Das Bundesarchiv

Direkt zur Navigation Direkt zur Unternavigation Direkt zum Artikel

Navigation

Unternavigation

Die Kaiserliche Marine und der Venusdurchgang von 1874

Neues Fenster: Großansicht des Bildes

Meeresansicht

Quelle: BArch, Bild 134/C160 / Fotograf: unbekannt

Weitere Dokumente der Galerie

  • S.M.S. Arcona, BArch, Bild 134-B0348 / Fotograf: unbekannt
  • Arcona-Bericht (Seite 1), BArch RM 1/2575 (fol.81)
  • Arcona-Bericht (Seite 2), BArch RM 1/2575 (fol.85)
  • Arcona-Bericht (Seite 3), BArch RM 1/2575 (fol.85v)
  • Karte der Kerguelen, BArch RM 1/2575 (fol.115)
  • Ansicht von Port-Christmas, BArch RM 1/2575 fol.118
  • Torfelsen vor Port-Christmas, BArch RM 1/2575 (fol.118v)
  • S.M.S. Gazelle, BArch Bild 134/C 61
  • S.M.S. Gazelle auf den Kerguelen, BArch, Bild 134-B0161 / Fotograf: unbekannt
  • Ankunft auf den Kerguelen (Seite 1), BArch RM 1/2569 (fol.128)
  • Ankunft auf den Kerguelen (Seite 2), BArch RM 1/2569 (fol.128v)
  • Reisebericht (Seite 1), BArch RM 92/3935
  • Reisebericht (Seite 2), BArch RM 92/3935
  • Leutnant zur See Wachenhusen von S.M.S. Gazelle auf den Kerguelen, BArch Bild 134/B 2925
  • Erfolgsmeldung der Gazelle, BArch RM 1/2569 (fol.128v)
  • Kapitän zur See Freiherr von Schleinitz, Kommandant von S.M.S. Gazelle, BArch Bild 134/B 2957
  • Benennungen auf den Kerguelen (Seite 1), BArch RM 1/570 (fol.4)
  • Benennungen auf den Kerguelen (Seite 2), BArch RM 1/570 (fol. 4)
  • Benennungen auf den Kerguelen – Antwort des Chefs der Admiralität, BArch RM 1/570 (fol. 5)
  • Tagegelder in Yokohama (Seite 1), BArch RM 1/1664 (fol. 117)
  • Tagegelder in Yokohama (Seite 2), BArch RM 1/1664 fol.117

Hintergrundinformationen

Unter "Venusdurchgang" oder auch "Venustransit", bzw. "Venuspassage" wird der Durchgang des Planeten Venus vor der Sonnenscheibe verstanden. Hierbei handelt es sich um ein seltenes astronomisches Phänomen, das in etwa 120 Jahren zweimal auftritt. Der letzte Venusdurchgang fand am 8. Juni 2004 statt, der nächste wird sich 2012 und dann erst wieder 2117 ereignen. Die Seltenheit ist bedingt durch die unterschiedlichen Neigungen von Venus- und Erdbahn, zudem ist der Durchgang jeweils nur in bestimmten Bereichen auf der Erde sichtbar.

Erstmals Johannes Kepler berechnete 1627 einen Venusdurchgang voraus – für den 7. Dezember 1631. Kepler selbst starb allerdings bereits 1630 und zudem konnte dieser Durchgang in Europa nicht beobachtet werden. Der Venusdurchgang vom 4. Dezember 1639 wiederum wurde nur zufällig von zwei britischen Astronomen beobachtet und auch dies wurde erst 1662 bekannt.

Edmund Halley machte schließlich 1716 darauf aufmerksam, daß mittels der Beobachtung von Merkur- und insbesondere Venusdurchgängen durch verschiedene Beobachter von verschiedenen Standpunkten auf der Erde aus und anschließende Vergleiche der Ergebnisse eine Bestimmung der Distanz Erde-Sonne möglich wäre. Er rief daher dringend zu gemeinsamen entsprechenden Anstrengungen für den nächsten Venusdurchgang von 1761 auf. Dieser Durchgang vom 6. Juni 1761 wurde auch tatsächlich von verschiedenen eigens ausgesandten Forschungsexpeditionen auf der ganzen Welt beobachtet. Doch die Ergebnisse waren noch zu ungenau, als Erde-Sonne-Entfernung wurden Werte zwischen 125 und 155 Millionen Kilometer errechnet. Beim Venusdurchgang vom 3. Juni 1769 waren daher erneut mehrere Forschungsexpeditionen auf der ganzen Welt unterwegs, unter anderem beobachtete James Cook, auf seiner ersten Weltumsegelung, den Durchgang auf Tahiti. Im Anschluß wurde die Erde-Sonne-Entfernung auf 153 +/- 1 Mill. km bestimmt – eine Abweichung von nur 2% gegenüber dem tatsächlichen Wert.

Für den Venusdurchgang vom 9. Dezember 1874 wurden erneut mehrere Expeditionen ausgesandt, bereits im Vorgriff auf den folgenden Durchgang vom 6. Dezember 1882, bei dem erstmals auch photographische Aufnahmen gemacht wurden.

Nach den Beobachtungen von 1882 standen nunmehr die Daten von vier Durchgängen zur Verfügung und die Entfernung Erde-Sonne wurde mit 149,59 +/- 0,31 Mill. km beinahe identisch mit dem heute bekannten Wert von 149,59787069 +/-0,03 Mill. km errechnet.

An der Beobachtung des Venusdurchganges von 1874 beteiligte sich die Kaiserliche Marine mit ihrer ersten wissenschaftlichen Expedition – ausgehend von Hinweisen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften auf die Bedeutung dieses astronomischen Phänomens. Die Kaiserliche Marine bestand erst seit der Reichsgründung 1871 und war entstanden aus der Norddeutschen Bundesmarine von 1867, die ihrerseits im wesentlichen aus der nach dem Scheitern der ersten deutschen Flotte von 1848/52 neu geschaffenen Preußischen Marine gebildet worden war. Die Kaiserliche Admiralität beschloß ein Engagement auf verschiedenen Ebenen: Unterstützung von wissenschaftlichen Beobachtern in Übersee an Land, Feststellung eines geeigneten Beobachtungspunktes auf der Südhalbkugel und Verbringung von Wissenschaftlern dorthin und deren Unterstützung vor Ort. Die letztere Fahrt sollte zudem zu einer wissenschaftlichen Weltreise genutzt werden, auf der mittels einer eigens geschulten Besatzung Untersuchungen in einer Vielzahl von Wissenschaftsbereichen unternommen werden sollten.

Thomas Menzel