2.3.20 (k1953k): B. Verhaftung Naumanns und 6 weiterer führender Nationalsozialisten

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung Band 6. 1953Die Außenminister der drei Westmächte in WashingtonAus der Sowjetunion heimgekehrte KriegsgefangeneDer Bundesminister der Finanzen an den BundeskanzlerVereidigung der Mitglieder des zweiten Kabinetts Adenauer

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[B.] Verhaftung Naumanns 40 und 6 weiterer führender Nationalsozialisten

40

Dr. Werner Naumann (1909-1982). 1937-1945 im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda zunächst persönlicher Referent des Ministers, Leiter des Ministeramtes und ab April 1944 Staatssekretär; seit 1950 Geschäftsführer einer deutsch-belgischen Export- und Import-Firma.

Der Stand der Angelegenheit 41 und deren Auswirkung auf die öffentliche Meinung im In- und Ausland wird erörtert 42.

41

Der britische Hohe Kommissar hatte in der Nacht zum 15. Jan. 1953 Naumann und weitere ehemalige Nationalsozialisten wegen verfassungsfeindlicher Bestrebungen verhaften und Unterlagen beschlagnahmen lassen. Das Kabinett hatte bereits am 15. Jan. gelegentlich eines Abendessens mit Vertretern der Koalitionsfraktionen diese Verhaftungsaktion erörtert (siehe Pressekonferenz vom 16. Jan. 1953 in B 145 I/26 und NL Adenauer/04.04). - Zur Unterrichtung des Bundeskanzlers über die bevorstehenden Verhaftungen und zur deutschen Beteiligung an der vorausgehenden Überwachung des Naumann-Kreises siehe das Schreiben Lehrs vom 19. Dez. 1952 in B 136/1748, die Aufzeichnung vom 19. Jan. 1953 in B 106/15561, die Pressekonferenzen vom 15. und 19. Jan. 1953 in B 145 I/26, die Eintragung von Lenz vom 17. Jan. 1953 (NL Lenz/Tagebuch) und Adenauer Teegespräche S. 398-406. - Vgl. dazu auch die Schreiben Adenauers vom 20. Jan. 1953 an Schäfer und Mühlenfeld in NL Adenauer/12.29 und 12.32.

42

Der Bundeskanzler sah sich veranlaßt, dem großen Presseecho mit einer Rundfunkansprache (Mitteilung des BPA Nr. 53/53 vom 19. Jan. 1953) und mit einer Erklärung im Bundestag (Stenographische Berichte Bd. 14 S. 11673-11674) entgegenzutreten. Vgl. dazu auch das Schreiben Lehrs vom 22. Jan. 1953 in B 136/1734. - Seebohm notierte von der hier im Kabinett geführten Diskussion: „[...] Fall Naumann: Kirkpatrick heute bei Adenauer zur Bekanntgabe der bisherigen Ergebnisse. Jetzt ist Krach fehl am Platz, bevor wir wissen, was die Engländer aufzuweisen haben. Entweder Engländer können Material liefern oder sie müssen einen Zurückzieher machen. Kirkpatrick hat Middelhauve vor Naumann gewarnt. M[iddelhauve] hat daraufhin K[irkpatrick] empfohlen, N[aumann] doch zu empfangen, das sei ein netter Mann. Blücher will Kirkpatrick als Vorsitzer FDP um Unterredung bitten. Adenauer: die Engländer werden die große Koalition nicht wollen, aber die Restbestände der USA Hicog. Lehr: große Seifenblase; Ausgang war Bruderschaft Beck-Broichsitter. Überwachung durch Verfassungsschutzamt: weitere Beobachtung wäre wichtiger gewesen als Verhaftung. Kirkpatrick kein Freund Deutschlands. Gefahr nicht von rechts, sondern von links: dort ist die Gefahr erheblich. Bestellte Arbeit der Feinde Deutschlands. Beck-Broichsitter hat sich nach dem Osten abgesetzt; liefert Geld. Strauß: ,Verband der verdrängten Hochschullehrer' - Strauß und Hallstein warnen. HICOG-Veröffentlichung, laufende Umfrage über NSDAP: Ergebnis um 2% anders als im Vorjahr. Protest durch Lenz. Heftiges Echo aus Washington. Morgenthau-Leute, die der SPD nahestehen, versuchten Atmosphäre zu vergiften, die durch Naumann und Oradour sehr belastet. Frankreich, England. In England wächst die Neigung zu europäischer Zusammenarbeit. England versucht andererseits, bilaterale Zugeständnisse zu erreichen, um seine Position gegenüber Europa zu verbessern; möchte hinter dem Rücken der OEEC gegen OEEC wirken. Frankreich hat unter Druck USA seine Auffassung zu Verträgen wesentlich verändert [...]" (NL Seebohm/8). - Ausführliche Notizen dazu auch bei Lenz S. 531 f. Vgl. dazu auch die Diskussion im Bundesvorstand der FDP am 24. Jan. 1953 in NL Blücher/235. - Fortgang 278. Sitzung am 27. Febr. 1953 TOP H.

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