2.23 (vsc1p): Nr. 23 Das Geschäftsführende Präsidialmitglied des Reichsverbandes der Deutschen Industrie Kastl an den Reichskanzler. 13. Dezember 1932

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[88] Nr. 23
Das Geschäftsführende Präsidialmitglied des Reichsverbandes der Deutschen Industrie Kastl an den Reichskanzler. 13. Dezember 19321

1

Paraphe v. Schleichers vom 21.12.1932 am Kopf des Briefes.

R 43 I/1206, Bl. 307

[Stellung zur Regierung v. Schleicher.]

Sehr verehrter Herr Reichskanzler!

Gestatten Sie, daß ich Sie namens des Reichsverbandes der Deutschen Industrie in Ihrer neuen noch verantwortungsvolleren Tätigkeit begrüße mit der Hoffnung, daß Ihnen in Ihrem Wirken ein voller Erfolg beschieden sein möge. In wirtschafts- und finanzpolitischer Hinsicht liegen noch sehr schwere Aufgaben vor uns, und die Reichsregierung darf versichert sein, daß der Reichsverband der Deutschen Industrie zu positiver Mitarbeit stets bereit ist. Es liegt mir daran, das festzustellen und zum Ausdruck zu bringen, daß wir von der Reichsregierung eine konsequente Fortsetzung der Grundlinien des Programms der früheren Reichsregierung erhoffen, die sich bereits als ein wichtiges Mittel für die Wiederbelebung des Vertrauens in der Wirtschaft erwiesen haben2.

2

In die gleiche Richtung – wenn auch mit kritischen Untertönen versehen und durch Vorbehalte eingeschränkt – weisen die programmatischen Ausführungen des Präs. des RdI Krupp v. Bohlen und Halbach in der Hauptausschußsitzung des Verbandes am 14.12.1932: „Es ist tief bedauerlich, daß [die dem Wirtschaftsprogramm der Reg. v. Papen zugrundeliegenden] Ansätze leider wieder von der rein politischen Ebene her bedroht worden sind, indem die mit den Reichstagswahlen vom 6. November zusammenhängenden Vorgänge wieder ein starkes Moment der Beunruhigung in die Wirtschaft hineingetragen haben. Es wäre außerordentlich verhängnisvoll, wenn wiederum, wie so oft in den vergangenen Jahren, der Einsatz aller produktiven Kräfte, zu dem die deutsche Wirtschaft und die deutsche Industrie entschlossen sind, in seiner Wirkung durch parteipolitische Umstände – und vielleicht sogar nicht in allen Fällen ohne bewußte Absicht! – zunichte gemacht wird. […] Gegenüber der Regierung Schleicher sprechen wir den Wunsch aus, daß sie sorgfältig darauf bedacht sein möge, die Grundlinien des Programms Papen zu wahren, Abänderungswünsche dieser oder jener Gruppe mit aller Vorsicht zu behandeln und vor allen Dingen gefährliche kredit- und währungspolitische Experimente zu verhindern. In diesem Zusammenhang liegt es mir am Herzen auszusprechen, daß Herr von Papen für die Leistungen während seiner Amtszeit den größten Dank verdient, – nicht nur der Industrie im engeren Sinne des Wortes, sondern auch der weitesten Volkskreise.“ Im weiteren Verlauf der Sitzung versichern sowohl der RWiM wie auch der RFM in ihren Ansprachen, daß die Reg. v. Schleicher an den drei Hauptpunkten des Papenschen Wirtschafts- und Arbeitsbeschaffungsprogramms vom 4./5.9.1932 – Steuergutscheine, Mehreinstellungsprämien, direkte Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen – festhalten werde (Abdruck der Redemanuskripte als Anlage zum Sitzungsbericht in: Geschäftliche Mitteilungen für die Mitglieder des RdI, 14. Jg., Nr. 27 vom 23.12.1932; Sitzungsbericht nach WTB in: R 43 I/1206, Bl. 303–306; Zusammenfassung in: Schultheß 1932, S. 221 f.). – Vgl. zusammenfassend über die Beziehungen des RdI und des DIHT zur Reg. v. Schleicher Reinhard Neebe: Großindustrie, Staat und NSDAP. S. 148 ff.

Mit der Bitte, meiner vorzüglichsten Hochachtung versichert zu sein, bin ich, sehr verehrter Herr Reichskanzler3,

3

Dank- und Antwortschreiben des RK vom 28.12.1932, in dem er „die Wiederbelebung des Vertrauens in der Wirtschaft für eine der wesentlichsten Voraussetzungen zur Besserung der Lage“ bezeichnet (R 43 I/1206, Bl. 308).

Ihr Ihnen sehr ergebener

Kastl

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