2.5.4 (k1968k): D. Deutsche Kolonie in Vietnam

Zum Text. Zur Fußnote (erste von 3). Zu den Funktionen. Zum Navigationsmenü. Zum Navigationsbaum

 

Bandbilder:

Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 21. 1968Erste Tagung des FinanzplanungsratsKabinettsaussprache zu den StudentendemonstrationenSitzung des Kabinetts in BerlinTod von Entwicklungshelfern aus der Bundesrepublik in Südvietnam

Extras:

 

Text

Tagesordnungspunkt als RTF Download

[D.] Deutsche Kolonie in Vietnam

Nach einer kurzen Darstellung der militärischen Lage in Vietnam nach dem Beginn der Vietcong-Offensive, teilt Bundesminister Brandt mit, die Botschaft in Saigon habe zwar versucht, über eine Evakuierung der deutschen Frauen und Kinder mit den zuständigen amerikanischen Stellen zu beraten, sei jedoch an die südvietnamesischen Regierungsstellen verwiesen worden. 16 Mit der Mehrzahl der Deutschen in Vietnam habe die Botschaft Verbindung; innerhalb dieses Personenkreises habe es bislang keine Verluste oder Verletzungen gegeben. Etwa zwanzig Deutsche hätten zwar um ihre Rückführung gebeten, er halte jedoch eine Anordnung zur Evakuierung aller Deutschen nicht für erforderlich. Diese Maßnahme würde sicher auch politische Schwierigkeiten mit sich bringen.

16

Vgl. das Schreiben der Botschaft in Saigon vom 5. Febr. 1968 in B 106/41417. - Seit dem 30. Jan. 1968, mit Beginn des buddhistischen Neujahrsfestes (Tet), waren sieben Provinzen und fast alle größeren Provinzstädte von einer Großoffensive (Tet-Offensive, Januar bis März 1968) der Nationalen Front für die Befreiung Süd-Vietnams (Vietcong) mit Unterstützung nordvietnamesischer Truppen gegen die US-amerikanischen und südvietnamesischen Streitkräfte betroffen. In Südvietnam waren zu diesem Zeitpunkt über 330 Personen aus der Bundesrepublik u. a. in Hilfsprojekten hauptsächlich in Saigon und Da Nang, Hue und fünf weiteren Städten tätig. Die amerikanische Regierung hatte wiederholt zugesagt, für deren Sicherheit in Süd-Vietnam einzutreten und sie bei der Evakuierung zu berücksichtigen. Vgl. die Berichte der deutschen Botschaft in Saigon vom 6. Febr. 1968 in B 136/3657 und die Aufzeichnung des AA vom 7. Febr. 1968 in AA B 37-IB5, Bd. 393, weitere Unterlagen in B 106/41418, B 136/3658 und B 213/8892 sowie AA B 37-IB5, Bde. 391, 392, 395 und 398.

Bundesminister Wischnewski führt aus, daß im Kriegsgebiet keine Entwicklungshilfe geleistet werden könne. Angesichts der durch die Vietcong-Offensive eingetretenen militärischen Lage sähe er sich außerstande, die Verantwortung dafür zu tragen, daß deutsche Entwicklungshelfer im Regierungsauftrag in Gebieten tätig seien, in denen überall Kämpfe stattfinden. An der Aussprache beteiligen sich auch die Bundesminister von Hassel und Frau Strobel. Schließlich verliest Bundesminister Wischnewski die ihm während der Sitzung übermittelte Nachricht, daß die deutsche Ärztegruppe in Hue in die Gefangenschaft der Vietcong geraten sei. 17

17

Vgl. das Schreiben der deutschen Botschaft in Saigon vom 7. Febr. 1968 in AA B 37-IB5, Bd. 395, und B 106/41417.

Abschließend stimmt das Kabinett zu:

1.)

dem Vorschlag des Bundesministers des Auswärtigen,

a) 

die Botschaft Saigon zu ermächtigen, Frauen und Kinder deutscher Staatsangehöriger bei sich bietender Gelegenheit abzutransportieren;

b) 

intern die möglichen und notwendigen Vorbereitungen für einen erforderlich werdenden schnellen Abtransport der gesamten Kolonie zu treffen;

c) 

Deutschen, die ausreisen wollen, bei der Ausreise aus Vietnam behilflich zu sein;

2.)

dem Antrag des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit, die von der Bundesregierung nach Vietnam entsandten Entwicklungshelfer aus dem Gefahrengebiet zurückzuziehen; dieses muß jedoch unauffällig geschehen. 18

18

Fortgang 120. Sitzung am 17. April 1968 TOP B.

Extras (Fußzeile):