2.67.1 (vsc1p): Errichtung eines Zinkelektrolyse-Unternehmens in Magdeburg für die Bergwerksgesellschaft Georg von Giesche’s Erben.

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Errichtung eines Zinkelektrolyse-Unternehmens in Magdeburg für die Bergwerksgesellschaft Georg von Giesche’s Erben.

1. Erörtert wurde zunächst die Angelegenheit der Errichtung eines Zinkelektrolyse-Unternehmens in Magdeburg für die Bergwerksgesellschaft Georg von Giesche’s Erben. Der Chef des Waffenamts Generalleutnant von Bockelberg begründete zunächst das Interesse des Reichswehrministeriums am Bau des Werkes3.

3

Hierzu die Aktennotiz Waldheckers: „Die wehrpolitische Notwendigkeit, das seit 7 Jahren geplante Projekt jetzt endlich durchzubringen, wird anerkannt.“

Reichsminister Warmbold erklärte, daß das Reichswirtschaftsministerium sich eingehend mit dem Projekt befaßt habe und zu dem Ergebnis gekommen[294] sei, daß die geplante Elektrolyse-Anlage in Magdeburg in der Lage sein würde, Zink zu Preisen herzustellen, die auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sind. Die Rentabilitätsberechnung gehe von der Voraussetzung aus, daß die Firma Giesche’s Erben Besitzerin bestimmter Zinkbergwerke mit besonders ergiebigen Zinkerzen sei und daß die Firma auch über die erforderlichen technischen Erfahrungen zur Ausbeutung dieser Erze verfüge. Der Firma fehle lediglich das Geld für die Errichtung des Werkes. Man habe berechnet, daß für die Errichtung des Werkes einschließlich aller Betriebsmittel ein Betrag von 22 Millionen RM erforderlich sei. Derartige Beträge könne die Firma mit ihrem eigenen Kredit auf dem Kapitalmarkt nicht aufnehmen. Das Problem sei also die Aufbringung dieses Betrages mit Reichshilfe in Formen, die keinen Subventionscharakter tragen. Das Problem sei nach Meinung des Reichswirtschaftsministeriums lösbar. Die Erwägungen darüber seien jedoch noch nicht abgeschlossen.

Reichsminister von Krosigk führte aus, daß die Firma sich in den bisherigen Vorbesprechungen außerstande erklärt habe, irgendwelche eigenen Mittel für das Magdeburger Werk aufzubringen. Die Firma wolle die Aufbringung der Mittel dem Reich überlassen, so daß für das Reich nur die Aussicht bestehe, das aufzubringende Geld entweder gar nicht oder nur in ganz allmählich fließenden geringen Tilgungsraten wiederzubekommen. Das ganze werde also auf eine Subvention hinauslaufen, die höchst bedenklich erscheine. Nach seiner Meinung müsse die Firma selbst einen Finanzierungs- und Tilgungsplan aufstellen. Für das Reich könne es sich dann nur darum handeln, diesen Plan, wenn er hinreichend sichergestellt sei, vorzufinanzieren.

Reichskommissar Dr. Gereke erklärte, daß das Projekt vom Standpunkt seiner speziellen Aufgabe, der Arbeitsbeschaffung, zur Förderung besonders geeignet sei. Er werde es daher begrüßen, wenn sich Mittel und Wege zu seiner Durchführung finden ließen.

Auch der Reichsarbeitsminister Dr. Syrup erklärte, daß, vom Standpunkt des Arbeitsmarktes aus betrachtet, das Projekt durchaus förderungswürdig sei. Insbesondere werde es für den deutschen Arbeitsmarkt einen wesentlichen Gewinn bringen, wenn die Verhüttung der in Frage kommenden Zinkerze nicht mehr, wie bisher, in Polen erfolgen müsse. Er empfehle daher dringend, nichts unversucht zu lassen, um die Finanzierung der Errichtung des Werkes in Magdeburg möglich zu machen.

Der Reichskanzler entnahm den Ausführungen des Reichswirtschaftsministers, daß es keinesfalls ausgeschlossen sei, durch Fortsetzung der vom Reichswirtschaftsministerium eingeleiteten Verhandlungen zu einem Vertrage mit der Bergwerksgesellschaft von Giesche’s Erben zu kommen, der keine Subvention darstelle, trotzdem aber soviel an Reichsunterstützung biete, daß die Finanzierung unter Heranziehung der eigenen Kreditmöglichkeiten und Sicherheiten der Gesellschaft möglich werde.

Er stellte als übereinstimmende Meinung des Kabinettsausschusses fest, daß der private Weg der Errichtung des Magdeburger Werkes unbedingt der beste sein würde und daß das Werk im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms nur dann finanziert werden könne, wenn es für Zwecke der Reichswehr[295] als reichseigenes Werk errichtet würde4. Der Weg der Subventionierung eines Privatwerkes müsse, wenn irgend möglich, vermieden werden. In diesem Sinne wurde in Aussicht genommen, die Verhandlungen mit der Firma durch das Reichswirtschaftsministerium fortsetzen zu lassen.5

4

Hierzu die Aktennotiz Waldheckers: „Reichskanzler will diese Untersuchung abwarten, hält eventuell auch den von Popitz vorgeschlagenen Weg über die Viag für gangbar und will selbst der Forderung des Wehrministeriums auf andere Weise (Wehretat?) Geltung verschaffen.“ – Die Viag (Vereinigte Industrielle Unternehmungen AG) war eine Holding im Reichsbesitz, die reichseigenen Industriebesitz verwaltete.

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An dieser Stelle geht die Aktennotiz Waldheckers über das amtliche Protokoll hinaus: „Reichskanzler berichtet über zunehmende Angriffe auf ihn und Gereke wegen des langsamen Ingangkommens der Arbeitsbeschaffung. So werde besonders von den Führern der NSDAP unter aktivster Beteiligung Schachts (Besprechungen im ‚Schwarzen Ferkel‘) konspiriert. Auch der Reichsbankpräsident werde heftig angegriffen.“ Das „Schwarze Ferkel“ war eine bekannte Berliner Weinstube, in der vor allem Künstler und Politiker verkehrten. – Auch aus den Reihen der westdt. Großindustrie machte sich wachsender Widerstand gegen Gereke bemerkbar, zu dessen Sprachrohr sich vor allem die „Deutsche Bergwerkszeitung“ aufschwang. Sie lehnte nicht nur den Gereke-Plan, sondern jede Arbeitsbeschaffung grundsätzlich ab und forderte stattdessen Steuerermäßigungen für die Wirtschaft (z. B. Nr. 301 vom 23.12.1932, Nr. 6 vom 7.1.1933 und Nr. 9 vom 11.1.1933; Ausschnitte in: R 43 I/2046, Bl. 197–199 sowie Nachl. Luther , Bde. 353 und 354).

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