2.31.1 (vpa1p): 1. Bericht über die Verhandlungen in Lausanne.

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Das Kabinett von Papen Band 1Das Kabinett von Papen Bild 183-R1230-505Wahllokal in Berlin Bild 102-03497AGöring, Esser und Rauch B 145 Bild-P046294Ausnahmezustand in Berlin während des „Preußenschlages“.Bild 102-13679

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RTF

[100]1. Bericht über die Verhandlungen in Lausanne.

Ministerialdirektor Köpke gab an Hand der vorliegenden Telegramme und Aufzeichnungen einen eingehenden Überblick über die Vorgeschichte und den Verlauf der Lausanner Verhandlungen1. Die Erklärung der Mächte über den weiteren Aufschub der Reparationszahlungen sei besonders wichtig deswegen, weil er als Voraussetzung für die Behandlung der Weltwirtschaftskrise und die Sanierung Europas erklärt wurde. Der Vorschlag stamme von englischer Seite2. Die Franzosen hätten Bedenken gehabt. Die Erklärung sei in Frankreich heftig kritisiert worden, zumal sie keinen Unterschied mehr zwischen bedingten und unbedingten Annuitäten mache.

1

Vgl. Dok. Nr. 22, dort bes. Anm. 3; Dok. Nr. 30, dort bes. Anm. 1; weitere Telegramme aus Lausanne in R 43 I/338, Bl. 92–112.

2

Die Erklärung (datiert vom 16. 6.) war von MacDonald am 17. 6. im ersten Teil der zweiten Lausanner Plenarsitzung, in dem auch Pressevertreter zugelassen waren, verlesen worden. Ihr wichtigster Abschnitt: Die unterzeichneten Regierungen (d. h. Großbritannien, Frankreich, Italien, Belgien, Japan) „are of opinion, in order to permit the work of the Conference to proceed undisturbed, that, without prejudice to the solution which may ultimately be reached, the execution of the payments due to the Powers participating in the Conference in respect of reparations and war depts should be reserved during the period of the Conference, which the undersigned Governments intend should complete its work in the shortest possible time. It is understood that the service of market loans will not be affected by this decisions.“ (Documents on British Foreign Policy, Second Series, Vol. III, Dok. Nr. 138).

Anlaß zu Optimismus bestehe jedoch nicht. Das gehe schon aus der Abreise Herriots hervor, dessen Parteifreunde mit der Erklärung unzufrieden sein sollen3. Die Belgier hätten sich als Mittler zwischen Frankreich und Deutschland angeboten. Deutschland habe davon doch lediglich Kenntnis genommen.

3

Zur Haltung Frankreichs in der ersten Konferenzphase vgl. die eingehenden Ausführungen des RK vor dem Kabinett am 25. 6. (Dok. Nr. 40, P. 1).

Der Reichsminister des Innern führte aus: Der Hinweis des Reichskanzlers in seiner ersten Lausanner Rede auf die Heranziehung aller Kreise durch die neugebildete Regierung4 habe in der Linkspresse starken Anstoß erregt. Es werde notwendig sein, gelegentlich einer Pressekonferenz darauf hinzuweisen, daß die Regierung sich bemühe, alle Kräfte heranzuziehen, die außerhalb ständen5.

4

Vgl. Dok. Nr. 30.

5

Hierzu nichts ermittelt. – Am 18. 6. erklärte der RK in einer über alle dt. Sender verbreiteten Rundfunkrede aus Lausanne u. a.: Gemäß ihrer „Programmerklärung“ wolle die RReg. „alle aufbauwilligen Kräfte unseres Volkes sammeln“. Der innere „Meinungskampf ist gewiß berechtigt, besonders dann, wenn Neuwahlen vor der Türe stehen. Aber dieser politische Kampf hat Grenzen, jenseits welcher er aufhört, Kampf zu sein, und anfängt, politische Blindheit zu werden. Glauben Sie mir alle, deutsche Hörer und Hörerinnen, daß die neue Reichsregierung es zu verstehen und zu würdigen wissen wird, wenn diese Grenzen des politischen Kampfes gerade von denen beachtet werden, die sich sonst zum Kampf gegen diese Regierung veranlaßt fühlen. Wir sind hier, um der Heimat nach unserem besten Wissen und Wollen zu dienen. Die Heimat wieder muß uns helfen, wie ein besonnener Mann dem Anwalt hilft, dem er die Führung eines überaus entscheidenden Prozesses anvertraut hat. Wir rufen der Heimat zu, daß nur der geschlossene und besonnene einheitliche nationale Wille uns helfen kann. Der geschlossene Wille: dem widerspricht es nicht, wenn innenpolitische Meinungsverschiedenheiten nur nicht das Wesentliche unserer deutschen Gemeinschaft verdunkeln. Der besonnene Wille: das ist die Erkenntnis reifer Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, daß diese deutsche Gemeinschaft den Vorrang vor allen übrigen Fragen hat. Die von mir geleitete Regierung wird immer nur das deutsche Volk sehen, nicht aber Parteien und Klassen.“ Entwurf der Rede in R 43 I/524, Bl. 115–119; eine Zusammenfassung bei Horkenbach 1932, S. 202; Tonaufzeichnung der Rede (7.45 Minuten, unvollständig): Dt. Rundfunkarchiv Frankfurt/M. C. 860.

Der Reichswehrminister verwies darauf, daß die Einheitsfront nur über die[101] Rechte möglich sei, die Linke werde außenpolitisch keine Schwierigkeiten machen6.

6

Zum Fortgang s. Dok. Nr. 33, P. 2.

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