2.11.7 (k1968k): 7. Unterrichtung des Kabinetts über Währungsbeschlüsse des Goldpools, BMWi

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7. Unterrichtung des Kabinetts über Währungsbeschlüsse des Goldpools, BMWi

Bundesminister Schiller berichtet über die Washingtoner Währungskonferenz vom 15. und 16. März 1968 und erläutert die dort getroffenen Beschlüsse. 12 In einer Aussprache, an der sich der Bundeskanzler, die Bundesminister Schiller und Schmücker beteiligen, wird ausgeführt, daß die an der amerikanischen Zahlungsbilanzpolitik geübte Kritik im wesentlichen berechtigt sei. Es bestünde aber keine Aussicht, daß die wichtigsten Weltwährungsländer die von Frankreich empfohlenen Therapiemaßnahmen akzeptierten. 13 Eine Reform des Weltwährungssystems sei weniger über eine Goldpreiserhöhung als über die Sonderziehungsrechte zu erwarten. Positiv sei zu werten, daß Frankreich eine Verständigung mit der Bundesrepublik und unter den Sechs anstrebe.

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Siehe 112. Sitzung am 7. Febr. 1968 TOP 4, vgl. 90. Sitzung am 10. Aug. 1967 TOP G (Kabinettsprotokolle 1967, S. 410). - Vorlage des BMWi vom 20. März 1968 in B 136/3335, weitere Unterlagen in B 102/51175 und 84094. - Seit dem Herbst 1967 hatten die hohen Zahlungsbilanzdefizite der USA und Großbritanniens zu einem kräftigen Zinsanstieg und einer zunehmenden Emissionstätigkeit in D-Mark und andere nicht abwertungsgefährdete Währungen, insbesondere aber zu einer erheblichen Zunahme der Goldspekulation geführt. Der amtliche Goldpreis der US-Treasury von 35 US-Dollar je Unze Feingold musste zunehmend von den im Goldpool aktiven Notenbanken (Belgien, Bundesrepublik, Italien, Niederlande, Schweiz, Großbritannien, USA) gestützt werden. Auf der Währungskonferenz hatten die Präsidenten der Notenbanken beschlossen, nicht mehr wie bisher den freien Goldmarkt zu beliefern. Das Gold sollte nur noch für Transaktionen der Währungsbehörden untereinander verwendet werden, jedoch nicht zur Abgabe an solche Währungsbehörden, die die privaten Märkte belieferten. Das bedeutete die vollständige Trennung des privaten Goldhandels vom Weltwährungssystem und das Ende des sogenannten Goldpools. Die Währungsparitäten aller Staaten gegenüber dem Dollar und dem Gold blieben unverändert. Zudem erklärten sich die britische und die amerikanische Regierung bereit, substantielle Maßnahmen wie Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen zur Verbesserung ihrer Zahlungsbilanz einzuleiten. Der amerikanische Diskontsatz wurde von 4,4 auf 5% erhöht und Großbritannien ein zusätzlicher Kredit in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar zur Stützung des Pfund eingeräumt.

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Frankreich hatte empfohlen, den Goldpreis zu erhöhen. Vgl. den Vermerk des Bundeskanzleramts vom 20. März 1968 für ein Gespräch des Bundeskanzlers mit dem Präsidenten der Deutschen Bundesbank Blessing in B 136/3335.

Das Kabinett billigt die von dem BMWi in dieser Frage eingenommene Haltung. Es nimmt zustimmend davon Kenntnis, daß vor der Stockholmer Zehner-Konferenz ein Gespräch mit der französischen Seite stattfinden soll, um soweit als möglich zu einer Abstimmung mit Frankreich und unter den Sechs in den gegenwärtigen Währungsfragen zu kommen. 14

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Auf der Stockholmer Konferenz der zehn wichtigsten Weltwährungsländer am 29. und 30. März 1968 wurde eine Einigung über Sonderziehungsrechte erzielt und eine Reform des Internationalen Währungsfonds beschlossen. Die EWG-Länder erhielten für wichtige Entscheidungen des Fonds eine Sperrminorität. Vgl. den Vermerk des Bundeskanzleramts vom 2. April 1968 in B 136/3335, Abschlusskommuniqué in Bulletin Nr. 44 vom 4. April 1968, S. 358. - Fortgang 135. Sitzung am 28. Aug. 1968 TOP 7 (IWF-Abkommen).

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