4.79 (k1950k): Dokument Nr. 79

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Titelblatt: Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung 1950Portrait Walter StraußPortrait Hans LukaschekSchreiben Adenauers zur Entlassung von Heinemann.Portrait: Robert Lehr

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Dokument Nr. 79

17. Oktober 1950

Das Mitglied des Bundestages Hermann Pünder an den Bundesminister a. D. Gustav W. Heinemann 1

1

Druckvorlage: Unterschriebene Ausfertigung, zwei Seiten, in NL Heinemann/34. Briefkopf: „Dr. Hermann Pünder Oberdirektor a. D. MdB". Paraphierte Durchschrift in NL Pünder/281.

Sehr geehrter Herr Heinemann!

Anliegend überreiche ich Ihnen eine in meinem Büro angefertigte Abschrift eines Stücks der Originalrundschreiben 2 des gewiß auch Ihnen bekannten und in Düsseldorf und im Industriegebiet hochangesehenen früheren Generals der Infanterie Auleb. Ein Rundschreiben ähnlicher Art zeigte vor etwa einer Woche gelegentlich einer Vorstandsitzung unserer CDU-Fraktion ein Fraktionsfreund aus Süddeutschland vor. Der zufälligerweise anwesende Herr Bundeskanzler wurde alsdann nach dem Zusammenhang gefragt. Er erwiderte, daß es sich seines Wissens um die geplante Bildung einer Art Wach- und Schließgesellschaft für die Bundesregierung in Bonn handle. Er persönlich habe naturgemäß keine Zeit, sich auch noch um solche Dinge zu kümmern, so daß er nicht einmal wisse, wer für diese Angelegenheit zuständig zeichne. Im Zuge der weiteren Aussprache in dieser unserer Vorstandsitzung erklärte sich dann aber der Herr Bundeskanzler bereit, sich nach den näheren Einzelheiten und der Zuständigkeit zu erkundigen und unseren Vorstand ins Bild zu setzen bezw. ihm bald eine Nachricht zu geben. Eine solche Nachricht ist meines Wissens inzwischen noch nicht eingelaufen. In der Presse der letzten Tage steht zwar etwas über diese Angelegenheit, wobei es aber so dargestellt wird, als wenn es sich um eine eigene Aktion der Interessenvertretung der früheren Wehrmachtangehörigen handle. Diese Feststellung deckt sich aber keineswegs mit dem anliegenden Rundschreiben, in dem es ja ausdrücklich heißt, daß die Meldungen dem Bundeskanzleramt weitergeleitet werden sollen.

2

Siehe Dokument Nr. 61.

Ich wäre nun Ihnen, sehr verehrter Herr Heinemann, sehr dankbar, wenn Sie mir einige aufklärende Zeilen in dieser Angelegenheit zukommen lassen wollten, da Sie als der bisher federführende Bundesinnenminister doch zweifellos auch in dieser Angelegenheit eingeschaltet gewesen sind.

Niemand von uns bestreitet naturgemäß der Bundesregierung ihr Recht oder sogar ihre Pflicht, sich gegen irgendwelche Eventualitäten unbedingt zu schützen. Aber man möchte die Wahrheit hören und nicht etwa hinters Licht geführt werden. In dem anliegenden Rundschreiben heißt es ausdrücklich, daß die Angelegenheit nicht geheim sei. Festzustellen ist aber leider, daß sie der engste Vorstand der größten Regierungspartei nicht kennt und nichts von der ganzen Angelegenheit erfahren hat. Im Haushaltsausschuß des Bundestages, dem ich angehöre, zeigte es sich bei einer Erörterung einer Angelegenheit verwandten Charakters, daß die SPD-Vertreter sich recht genau orientiert zeigten.

Ihrer baldgefälligen Rückäußerung 3 gern entgegensehend,

3

Zur Antwort Heinemanns siehe das folgende Dokument.

verbleibe ich

mit herzlichen Grüßen und Wünschen

stets Ihr

Hermann Pünder 4

4

Dr. Hermann Pünder (1888-1976). 1923-1925 Reichsfinanzministerium, 1926-1932 StS in der Reichskanzlei, 1945 Gründungsmitglied der CDU in Münster, Oberbürgermeister in Köln, 1948-1949 Oberdirektor und Vorsitzer des Verwaltungsrates des Vereinigten Wirtschaftsgebietes, 1949-1957 MdB (CDU), 1952 Vizepräsident der gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl. - H. Pünder, Von Preußen nach Europa, Stuttgart 1968.

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