2.6.10 (k1953k): C. Vertreibung der Bauern aus der Sowjetzone

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[C.] Vertreibung der Bauern aus der Sowjetzone

Der Bundeskanzler führt aus, in Berlin habe sich sein Eindruck verstärkt, daß die Bauern systematisch aus der Sowjetzone vertrieben werden 32. Da wir diese Menschen dringend brauchten, wenn die Ostgebiete wieder mit der Bundesrepublik verbunden seien, zur Zeit aber eine Verwendung in ihrem Beruf bei uns nicht ermöglicht werden könne, möchte er geprüft wissen, ob sie etwa in Kanada Arbeit finden können. Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen glaubt, daß diese Bauern nahe bei ihrer alten Heimat, möglichst an der Zonengrenze bleiben wollen. Aus Kanada kämen sie niemals zurück. Er befürchtet politisch ungünstige Wirkungen, wenn man die Kanada-Pläne in der Öffentlichkeit erörtert 33.

32

Nach der Zweiten Parteikonferenz der SED vom Juli 1952 hatten die Behörden der DDR damit begonnen, Betriebe mit bis zu 20 ha landwirtschaftlicher Betriebsfläche zu Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zusammenzufassen. Das Ende der privaten Verfügung über landwirtschaftliches Eigentum und dessen Verwertung sowie Schwierigkeiten bei der Erfüllung von Produktionsnormen hatten viele Landwirte zur Flucht veranlaßt. Vgl. dazu Materialien und Berichte über die Lage der Landwirtschaft und über die Agrarstruktur- und Besitzverhältnisse in der DDR in B 116/7280-7282 und 7315. - Vgl. dazu auch den Bericht des Ausschusses für Gesamtdeutsche Fragen vom 30. April 1953 (BT-Drs. Nr. 4303) und 291. Sitzung am 8. Mai 1953 TOP F Anm. 19.

33

Vgl. 272. Sitzung am 30. Jan. 1953 TOP D. - Der Plan einer „vorübergehenden" Auswanderung von Flüchtlingsbauern nach Kanada fand bei Verbandsvertretern und in der Presse ein weitgehend negatives Echo (B 106/9187). - Unterlagen über die Verhandlungen mit Kanada ebenda und in B 106/2483.

Der Bundeskanzler betont, daß er nur daran denke, mit Kanada zeitlich begrenzte Arbeitsverträge schließen zu lassen, er wünscht keinesfalls eine „Auswanderung". Er bemängelt, daß die Bundesregierung nicht genügend organisatorisch vorbereitet ist, um die mit der neuen Flüchtlingswelle verursachten Probleme zu bewältigen. Staatssekretär Dr. Lenz wird beauftragt, sich dieser Frage anzunehmen 34.

34

Fortgang 274. Sitzung am 10. Febr. 1953 TOP A.

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