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Der Spielfilm „Jud Süß“ - Goebbels Meisterstück?

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Jud Süß, des Herzogs Finanzberater

Quelle: BArch FILMSG 1/8336 II

Ferdinand Marian spielt die Haupt- und Titelrolle in Veit Harlans Spielfilm „Jud Süß“. Die Rolle des Joseph Süßkind Oppenheimer, Jud Süß genannt, lehnte Marian zunächst mehrfach ab. Selbst der damalige Star-Regisseur Veit Harlan, der Marian zu Hause besucht, erreicht nicht dessen Einwilligung. Erst eine Audienz beim Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, verdeutlicht Marian, dass er die Rolle nicht ablehnen kann.

Marians Darstellung des Jud Süß ist außergewöhnliche, überragende Schauspielkunst. Nach der Premiere in Venedig schrieb der damalige Filmkritiker und später weltbekannte italienische Regisseur Michelangelo Antonioni: „Das Spiel der Hände, der Blicke, Tönungen der Stimme, Bewegungen des Körpers, alles ist vollendet“. Dass er mit seiner Darstellung des Joseph Süß Oppenheimer trotz großer persönlicher Widerstände dennoch eine so eindrucksvolle Leistung abliefert, wird er sich zeitlebens selbst nicht verzeihen. Die Hauptrolle in dem filmischen Paradestück antijüdischer Hetze und Propaganda wird ihm zum Verhängnis. Nach dem Krieg wird er wegen seines Mitwirkens im „Jud Süß“ mit einem Berufsverbot belegt und darf nicht mehr spielen. Er betrinkt sich immer exzessiver und verunglückt am 9. August 1946 tödlich am Steuer seines Autos. … [weiterlesen]

