2.37.14 (k1953k): C. Besuch des Bundeskanzlers im Kriegsverbrecherzuchthaus Werl

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung Band 6. 1953Die Außenminister der drei Westmächte in WashingtonAus der Sowjetunion heimgekehrte KriegsgefangeneDer Bundesminister der Finanzen an den BundeskanzlerVereidigung der Mitglieder des zweiten Kabinetts Adenauer

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[C.] Besuch des Bundeskanzlers im Kriegsverbrecherzuchthaus Werl

Der Bundeskanzler berichtet über die Schlesierkundgebung in Werl 24 und daß er bei dieser Gelegenheit die von den Engländern im Zuchthaus Werl festgehaltenen deutschen „Kriegsverbrecher" besucht habe 25. Er habe dabei festgestellt, daß die Ernährung der Gefangenen gut und ihre Unterbringung recht komfortabel ist. In den Zellen befinden sich Radio, Zeitungen und Bücher. Die beiden inhaftierten Generale 26 haben noch einen Wohnraum, ihre Zellen sind nicht abgeschlossen. Die Gefangenen haben jede Woche die Möglichkeit, eine Kinovorstellung zu besuchen.

24

Am 28. Juni 1953 hatten über 50 000 heimatvertriebene Schlesier eine Wallfahrt zum Gnadenbild der Muttergottes in Werl unternommen (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29. Juni 1953 S. 3). An ihr hatten auch Adenauer, Ministerpräsident Arnold und Kardinal Frings teilgenommen. - „Thesen für die Rede des Herrn Bundeskanzlers in Werl am 28. Juni 1953" in B 136/3772. Rede Adenauers in Bulletin vom 30. Juni 1953 S. 1020.

25

Zu Reaktionen auf den Besuch vgl. B 136/1882.

26

Adenauer hatte unter anderem mit dem SS-General Kurt Meyer und Generaloberst Nikolaus von Falkenhorst gesprochen (Die Welt vom 29. Juni 1953 „Kanzler besucht Werl-Häftlinge").

Der Bundeskanzler bemerkt sodann, daß seit langer Zeit keine Begnadigungen 27 mehr ausgesprochen sind. Die letzte war die des Generalfeldmarschalls von Kesselring 28. Den Grund sieht der Bundeskanzler darin, daß das Begnadigungsrecht in England ein Recht der Krone ist, die es auf ein Kabinettsmitglied überträgt. Bisher war der Außenminister Eden ermächtigt worden; infolge seiner Krankheit stockt aber das Begnadigungsverfahren. Er habe deshalb dem Botschafter Kirkpatrick einen Schritt der Bundesregierung in Aussicht gestellt. Staatssekretär Prof. Dr. Hallstein erhält den Auftrag, sich bei der englischen Besatzungsmacht für den von dem Generalstaatsanwalt in Hamm vorgetragenen Wunsch einzusetzen, daß die „Kriegsverbrecher" in einem anderen Flügel des Zuchthauses untergebracht werden sollen 29.

27

Zum Problem der Begnadigung vgl. 247. Sitzung am 16. Sept. 1952 TOP 1 h, zur Errichtung eines gemischten deutsch-alliierten Begnadigungsausschusses vgl. 278. Sitzung am 27. Febr. 1953 TOP 4.

28

Albert Kesselring (1885-1960). 1940 Generalfeldmarschall; 1945 Kriegsgefangenschaft, 1947 von einem englischen Militärgericht zum Tode verurteilt; das Urteil wurde kurz darauf in lebenslänglich, später in 20 Jahre Gefängnis umgewandelt. Seit 1947 im Gefängnis Werl, 1952 begnadigt; Kesselring wurde im Dez. 1952 vom Bundeskanzler empfangen (B 136/1881). 1953 Bundesführer des Stahlhelms. - Albert Kesselring, Soldat bis zum letzten Tag (1953); Gedanken zum Zweiten Weltkrieg (1955).

29

Nicht ermittelt.

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