nationen begannen nach Beijing (Peking) vorzurücken, wurden aber von Einheiten der "Boxer" zurückgedrängt und zum Rückmarsch nach Tianjin gezwungen, das sie dennoch am 14. Juli 1900 eroberten. Einen Monat später fiel auch Beijing (Peking). Die alliierten Truppen befreiten das belagerte Gesandtschaftsviertel. Schon nach kurzer Zeit brach der Widerstand der schlecht ausgerüsteten und militärisch unerfahrenen "Boxer" endgültig zusammen.

Im Dezember 1900 kam es zu Verhandlungen über eine Friedensregelung mit China. Die Kaiserinwitwe trennte sich auf alliierten Druck von einer Reihe hoher Beamter, die als "Hauptschuldige des Boxeraufstandes" ausgemacht worden waren und ließ die "Boxer" fallen. Den Abschluss des Aufstandes bildete die Unterzeichnung des sog. "Boxer"-Protokolls im September 1901. Es sah u.a. die Stationierung ausländischer Truppen im Korridor von der Küste über Tianjin bis nach Beijing (Peking) und an strategisch wichtigen Eisenbahnlinien, die Schließung wichtiger Festungsanlagen sowie die Zahlung von 450 Millionen Silbertael (1,4 Milliarden Goldmark) innerhalb von 39 Jahren vor, bei einer Verzinsung, die die Summe verdoppeln würde. Um diese Zahlung zu begleichen, musste sich die chinesische Regierung um ausländische Anleihen bemühen. Die wirtschaftliche Abhängigkeit des Landes von den Kolonialmächten vergrößerte sich und das chinesische Reich sank unaufhaltsam auf den Status einer Halbkolonie herab. Die deutsche Seite verlangte im "Boxer"-Protokoll im Hinblick auf die Ermordung von Kettelers außerdem, dass ein Mitglied des kaiserlichen Hauses auf eine "Sühnemission" nach Deutschland zu schicken sei und dass an der Attentatsstelle in Beijing (Peking) ein Mahnmal errichtet werden sollte. Diese Forderungen dienten der Demütigung des Verlierers, wurden jedoch beide erfüllt.