Weitere Dokumente der Galerie

  • Reichsfachschaft Film, Fragebogen (Vorderseite), ausgefüllt von Ferdinand Haschkowetz (Künstlername Ferdinand Marian), mit Foto
 , BArch (ehem. BDC) VBS 159/2600013204
  • Reichsfachschaft Film, Fragebogen (Rückseite), ausgefüllt von Ferdinand Haschkowetz (Künstlername Ferdinand Marian)
 , BArch (ehem. BDC) VBS 159/ 2600013204
  • Jud Süß umschmeichelt Dorothea während eines Hoffests
 , BArch FILMSG 1/8336 II
  • Abstammungsnachweis und politischer Unbedenklichkeitsnachweis des Reichssicherheitshauptamtes für Ferdinand Haschkowetz, Berlin, 5. Mai 1944 (VS), BArch (ehem. BDC) VBS 159/2600013204
  • Abstammungsnachweis und politischer Unbedenklichkeitsnachweis des Reichssicherheitshauptamtes für Ferdinand Haschkowetz, Berlin, 5. Mai 1944 (RS), BArch (ehem. BDC) VBS 159/2600013204
  • Stereotyp „traditioneller“ Juden in Kaftan und mit Schläfenlocken 
 , BArch FILMSG 1/8336 II
  • Bericht von der deutsch-italienischen Filmwoche in Venedig (September 1940), u.a. über das Echo auf
  • Bericht von der deutsch-italienischen Filmwoche in Venedig (September 1940)
 Seite 1 von 4
 , BArch R 43 II/389
  • Bericht von der deutsch-italienischen Filmwoche in Venedig (September 1940)
 Seite 2 von 4
 , BArch R 43 II/389
  • Bericht von der deutsch-italienischen Filmwoche in Venedig (September 1940)
 Seite 3 von 4
 , BArch R 43 II/389
  • Bericht von der deutsch-italienischen Filmwoche in Venedig (September 1940)
 Seite 4 von 4
 , BArch R 43 II/389
  • Jud Süß mit Dorothea als Bittstellerin
 , BArch FILMSG 1/8336 II
  • Herzog Karl Alexander von Württemberg und seine Gemahlin 
 , BArch FILMSG 1/8336 II
  • Einladung zur Premiere in Berlin am 24. September 1940 im Ufa-Palast am Zoo Filmpremiere (Vorderseite), BArch FILMSG 1/8336 I
  • Einladung zur Premiere in Berlin am 24. September 1940 im Ufa-Palast am Zoo (aufgefaltet, Innenseite) 
 , BArch FILMSG 1/8336 I
  • Beschwerde Hinkels über die mangelnde Berücksichtigung von SS-Angehörigen bei der Vergabe von Premierenkarten 
 Seite 1 von 2
 , BArch R 56 I/132
  • Beschwerde Hinkels über die mangelnde Berücksichtigung von SS-Angehörigen bei der Vergabe von Premierenkarten 
 Seite 2 von 2
 , BArch R 56 I/132
  • Besucherzahlen und Einnahme des Films
  • Erlass des Reichsführers SS Heinrich Himmler vom 30. September 1940
 , BArch (ehem. BDC) VBS 159/2600007703
  • Dorothea und Aktuarius Faber, ihr Bräutigam
 , BArch FILMSG 1/8336 II
  • Zensurkarte, Film-Prüfstelle Berlin 
 Vorspann: Jud Süß, (Prüf-Nr. B 54286), 21.September 1940, Seite 1
 , BArch R 9346
  • Zensurkarte, Film-Prüfstelle Berlin 
 Vorspann: Jud Süß, (Prüf-Nr. B 54286), 21. September 1940, Seite 2, BArch R 9346
  • Zensurkarte, Film-Prüfstelle Berlin 
 Vorspann: Jud Süß, (Prüf-Nr. B 54286), 21. September 1940, Seite 3, BArch R 9346
  • Veit Harlan und Heinrich George während der Dreharbeiten zu „Jud Süß“
 , BArch FILMSG 1/8336 II
  • Anschreiben des Reichssendeleiters an das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP), 31. März 1941
 , BArch R 43 II/389
  • Bericht des Reichssendeleiters an das RMVP, 31. März 1941, BArch R 43 II/389
  • Veit Harlan (rechts) verlässt das Gerichtsgebäude
 , BArch FILMSG 1
  • Die Witwe Ferdinand Marians zusammen mit Veit Harlan in einer Verhandlungspause, März 1949, BArch Bild 183-2007-1022-508 / Fotograf: unbekannt / Agentur: dpd
  • Veit Harlan nach Urteilsverkündigung im ersten Prozess am 23. April 1949, BArch Bild 183-R76220 / Fotograf: unbekannt / Agentur: dpd
  • Der Staatssekretär des Bundeskanzleramtes an den Bundesminister des Innern Schnellbrief (Entwurf) vom 4. März 1952, BArch B136/5899
  • Bericht des Presse- und Informationsamt der Bundesregierung vom 8. März 1952 über eine geplante
  • Brief des Regisseurs Veit Harlan an Bundeskanzler Adenauer vom 7. Mai 1952.
 Seite 1 von 7,  BArch B136/5899
  • Brief des Regisseurs Veit Harlan an Bundeskanzler Adenauer vom 7. Mai 1952.
 Seite 2 von 7,  BArch B136/5899
  • Brief des Regisseurs Veit Harlan an Bundeskanzler Adenauer vom 7. Mai 1952.
 Seite 3 von 7, BArch B136/5899
  • Brief des Regisseurs Veit Harlan an Bundeskanzler Adenauer vom 7. Mai 1952.
 Seite 4 von 7, BArch B136/5899
  • Brief des Regisseurs Veit Harlan an Bundeskanzler Adenauer vom 7. Mai 1952.
 Seite 5 von 7, BArch B136/5899
  • Brief des Regisseurs Veit Harlan an Bundeskanzler Adenauer vom 7. Mai 1952.
 Seite 6 von 7,  BArch B136/5899
  • Brief des Regisseurs Veit Harlan an Bundeskanzler Adenauer vom 7. Mai 1952.
 Seite 7 von 7,  BArch B136/5899

Hintergrundinformationen

Der Spielfilm „Jud Süß“ - Goebbels Meisterstück?

