2.20.4 (k1956k): 4. Moralische Aufrüstung; hier: die verschwindende Insel, BMVt

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Palais SchaumburgBandrücken der EditionÜberreichung des ersten Bandes an Bundeskanzler Helmut SchmidtDas Bundesarchiv, KoblenzKabinettssitzung 1956

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4. Moralische Aufrüstung; hier: die verschwindende Insel, BMVt

Staatssekretär Prof. Dr. Hallstein teilt dem Kabinett mit, daß im Zuge des Aufenthalts der Delegation in der Bundesrepublik bereits Kosten in Höhe von 1 Million DM entstanden seien. Das Kabinett müsse sich im Hinblick auf diese Tatsache darüber schlüssig werden, ob und in welchem Umfange von Seiten der Bundesrepublik diese Kosten erstattet werden sollten. Staatssekretär Dr. Nahm berichtet ergänzend, daß der Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte mit dem Bundesminister des Auswärtigen den Text der Einladung der Bundesrepublik an die Delegation bis ins Einzelne abgesprochen habe. Dabei sei man davon ausgegangen, daß die Einladung lediglich die Lizenz für den Aufenthalt in der Bundesrepublik beinhalte, nicht aber die Kostenübernahme einschließen sollte. Außerdem sei die Bundesregierung davon ausgegangen, daß sich der Aufenthalt auf höchstens drei, nicht jedoch auf acht Wochen erstrecken sollte 29. Der Bundesminister der Finanzen erklärt sich bereit, durch sein Haus die durch den Aufenthalt der Delegation entstandenen Kosten einer Prüfung zu unterziehen. Staatssekretär Prof. Hallstein berichtet ergänzend, der Bundeskanzler habe ihn gebeten, im Kabinett den Standpunkt zu vertreten, die Bundesrepublik sollte sich an den der Delegation entstandenen Kosten beteiligen. Er stellt im übrigen ausdrücklich fest, daß sich der Bundesminister des Auswärtigen niemals im Namen der Bundesregierung verpflichtet habe, die Kosten zu übernehmen. Nach Mitteilung von Staatssekretär Dr. Nahm soll die Delegation der Moralischen Aufrüstung nach Paris abgereist sein. Unter diesen Umständen könne man daher die Regelung der Kostenfrage noch vertagen. Der Vizekanzler bittet den Bundesminister der Finanzen, die Höhe der entstandenen Kosten durch sein Haus prüfen zu lassen. Nach Vorliegen dieses Prüfungsergebnisses soll über die Frage der Kostenübernahme in Anwesenheit der Bundesminister des Auswärtigen und für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte im Kabinett erneut beraten werden. Das Kabinett schließt sich dieser Auffassung an 30.

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Der TOP wurde lt. Einladung ohne Vorlage behandelt. - Die Ideologische Mission der Moralischen Aufrüstung (MRA) war am 7. Jan. 1956 von Adenauer eingeladen worden, mit dem Theaterstück „Die verschwindende Insel" in der Bundesrepublik und Berlin zu gastieren. Die an den Gründer der MRA Frank N. D. Buchman gerichtete Einladung war außerdem von Gerstenmaier, Blücher, Arnold, Hellwege, Hoegner, von Brentano, Oberländer, von Merkatz und Helmuth Andreas Koch unterzeichnet worden (B 136/3525). - In der Zeit vom 2. Febr. bis 25. März 1956 hatte die Truppe mit etwa 350 Mitgliedern eine Gastspielreise durch die Bundesrepublik durchgeführt und auch in Berlin gespielt (vgl. dazu Bulletin vom 15. und 17. Febr. 1956, S. 265 und 286, und FAZ vom 16. März 1956). - Oberländer hatte dem AA einen Kostenvoranschlag in Höhe von 495 000 DM übermittelt, den von Brentano am 14. Febr. 1956 an Schäffer weitergeleitet hatte (B 126/13031). Der BMF hatte am 6. März 1956 darauf hingewiesen, daß vor dieser Gastspielreise ein Einvernehmen mit ihm über die Möglichkeiten einer Finanzierung nicht hergestellt worden war. Er hatte es von Brentano überlassen, aus dem Kulturfonds des AA einen Kostenbeitrag zu leisten, falls er dies für erforderlich halte (ebenda).

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Schäffer lehnte einen Beitrag zur Finanzierung am 10. April erneut ab. Er wies darauf hin, daß weder im Bundeskanzleramt noch im AA oder im BMVt festgestellt werden konnte, in welcher Form die Einladung an Buchman ergangen war und ob und in welcher Höhe eine Beteiligung an den Kosten zugesagt worden war. Er sah die Angelegenheit für sich „vorerst als erledigt an" (ebenda). - Einem Vermerk vom 16. Juli ist zu entnehmen, daß Adenauer am 9. Juli 1956 Oberländer mitgeteilt hatte, „er werde verschiedene Bundesminister durch persönliches Gespräch zu einer teilweisen Übernahme der Kosten auf ihren Etat bewegen" (B 136/3525). Am 9. Aug. 1956 wurde in einem Vermerk festgehalten, Oberländer habe „ein abschließendes Arrangement getroffen. Die Sache sei damit erledigt" (ebenda).

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