Am 05. September 2010 jährte sich zum 70. Mal die Uraufführung des Spielfilms „Jud Süß“ bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig. Die deutsche Erstaufführung des Films fand am 24. September 1940 in Berlin statt. Aus diesem Anlass präsentiert das Bundesarchiv einige digitalisierte Archivalien aus seinen Beständen zu diesem NS-Propagandafilm, der noch 70 Jahre später eine starke Wirkung entfaltet und zur kritischen Auseinandersetzung einlädt. Der Spielfilm „Jud Süß“ wurde im Auftrag des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels gedreht und zählt zu den niederträchtigsten und gefährlichsten Erzeugnissen nationalsozialistischer, antisemitischer Filmpropaganda.

Joseph Goebbels schreibt über den Film „Jud Süß“ am 18. August 1940 in sein Tagebuch: „Ein ganz großer, genialer Wurf. Ein antisemitischer Film, wie wir ihn uns nur wünschen können. Ich freue mich darüber“. Bis heute ist „Jud Süß“ ein Vorbehaltsfilm. Vorbehaltsfilme dürfen aufgrund ihres kriegsverherrlichenden, rassistischen oder volksverhetzenden Charakters nur in geschlossenen Veranstaltungen, etwa im Rahmen der politischen Bildungsarbeit, gezeigt werden mit vorangehender Einführung eines Referenten und anschließender Diskussion. Eine gewerbliche Auswertung findet nicht statt.

Inhalt

Der Spielfilm „Jud Süß“ erzählt, in historisch verfälschender Weise, die Geschichte vom jüdischen Bankier und Juwelier „Jud Süß Oppenheimer“, der im 18. Jahrhundert Finanzberater des Herzogs Karl Alexander von Württemberg wird. Der Herzog hat einen ausschweifenden, dekadenten Lebensstil und liegt im dauernden Streit mit den Landständen, die ihm diesen nicht finanzieren wollen. Der Fürst holt Süß Oppenheimer, trotz Judenbanns, in die Stadt, da dieser ihm verspricht alle finanziellen Mittel zu besorgen, welche der Fürst  für seine Vergnügungen benötigt. Jud Süß wird Berater und später Minister des Herzogs. Dieser hebt den Judenbann auf und erlaubt Süß Straßenmauten zu erheben, womit er sich den Zorn der Bevölkerung zuzieht. Jud Süß stellt Dorothea, der Tochter des Landschaftskonsulenten Sturm, nach und bittet gar um die Hand derselbigen, wird aber schroff abgewiesen. Aus Rache lässt er den Vater und später auch noch den Ehemann verhaften. Als Dorothea sich aus Verzweiflung zu Süß begibt und um Gnade für die Beiden bittet, wird sie von ihm bedrängt und schließlich vergewaltigt, woraufhin sie sich das Leben nimmt. Unter den aufgebrachten Württembergern bricht der Aufstand los. Sie ziehen zur Residenz des Herzog, der wieder einmal ein rauschendes Fest feiert. Karl Alexander, gefragt ob er lieber seinem Eid oder seinem jüdischen Ratgeber folgen wolle, stirbt überraschend an einem Herzschlag. Joseph Süß Oppenheimers Freibrief, der ihn vor all seinen Übertretungen schützten sollte, erlischt mit des Fürsten Tod. Er wird verhaftet und in dem anschließenden Prozess wegen Beischlafs mit einer Nicht-Jüdin zum Tode durch den Strang verurteilt. Der Judenbann wird ab dem 04.02.1738 wieder erneuert und alle Juden müssen das Land verlassen.

Mato Sarcevic